Deutschlands Vertrauen schafft sich ab

Von Thilo Sarrazin

Ich sehe die Etablierung der AfD und die anhaltende demoskopische Schwindsucht bei CDU und SPD als Ausdruck einer allgemeinen Vertrauenskrise, deren Ausmaß und Dauerhaftigkeit noch gar nicht überschaut werden kann. Wenn einmal das Vertrauen bröckelt, liest der kritische Bürger dieselben Fakten ganz anders. So können Stimmungsumschwünge entstehen, die ihre Eigengesetzlichkeit entwickeln./ mehr auf der Achse …

  1. #1 von ingres am 12/11/2019 - 13:55

    Ich will das näher kommentieren. Was Sarrazin schreibt ist nicht falsch. Nur deshalb ist es noch lange nicht richtig. Ich komme immer mehr zu dem Schluß, dass auch Sarrazon entweder absolut nichts begriffen hat oder halt so schreiben muß. Aber nochmal, nichts was er schreibt ist wirklich falsch. Aber das Entscheidende fehlt halt.

  2. #2 von ingres am 12/11/2019 - 13:56

    Ich will das nicht näher kommentieren sollte das heißen.

  3. #3 von ingres am 12/11/2019 - 14:19

    Sarrazin scheint insbesondere nicht zu begreifen (oder er muß so tun als ob er es nicht begreift), dass die herrschende Einheitspartei ihre Politik nicht mehr ändern wird. Es geht also nicht darum dass Vertrauen verloren geht, sondern die sind das Vertrauens nicht und nie mehr würdig. Die AfD geht er daher viel zu hart an (ich will nicht sagen, dass sein Kritik völlig unberechtigt ist, aber sie ist unangemessen), in dem Sinne, dass diese Rechten nicht nötig wären, wenn die Demokraten nicht zufällig eine falsche Politik betreiben würden. Aber entweder begreift er nicht, dass diese Politik kein Zufall sein kann oder er darf es öffentlich nicht begreifen. Mich interessiert er nicht mehr wirklich.

  4. #4 von Lomar am 12/11/2019 - 14:42

    Ein wichtiger Aspekt ist es, dass Höcke nicht ganz bewusst Nazivokabular verwendet, sondern ein Vokabular, das schon vor den Nazis da war und zumeist zu Zeiten der Deutschen Revolution und seit der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche schon vorhanden war. Richtig ist, dass Höcke sich nicht den Sprachzwängen seiner Kritiker unterwerfen will. Nicht alles, was Hitler gesagt hat, kommt ursprünglich von Hitler und nicht alles, was Nationalstolz ist, kommt aus dem Dritten Reich. In jedem Land gibt es einen gewissen Nationalstolz, der den Deutschen durch die zwölf Jahre des Dritten Reiches zerstört werden sollte bzw. zerstört worden ist. Die zwölf Jahre sind in der Tat unauslöschlich mit dem Deutschen Volk verknüpft, aber eben nicht mit den Menschen, die vorher und nachher in Deutschland geboren wurden. Das ist etwas difizil, aber nachvollziehbar. Der Gedanke der Übertragung der Sünde von den Vätern auf die Kinder (hier ist nicht Erbsünde gemeint, die etwas anderes umschreibt) ist schon in der Bibel hinterfragt (Ezechiel 18,2). Ein Sündenbewusstsein und das Wissen darum, dass wir allesamt zu Bösem fähig sind, sollte aber niemals ausradiert werden. Es täte auch anderen Nationen gut, die sich bis heute weigern zu ihren Morden zu stehen. Wie gesagt, die Nation, nicht die heute lebenden Menschen dort. Diese kann man nicht in eine Verantwortung nehmen.
    Höcke und einige andere wollen den schwierigen Weg gehen und die Deutschen wieder auf ihre alten vordiktatorischen Wurzeln hinweisen und sie darauf aufmerksam machen, dass es diese gibt. Dabei ist Höcke, aber auch einige andere, teilweise sehr ungeschickt vorgegangen. Manche Dinge sollte man so nicht sagen, wie z.B. Gaulands Vogelschissvergleich. Dennoch wird natürlich sowas, nicht nur der Vergleich, sondern das ganze Anliegen, sofort in eine nationalsozialistische Ecke gestellt von allen, die die AfD bekämpfen wollen. Daher werden sich die AfD und Leute wie Höcke immer in einem Minenfeld bewegen. Aber die Menschen sind inzwischen auch abgestumpft von den ewigen Nazivergleichen und -keulen zu jeder Äußerung, die nicht in das Konzept der stark nach links gerückten politischen Landschaft Deutschlands passt. Da bin ich bei Broder, der immer wieder vor diesen Zuweisungen warnt. Von daher hat Sarrazin in dem Punkt Recht, dass der Aufstieg der AfD im Grunde einhergeht mit einem riesigen Vertrauensverlust der Menschen in ihre politische Elite. Das hat die Thüringenwahl wohl wie keine andere vorher deutlich aufgezeigt. Interessanterweise enttarnt sich diese politische Riege der, böse gesagt, Einheitsparteien darin, dass das Ergebnis der Linken in Thüringen weitestgehend unter den Teppich gekehrt wird und auch in diesen Tagen des 30. Jahrestages des Mauerfalls kaum eine Rolle spielt und dass sogar inzwischen die Linken von ihnen mit zur demokratischen Mitte gezählt werden, um sich gegen die AfD abzugrenzen. Ein Armutszeugnis und ein Fakt, der sicher in weiten Teilen der ehemals konservativen Parteien Beachtung finden wird.
    Viel wird davon abhängen, ob es Höcke und dem nationalen Flügel gelingt, glaubhaft und ehrlich zu bleiben und die Nöte und Sorgen der Menschen im Lande zu thematisieren. Sie sollten sich nicht zu sehr in die nationale Ecke drängen lassen, die sie sowieso als einzige besetzt haben. Sie müssen aus dieser Ecke heraus agieren aber dennoch versuchen integrativ und einladend zu bleiben. Dass Höcke im Schussfeld der Linken und Etablierten bleiben wird, dürfte klar sein. Dass ein grober Fehler, ein Fehlgriff in Wort und Tat oder eine verborgene Sache aus der Vergangenheit jederzeit sein politisches Aus sein kann, auch. Auch ist nicht auszuschließen, dass er einem Attentat zum Opfer fällt, denn dazu halte ich seine Gegner für fähig.

  5. #5 von ingres am 12/11/2019 - 16:54

    #3 von ingres am 12/11/2019 – 14:19

    Mich stört extrem und es ist unverzeihlich, dass auch Sarrazin hier die Schiene des Schmuddelkindes AfD fährt. Ja nicht AfD, damit verbündet er sich letztlich mit dm System und hat wahrscheinlich nichts begriffen, wahrscheinlich ist er deshalb naiv noch in der SPD, Das paßt zusammen. Die AfD ist für ihn nur ein Betriebsunfall einer falschen Politik der aufrechten Demokraten. Diese gilt es auf den rechten Weg zu weisen, dann ist die AfD nicht nötig. Und da bin ich diametral anderer Ansicht. Die Politik der Demokraten ist kein Zufall und auch nicht deren Totalitarismus. Sarrazin weiß wohl nicht, dass er ein Fall für den Gulag ist. Und nein, die AfD ist in diesem Sinne kein zu überwindender Betriebsunfall, die AfD ist (trotz einiger ungeschickter Äußerungen) ein und der Wert an sich gegen ein korruptes und nicht mehr zum Anstand fähiges System. Schade, dass Sarrazin das nicht versteht.

  6. #6 von CheshireCat am 13/11/2019 - 01:27

    „Leider ist es richtig, dass aus der AfD immer wieder nationalistische und fremdenfeindliche Äußerungen kommen, die ganz offenbar im Trüben fischen…“

    Hier gibt Sarrazin keinen einzigen Beleg.
    Deshalb muss diese Aussage als völlig unbegründet zurückgewiesen werden.
    (Die SPD-Mitgliedschaft erweiht selbst Sarrazin das Hirn).

    „Quasi als Antithese zur herrschenden SED-Diktatur wurde so in Ostdeutschland ein deutsches Nationalbewusstsein zur Quelle des Widerstandes gegen die herrschende Diktatur und zur Stütze der eigenen Identität.“

    Hier redet Sarrazin über die Dinge, von denen er keine Ahnung hat.
    In allen sozialistischen Ländern gab es sozialistischen Patriotismus, der Nationalbewusstsein einschloss.

    In manchen sozialistischen Ländern gab / gibt es sogar einen offenen Nationalismus (in Nord-Korea z.B. ein Teil der offiziellen Ideologie)

    „Diese Beispiele wurden zufällig aus der Tagespresse ausgewählt. Sie können täglich hundertfach ergänzt werden. Wenn der Bürger Vertrauen in den Staat hat, wird er jedes einzelne Beispiel als Ausnahme von der Regel sehen und an der Überzeugung festhalten, dass Staat und Politik wissen, was sie tun und alles im Griff haben. Ist aber sein Vertrauen einmal erschüttert, dann wird er dieselben Beispiele als Beleg dafür sehen, dass die Staatsmacht in den falschen Händen liegt und hier endlich Remedur geschaffen werden muss.“

    Wenn solche Dinge HUNDERTFACH vorkommen, dann sind es keine Einzelfälle mehr.
    Das Vertrauen ist zwangsläufig dahin.

    Und diese Fälle sind derart grotesk und haarsträubend, dass man unvermeidlich zum Schluss kommen muss, dass an der Macht Degeneraten sind, die gegen das eigene Volk Krieg führen.

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