Kein Ende mit Schrecken. Ein Schrecken ohne Ende

Von Peter Grimm

Wenn eine vom Wähler drastisch abgestrafte Regierung so kaltschnäuzig ihr „weiter so“ beschließt wie heute die GroKo, dann verhöhnt sie die Bürger in einer bis dato noch nicht gekannten Intensität. Was hier aus der Angst vor Neuwahlen geboren wird, muss bei den Akteuren die Angst vor den nächsten Wahlen nur noch steigern. Aber egal, für die Bürger bedeutet es noch einmal vier Jahre ohne Bewährung. Mehr auf der Achse …

  1. #1 von Cheshire Cat am 14/01/2018 - 18:53

    https://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna/item/738-8-januar-2018

    Leser *** weist mich auf Friedrich Dürrenmatts Stück „Romulus der Große“ (Neufassung 1980) hin, dessen Titel- und Hauptfigur der letzte römische Kaiser Romulus Augustus ist, den der germanische Heermeister Odoaker (den Dietrich von Bern nur mit Wittichs Zauberschwert Mimung und unter Eidbruch besiegen konnte) am 4. September 476 zu Ravenna enthronte und gnädig in die Verbannung schickte (nach Chile? nein, näher). Zu dieser Zeit war Westrom bekanntlich schon durch lange Bürgerkriege geschwächt, und germanische Stämme hatten begonnen, auf römischem Gebiet eigene Reiche zu errichten, während Ostrom noch Jahrhunderte mit gebremster Energie weiterblühen sollte.

    Dürrenmatts Romulus betrachtet es als seine historische Pflicht, diesen Untergang resp. Übergang zu besiegeln. „Manches Zitat hört sich an, als hätte Dürrenmatt weiland unsere Sonnenkanzlerin vor Auge und Ohr gehabt“, schreibt ***. So reagiert der Kaiser auf eine Hiobsbotschaft mit den Worten: „Meldungen stürzen die Welt nie um. Das tun die Tatsachen, die wir nun einmal nicht ändern können, da sie schon geschehen sind, wenn die Meldungen eintreffen. Die Meldungen regen die Welt nur auf, man gewöhne sie sich deshalb so weit als möglich ab.“ Den Ausruf seines byzantinischen Kollegen Zeno: „Wir müssen jetzt unsere Kultur retten!“ kontert Romulusmit den Worten: „Wieso, ist Kultur etwas, das man retten kann?“ An anderer Stelle erklärt er: „Ich bezweifle nicht die Notwendigkeit des Staates, ich bezweifle nur die Notwendigkeit unseres Staates. Er ist ein Weltreich geworden und damit eine Einrichtung, die öffentlich Mord, Plünderung, Unterdrückung und Brandschatzung auf Kosten der anderen Völker betrieb, bis ich gekommen bin.“ Auf den Einwand der Julia: „Ich begreife nicht, warum du dann ausgerechnet Kaiser geworden bist, wenn du so über das römische Weltreich denkst“, entgegnet Romulus: „Das römische Weltreich besteht seit Jahrhunderten nur noch, weil es einen Kaiser gibt. Es blieb mir deshalb keine andere Möglichkeit, als selbst Kaiser zu werden, um das Imperium liquidieren zu können.“

    Ein letzter Dialog aus dem Stück:
    Ämilian: „Was hast du getan, damit dein Volk nicht in die Hand der Germanen fällt?“
    Romulus: „Nichts.“
    Ämilian: „Was hast du getan, damit Rom nicht so geschändet wird wie ich?“
    Romulus: „Nichts.“
    Ämilian: „Und wie willst du dich rechtfertigen? Du bist angeklagt, dein Reich verraten zu haben.“
    Romulus: „Nicht ich habe mein Reich verraten, Rom hat sich selbst verraten.“

  2. #2 von Heimchen am Herd am 14/01/2018 - 19:00

    „Die Wahlverlierer marschieren also wieder in Richtung gemeinsamer Regierung. Die Angst vor einem erneuten Wählervotum schweißt sie zusammen. Nur was passiert dann 2021? Da muss man die Bürger ja wieder an die Wahlurne lassen, oder?“

    Vielleicht werden die Bürger gar nicht mehr an die Wahlurne gelassen, weil die Bürger nicht
    so wählen wie die Altparteien es gerne hätten?! Zutrauen würde ich es diesen Verbrechern!

    Zitat Gauck

    „Die Eliten sind gar nicht das Problem, die Bevölkerungen sind im Moment das Problem“