Grenfell-Tower, Asbest, Fukushima – einige unbequeme Vergleiche

Von Dirk Maxeiner

Die Zahl der Toten und für tot gehaltenen Vermissten ist nach dem Brand im Grenfell-Tower-Hochhaus in London – Stand 19. Juni – auf 79 gestiegen. Es ist inzwischen klar, dass die aus Klimaschutzgründen angebrachte Fassadendämmung dabei wie ein Brandbeschleuniger wirkte. Es ist auch eine Tatsache, dass in Deutschland ebenfalls aufgrund sich rasend ausbreitender Dämmstoff-Brände Menschen gestorben sind. Es ist ferner belegt, dass es nur glücklichen Umständen zu verdanken ist, dass bisher nicht mehr passiert ist. Die Feuerwehren warnen seit langem. Das wurde auf der „Achse“ unlängst ausführlich hier beschrieben.

Angesichts dieser Sachlage ist die politische und mediale Reaktion auf ein Hochrisiko, das viele tausend Menschen bedroht, überaus erstaunlich. Schulterzuckend wird beispielsweise in der „tagesschau“ gemeldet, „dass sich die Flammen über die Fassadendämmung rasch ausbreiten konnten“. Der Ruf nach irgendwelchen Konsequenzen auch hierzulande aber bleibt weitgehend aus. Statt dessen wird das Problem auf illegale oder schlampige Bauausführung verlegt: „Die Gebäudeverkleidung war möglicherweise verboten.“ Der Subtext solcher Analysen lautet: „Bei uns kann das nicht passieren.“ Ganz so, als ob bei uns nicht geschlampt und beschissen wird, ich empfehle einen Abstecher zum BER. Mehr auf der Achse …

  1. #1 von Seltenschreiber am 20/06/2017 - 18:18

    Vor ein paar Jahren wurde bei mir Fassade und das Dach gedämmt. Die Folge ist, dass es im Winter deutlich wärmer und gemütlicher ist, bei gesunkenen Heizkosten. Jetzt, an einem heißen Sommertag, wird mein Zimmer unterm Dach nicht mehr brutal überhitzt. Sogar den ungesunden Ventilator konnte ich abschaffen.

    Man sollte sicherlich diskutieren, welches Material das Beste ist. Aber der Artikel ist dafür viel zu reißerisch. Meine persönliche Lebenserwartung hat sich duch die Dämmung jedenfalls erhöht, selbst wenn man ein erhöhtes Brandrisiko annimmt.

  2. #2 von tfr am 20/06/2017 - 20:40

    Hier wurde im vergangenen Jahr die Fassade gedämmt. Die damit beschäftigten Fachkräfte waren leider nicht in der Lage, das hightech-Produkt „Bohrhammer“ richtig zu bedienen und haben von draußen zehn Löcher durch die Wand gebohrt. Ergebnis darüber hinaus: Im Winter gefühlt kein Unterschied. Im Sommer bekomme ich die Hitze nicht mehr hinaus. Gebrannt hat es zum Glück noch nicht.

  3. #3 von Cheshire Cat am 20/06/2017 - 22:45

    „Es ist inzwischen klar, dass die aus Klimaschutzgründen angebrachte Fassadendämmung dabei wie ein Brandbeschleuniger wirkte.“
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    Es ist überhaupt nicht klar, woher Achse diese Gewissheit hat.
    Zurzeit weiß noch niemand, was und wie da gebrannt hat.

    http://www.express.co.uk/news/uk/817814/London-fire-cause-grenfell-tower-cladding-victims-dead

    “We do not know where it started and we do not know why it spread in the way that it did,” she said, adding: “Investigations have started but it is too soon to say any more.”

    Auf den Bildern sieht man, dass von Außen nur eine Seite brennt, ansonsten brennt das Haus von Innen.

    In den deutschen Medien ist zwar überall von Wärmedämmung die Rede.
    Aber die britischen Medien schreiben nur über die Verkleidung der Fassade.

    The tower block is thought to have been cladded with panels produced by US manufacturer Reynobond.
    The company produces three types of panel, two with fire-resistant cores and a cheaper version with a flammable plastic core. It is believed that the latter was used for Grenfell Tower.

    Bei Reynobond ist nichts über Wärmedämmung zu lesen, sondern nur über reine Fassaden- Verkleidung (Schutz / Verschönerung):
    *http://www.archiexpo.de/prod/arconic-architectural-products-merxheim-frankreic/product-67104-460559.html

    Also, man soll zumindest den offiziellen Bericht abwarten, erst dann kann man diskutieren / spekulieren.

    Sicher ist nur, dass die inzwischen in Londonbul herrschende 3. Welt Verhältnisse zum Desaster geführt haben.
    Wie genau ist aber noch nicht klar.