Wenn Pilatus Jesus begnadigt hätte

Roms Statthalter in Judäa verurteilte am Karfreitag des Jahres 30 (oder 31) einen Zimmermann aus Nazareth zum Tod am Kreuz. Doch das war nicht zwangsläufig, wie der Althistoriker Alexander Demandt gezeigt hat. weiter bei WELT

  1. #1 von Heimchen am Herd am 10/04/2020 - 20:15

    „Demandts Überlegungen zu einer anderen Entscheidung von Pontius Pilatus über Jesus eröffnen den Blick auf fünf verschiedene Alternativen. Für gläubige Menschen ist das natürlich keine weiterführende Überlegung. Für alle anderen lohnt es sich, die Bedeutung des Urteils am Karfreitagvormittag des Jahres 30 (oder 31) zu durchdenken.“

    „Ernest Renan brachte es auf die so knappe wie einleuchtende Formel: „Der dumme Hass der Feinde Jesu entschied über seinen Erfolg.“

    Irgendwie muss ich bei dieser Geschichte an die AfD denken, geht das nur mir so?!

  2. #2 von Lomar am 11/04/2020 - 09:12

    Den im Text zitierte Aussage Jesu, dass man seine Feinde vor ihn bringen solle, dass er sie hinmetzele, kann ich nirgendwo finden im NT.
    Der Verfasser des Artikels in Berufung auf den Historiker will Jesus damit in die Nähe von Djihadisten bringen. Wahrscheinlich bezieht sich der Verfasser auf ein Gleichnis Jesu. Dort fallen solche und ähnliche Aussagen, allerdings nicht als Botschaft Jesu, sondern als Denkaufgaben an die Zuhörer. Jesus selbst hat auf Gewaltlosigkeit gesetzt. Da gibt es eindeutige Aussagen auch gerade im Zusammenhang mit Petrus als dieser dem Malchus das Ohr mit dem Schwert abschlug. Jesu Jünger waren zumindest teilweise bewaffnet, das stimmt. Aber diese Bewaffnung war keine Anweisung Jesu, sondern resultierte aus der Erwartung der Jünger, dass es mit Jesus zu einem Aufstand gegen die Römer kommen würde und auch sicher, um Jesus gegen Angriffe verteidigen zu können, wie dann ja auch im Garten Getsemani geschehen. Das Geschehen kontert Jesus aber mit den Worten an Petrus „Stecke dein Schwert weg, denn wer zum Schwert greift, soll durchs Schwert umkommen.“ Das Schwert, welches Jesus bingt – auf diese Aussage wird in dem Artikel auch Bezug genommen, um Jesus in die Nähe von Djihadisten zu bringen – ist keine Waffe, um jemanden zu töten, sonden es ist der Unfrieden, der entsteht durch die radikale Umsetzung des Glaubens, wie ihn Jesus predigte. Dadurch werden Gläubige von der Gesellschaft bzw. sogar von den eigenen Familien verstoßen. Darauf muss der Jünger vorbereitet sein. Deshalb diese Aussage. Es gab mal ein Lied von Roger Whittaker, „Abschied ist ein scharfes Schwert“. In dem Lied ruft er keineswegs zur Gewalt auf und Roger Whittaker wird, obwohl hin und wieder bärtig, bis heute nicht nicht den Djihadisten zugerechnet. Der sogenannte Historiker im Weltartikel sollte das auch bei Jesus unterlassen. Das kann immer nur einen Zweck verfolgen, den herbeizuführen, mich dann aber am Historiker und nicht an der Historie zweifeln lässt. Es gibt in allen vier Evangelien keinen einzigen Aufruf Jesu an seine Jünger, Gewalt gegen Feinde anzuwenden. Dass sie es aber mit Gewalt zu tun bekommen werden, darauf bereitet sie Jesus vor. Die einzige Stelle, die mir bekannt ist, in der Jesus selbst Gewalt angewendet hat, ist die Tempelreinigung. Dort geht die Gewalt aber hauptsächlich gegen die verunreinigenden Gegenstände, Tische, Wchselstände. Allerdings wird auch von einer Austreibung der Wechsler und Händler berichtet, Wie die Austreibung der Händler mit einer Geißel vonstatten ging, wird nicht genau berichtet. Ob er sie schlug oder nur vor sich her trieb, geht nicht genauso hervor. Es dürfte aber in jedem Fall ein überraschendes Bild für die Jünger gewesen sein. Die Tempelreinigung dient aber keineswegs zur Legitimation für Christen, Gewalt anzuwenden, denn die Zusammenhänge machen eindeutig deutlich, dass Jesus Gewalt gegen seine Feinde ablehnt und dass hier in der Tempelreinigung der göttliche Zorn über die Verunreinigung des Heiligen durch den Menschen aufgezeigt werden soll.
    Solche Artikel erscheinen jedes Jahr um die christlichen Feiertage, um den Lesern, die sowieso in Mehrheit schon jede Kenntnis über die/ihre Religionen verloren haben, zu suggerieren, dass da gar nichts Besonderes am Christentum ist und dass es das Gleiche, nur bisschen anders verpackt, zum Islam sei. Aber das glauben ja heute teilweise schon Bischöfe. Wer solls dann den Leuten verdenken.