Armut und Migration

  1. #1 von CheshireCat am 14/07/2019 - 20:59

    https://www.spiegel.de/politik/ausland/fluechtlinge-aus-afrika-armutsmigration-nach-europa-ist-ein-mythos-a-1276011.html
    Forscher über Einwanderungspolitik „Armutsmigration nach Europa ist ein Mythos“

    SPIEGEL ONLINE: Herr Klingholz, Sie schreiben in Ihrer Studie, dass 750 Millionen Erwachsene weltweit gern in ein anderes Land ziehen würden, wenn sie die Möglichkeit hätten.

    Klingholz:
    Zwischen 1990 und 2017 ist die Weltbevölkerung um 42 Prozent gestiegen, die Zahl der Migranten aber um 69 Prozent…
    In den afrikanischen Ländern der Subsahara ist der Anteil am größten. Dort denkt ein Drittel der Menschen daran auszuwandern.

    SPIEGEL ONLINE: Wer schafft es in der Regel von Afrika nach Europa?
    Klingholz: Diese Menschen sind überwiegend zwischen 20 und 30 Jahre alt, meist männlich, vergleichsweise gut gebildet – und nicht arm.
    Die Leute in den meisten armen Ländern Afrikas, die gern auswandern würden, können sich das nämlich gar nicht leisten. Man muss erst mal zum Mittelstand gehören, um das Wissen anzuhäufen, die Netzwerke zu knüpfen und das nötige Geld zu beschaffen. Die vielbeschworene Armutsmigration nach Europa ist also ein Mythos.

    Klingholz: Mit zunehmendem Reichtum steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen migrieren. Die höchste Wanderungswahrscheinlichkeit können wir beobachten bei Ländern mit einem BIP von 8000 bis 13.000 Dollar. In diesem Bereich liegen zum Beispiel Tunesien und Jordanien. Danach fällt sie wieder ab. Diese Kurve nennt man Migrationsbuckel.
    Was also nicht funktioniert: Migration eindämmen, indem wir Ländern bei ihrer Entwicklung helfen. Denn mit zunehmender Entwicklung werden zunächst mehr Menschen in die Lage versetzt, das Land zu verlassen.

    Langfristig kann die Bekämpfung von Fluchtursachen funktionieren; dafür braucht man aber einen langen Atem.

  2. #2 von Heimchen am Herd am 14/07/2019 - 21:20

    Mich interessiert viel mehr die Armut der Deutschen!

    Wachsende Armut in Deutschland und die These der Auflösung der Mittelschicht.
    Eine Analyse der deutschen und migrantischen Bevölkerung mit dem Sozio-ökonomischen Panel

    In der soziologischen Forschung wurde zuletzt verstärkt die These diskutiert, dass die wachsende Armut in Deutschland zunehmend die Mittelschichten gefährdet. Der Anfang dieser Debatte lässt sich bis zu den Arbeiten des Sonderforschungsbereichs 186 zurückverfolgen. Eine der wesentlichen Erkenntnisse der Bremer Forschergruppe lautete vor bereits 15 Jahren, dass Armut ein zunehmend individualisiertes, temporalisiertes und in erheblichem Maße sozial entgrenztes Phänomen ist (Leibfried et al. 1995: 14), welches als (vorübergehende) Lebenslage und latentes Risiko bis in mittlere soziale Schichten hinein reicht und nicht mehr ausschließlich auf traditionelle Randgruppen begrenzt werden kann (Pfaff 1995). Gesellschafts- und sozialpolitisch sollte dies allerdings nicht als Entwarnung verstanden werden, da durch eine Ausweitung in die Mittelschichten mehr Menschen von Armut betroffen sind (Leibfried et al. 1995: 14). Armut bis in die Mitte der Gesellschaft hinein, so die implizite These, stelle demnach auch das Wirtschafts- und Sozialsystem in Frage und gefährde die politische und soziale Legitimation des Gemeinwesens.

    https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-531-92514-1_8

    Der Mittelschicht in Deutschland geht es auch nicht mehr gut! Hört also endlich auf, die ganze
    Welt auf unsere Kosten durchzufüttern! Es reicht!!!