Nachtrag zu St Nikolaus

„Nikolaus war kein Türke …
von: Nikoline Hansen, Jüdische Rundschau
Die Verbreitung von Unwahrheiten und Geschichtsklitterung hat in totalitären Systemen Tradition. So ist es nicht verwunderlich, dass zunehmend gerade muslimisch geprägte Gesellschaften versuchen, Geschichte zu ihren Gunsten auszulegen – wohl wissend: Wer die Geschichte schreibt, hat die Macht.
In komplexen Situationen ist es bequem, einfache Legenden zu schaffen und so die eine oder andere Identifikationsfigur zu vereinnahmen: Heilige hatten schon immer eine Anziehungskraft und ihr Charisma konnte nach ihrem Tod durchaus noch wachsen, wozu die Legendenbildung in hohem Maße beitrug.
Faktenwissen gerät immer stärker ins Hintertreffen vor diesen Versuchen, Geschichte und insbesondere charismatische Führungsfiguren umzudeuten und für eigene Zwecke zu vereinnahmen. Eine in dieser Hinsicht interessante historische Figur ist der Heilige Nikolaus. Sein Name ist griechisch und bedeutet übersetzt in etwa so viel wie „Sieger des Volkes“. Er wurde um 280 in Patara geboren und war in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts Bischof von Myra – einer antiken Stadt in Lykien, zu seiner Zeit Teil des Römischen Reiches, später des Byzantinischen, heute die Stadt Demre in der Provinz Antalya in der Türkei. 310 wurde er im Zuge der Christenverfolgung gefangengenommen und gefoltert. Sein genaues Todesdatum ist nicht bekannt, es wird zwischen 345 und 351 datiert. Myra wurde im 5. Jahrhundert unter dem oströmischen Kaiser Theodosius II. Verwaltungssitz, ab 809 durch arabische Truppen geplündert verlor es an Bedeutung. Um 1080 wurde es zeitweise von türkischen Stämmen erobert.

Der Heilige Nikolaus gilt vielen als Schutzpatron: Den Kindern, den Seefahrern, den Händlern sowie weiteren Volks- und Berufsgruppen: Er wurde somit nach seinem Tod zu einer überaus charismatischen Persönlichkeit, um die sich ein regelrechter Kult entwickelte, der sich unter anderem nach Italien ausbreitete und dazu führte, dass süditalienische Kaufleute während der Unruhen Ende des 11. Jahrhunderts die Gebeine raubten und nach Bari brachten, wo sie 1087 ankamen und noch heute in der eigens errichteten Basilica San Nicola ruhen. Die Ankunft der Reliquien wird noch heute jährlich im Mai mit einem großen Fest gefeiert.
Nun weiß man zwar nicht viel über die historische Person Nikolaus, aber eins ist sicher: Er ist kein Türke! Denn erstens gab es damals noch gar keine Türkei und zweitens lebten die frühen Türken noch in ihrer Urheimat Mittelasien. Die Türken sind nicht die Ureinwohner des heutigen Staatsgebietes der Türkei, sondern Neu-Einwanderer aus anderen Weltgegenden. Trotzdem wird dies heute gerne und immer wieder behauptet.
So findet sich auf einer für Unterrichtszwecke zur Verfügung gestellten Webseite in Fettdruck verkürzt die Behauptung: „Nikolaus wurde um 280/286 in Patara in Lykien in der Türkei geboren und starb zwischen 345 und 351 in Myra, dem heutigen Kocademre bei Kale in der Türkei.“ Nur ein kleiner Schritt ist es dann zu der Behauptung der türkischen Kulturgemeinde Österreich: „Der Nikolaus kommt aus der Türkei“. Und so wird durch die Umdeutung der Herkunft einer Heiligenfigur ein junges Land ganz unverhofft zu einem alten Kulturland, obwohl die türkische Besiedlung der Heimat des Nikolaus erst ein paar Jahrhunderte nach seinen Lebzeiten mit dem Eintreffen der Seldschuken im 11. Jahrhundert begann, was wiederum die Entführung seiner Gebeine nach Italien begünstigte.

Dies ist kein Einzelfall. Die falsche ethnische Zuordnung einer historischen Person mit Charisma zu Propagandazwecken hat Tradition …“

  1. #1 von Lomar am 07/12/2020 - 09:38

    Wie sagt man auch so schön. Ein Fuchs, der im Hühnerstall geboren wurde, ist deshalb noch lange kein Huhn. Und wenn der Hühnerstall erst Jahrhunderte später über dem Fuchsbau errichtet wurde, dann ist der Fuchs nichtmal im Hühnerstall geboren.

  2. #2 von CheshireCat am 08/12/2020 - 00:08

    „Nikolaus war kein Türke …“

    Das sehen auch die Türken so: