CEBIT: Das Versagen der Politik

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Von Gabor Steingart

„Manche Ereignisse werden dadurch erträglicher, wenn man eine Nacht darüber schläft. Das Aus für die weltgrößte Computermesse Cebit gehört nicht dazu.

Nach 33 Jahren wird dieser einst wichtigste Marktplatz der Moderne sang- und klanglos geschlossen. Schuld seien rückläufige Zuschauerzahlen, meldet das Fernsehen. Die Deutsche Messe AG trifft demnach keine Schuld, sie testierte lediglich wie ein braver Notar das digitale Desinteresse der Deutschen.

Doch die Wahrheit sieht anders aus. Es steht Messe drauf, aber es steckt Politik drin. Das Ende der Cebit ist Teil eines großen Versagens. Eigentümerin der Cebit ist die Deutsche Messe AG, eine hundertprozentige Staatsfirma, die der Stadt Hannover und dem Land Niedersachsen gehört. Und die war unfähig, den Markenkern der Cebit in die neue Zeit zu transformieren. Stellt euch vor, das Digitalzeitalter klopft an die Tür und niemand ist zu Hause.

Die Unerreichbarkeit ist strukturell bedingt. In den Führungsgremien der Deutschen Messe AG sitzt nicht ein einziger Digitalexperte, dafür Politiker soweit das Auge reicht: Aufsichtsratsvorsitzender ist der SPD-Wirtschaftsminister von Niedersachsen, Bernd Althusmann. Neben ihm im Kontrollgremium haben der CDU-Finanzminister, der SPD-Umweltminister, der SPD-Bürgermeister von Hannover und IG-Metall-Funktionäre ihre Posten bezogen. Niedersachsen wäre nicht Niedersachsen, wenn nicht auch noch Platz wäre für ein Vorstandsmitglied von VW.

Ohnmächtig muss das Bürgertum den Niedergang des einstigen Innovationsweltmeisters Deutschland beobachten. Man revoltiert nicht, aber grummelt. Man hat kein Verständnis, aber man versteht. So sehen politische Delegitimierungsprozesse aus.

In den Schulen sind das Digitalste die Pausen. Es lebe die ewige Kreidezeit. Klaus Wowereit hat einen Flughafen gebaut, bei dem nur die Kosten, aber nicht die Flugzeuge abheben. Und das SPD-Biotop in Niedersachsen verschläft vor aller Augen die Morgenröte des Digitalzeitalters. Internet-Ikone Sascha Lobo analysiert im gleich erscheinenden Morning Briefing Podcast die triste Lage. Das ist kein Interview, sondern ein Nachruf.

Wenn laut Forsa-Umfrage nur noch vier Prozent der Deutschen der SPD die Lösung der Gegenwartsfragen zutrauen, dann dürfen sich 96 Prozent mit dem Blick nach Hannover bestätigt fühlen. Die anderen vier Prozent würde man gerne persönlich kennenlernen.

  1. #1 von Sophist X (@sophist_x) am 30/11/2018 - 20:36

    https://www.event-partner.de/business/pro-contra-stirbt-die-iaa-aus/

    Von 2017.

    Und Zukunftsmarken wie Tesla verzichten ganz auf eine Präsentation auf der großen alten PKW-Messe in Frankfurt. Auch die alten Platzhirsche wie Fiat und Chrysler kommen erst gar nicht mehr zur IAA. Das Messegeschäft stottert wie ein falsch eingestellter Motor.

    Wozu sollte man auch in einem zukünftigen Drittwelt-Shithole noch große Tech-Messen aufziehen?
    Aber die sollen die Flinte mal nicht ins Korn werfen, ich schätze, dass man dort schon in ein paar Jahrzehnten schariakonforme Sklavenhandelsmessen veranstalten kann.

  2. #2 von Cheshire Cat am 30/11/2018 - 23:49

    Inkompetenz ist keine Spezialität der Sozis, sondern ist das Kernmerkmal aller Altparteien.
    Es wird durch verschiedene Quoten noch verschärft.

    Was qualifiziert z.B. Diplom-Politologin Dorothee Bär zur Staatsministerin für Digitalisierung oder Uschi zu Verteidigungsministerin?

    Uschi ist schon soweit, dass sie sogar die Flugbereitschaft der Bundeswehr ruiniert hat.

    *https://www.n-tv.de/politik/Merkel-reist-im-Linienjet-zum-G20-Gipfel-article20748063.html
    Nicht die erste Panne mit A340: Merkel reist im Linienjet zum G20-Gipfel

    Da kommt die Flugtaxi von Digi-Bär wie gerufen.

    *http://www.pi-news.net/2018/03/frau-baer-will-mit-dem-flugtaxi-nach-digitalien
    Frau Bär will mit dem Flugtaxi nach Digitalien