Broder: Danke, Karl Lauterbach

Von Henryk M. Broder, veröffentlicht in der WELT

Henryk M. Broder sieht seine Ängste bestätigt: Der Kampf gegen den Klimawandel wird mit autoritären Maßnahmen gekämpft werden, das glaubt auch Karl Lauterbach
Man muss Karl Lauterbach dankbar sein, meint Henryk M. Broder. Er habe ausgesprochen, was der Kampf gegen den Klimawandel für uns bedeutet: Ausgehverbote, Besuchsverbote und Rationierungen. Die Einzigen, denen künftig erlaubt wird, in die Ferne zu fliegen, werden Politiker sein.
Great minds think alike, sagen die Briten. Soll heißen: Große Denker haben die gleichen Gedanken. Kaum hatte ich in der letzten WELT AM SONNTAG geschrieben: „Was heute an und mit Corona ausprobiert wird, wird morgen im Kampf gegen den Klimawandel zum Einsatz kommen“, meldet sich Karl Lauterbach mit einem WELT-Gastkommentar zu Wort und verkündet: „Wir benötigen Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels, die analog zu den Einschränkungen der persönlichen Freiheit in der Pandemie-Bekämpfung sind.“
Ich will damit weder unterstellen noch andeuten, Lauterbach habe bei mir abgekupfert, das wäre schon zeitlich unmöglich, ich wundere mich nur, dass wir beide zum gleichen Schluss kommen: Die geltenden Einschränkungen der persönlichen Freiheit in der Pandemie-Bekämpfung sind nur eine Generalprobe für die Maßnahmen, die für den Klimawandel nötig sein werden. Der Unterschied zwischen Lauterbach und mir liegt darin, dass ich vor einem Zustand warnen wollte, den er sich herbeiwünscht. Ich denke libertär, er denkt autoritär.
Das ist keine Petitesse wie der Unterschied zwischen Coke und Pepsi. Es ist etwas Grundsätzliches. Dabei schätze ich den „Gesundheitsexperten der SPD“, als der er in den Talkshows vorgestellt wird. Er hat sich innerhalb weniger Monate zu einem führenden Virologen hochgearbeitet, und wenn er nicht so ein grauenhaftes Rheinisch sprechen würde, würde ich ihn vielleicht sogar mögen.
Ich selbst bin weder ein Klima- noch ein Corona-Leugner. Ich leugne nicht, dass es einen Klimawandel gibt, so wenig wie ich leugne, dass wir es mit einem gefährlichen Virus zu tun haben. Ich habe nur begründete Zweifel, ob es möglich ist, Naturerscheinungen und Naturkatastrophen mit administrativen und gesetzgeberischen Maßnahmen zu bekämpfen.
Mir sind auch die voreiligen Jubelschreie suspekt, wonach das Virus jetzt bereits besiegt sei. So haben auch die Meldungen von der Ostfront geklungen – vor Stalingrad.
Dennoch bin ich dem Klima- und Corona-Experten Lauterbach dankbar, dass er bestätigt hat, was ich nur anzudeuten wagte: Im Kampf gegen den Klimawandel wird es Ausgehverbote, Reiseverbote, Besuchsverbote geben, wird das Leben rationiert werden wie einst Mehl und Speck. Der fürsorgliche Staat sorgt für eine gerechte Verteilung des Mangels. Und die Einzigen, denen erlaubt wird, in die Ferne zu fliegen, werden Politiker sein, die sich auf Kiribati und Tuvalu über die Folgen des Klimawandels informieren wollen.

  1. #1 von Heimchen am Herd am 30/12/2020 - 19:12

    „Im Kampf gegen den Klimawandel wird es Ausgehverbote, Reiseverbote, Besuchsverbote geben, wird das Leben rationiert werden wie einst Mehl und Speck.“

    Das versteht man unter der neuen Normalität! Die alte Normalität wird es nicht mehr geben!

    Hoffentlich verschwinden solche verrückten Typen wie Lauterbach bald von der Bildfläche!

  2. #2 von CheshireCat am 31/12/2020 - 01:45

    „Und die Einzigen, denen erlaubt wird, in die Ferne zu fliegen, werden Politiker sein, die sich auf Kiribati und Tuvalu über die Folgen des Klimawandels informieren wollen.“