NoPE vs. PEGIDA

Gastbeitrag von Roland W.

Schon vor meinem Dresden—Besuch hatte ich von NoPE gehört. Was mag das wohl sein, dachte ich. Eine Abkürzung für Nordpolexpedition? Oder ein knalliger Werbespruch »Du wäschst noch mit PERSIL?«, vielleicht die Aufforderung »Fahren Sie OPEL!« eventuell auch »Neues offizielles Pedum«, »Novizen des Pegasus«, »Nomen Postverbale«? Wer kann es wissen, die Welt ist voller Rätsel. Mein rastloses Suchen wurde aber belohnt, ich kam dahinter, daß es »No PEGIDA« heißt. Die Freude über den Wissensgewinn wurde aber von der Enttäuschung aufgezehrt, wie hier mit der Sprache umgegangen wird. Goethe hatte doch gesagt: »Ein Blick ins Buch und zwei ins Leben / das wird die rechte Form dem Geiste geben.« Also gerade nicht einer ins englische Wörterbuch und zwei ins Vereinsregister! Ich muß nun erst einmal kurz erklären, wer dieser Goethe war. Es wird schon einen Grund gegeben haben, warum man ihm bei uns im Leipziger Zentrum ein Denkmal errichtet hat. Sein Name ist noch in einem gelegentlich zu hörenden Entsetzensschrei »Du liebe Göte, müchte man das?« zu hören und die schon länger hier Lebenden erinnern sich noch an einen kernigen Ausspruch, den t er un­sterblich geworden, alles andere, was er geschrieben hat, ist dagegen in unserer modernen Zeit und »in diesem Land« (Schulz) bedeutungslos.
Ich war also darüber betrübt, wie einer gute Sache mit einer schlechten Benennung nur unzureichend gedient wird. Die Vielfalt der politischen Meinungsäußerungen ist ein wertvolles Gut und ich erinnerte mich an Karl Kraus, der den Journalisten mehrmals anbot, ihre Texte vor der Drucklegung syntaktisch zu bereinigen, ohne die Aussage zu verfälschen, ja sogar diese noch deutlicher herauszuarbeiten. Damit wollte er sogar — was hier aber nicht zutrifft — die dahinterstehende minderwertige verlogene Gesinnung verdeutlichen. Ich erwog also, ob NeiPeg (Nein zu PEGIDA), WegPeg (Weg mit PEGIDA), SchluPeg (Schluß mit PEGIDA) besser klänge, oder ob vielleicht PegiGeg, PeStop, PaWeg, PiVo, PEGIVOB (PEGIDA—Verbot) oder gar StoppE (Stoppt PEGIDA), auch einmal gut sächsisch BB (BEGIDAH begämfn) die revolutionäre Kampfbereitschaft der werktätigen Massen besser zu aktivieren im Stande wäre.
Aber mußten es denn wirklich zusammengezwängte Wortfetzen sein? Wie wäre es denn mit den Anfangsbuchstaben der massenaktivierenden Kampfaussage. Also statt »Macht endlich Schluß mit diesen menschenverachtenden fremdenfeindlichen islamophoben Demonstrationen!« einfach MESMDMFID!, DA SIEHT JEDER GLEICH, was Sache ist und das Rufzeichen setzt noch einen besonders aufrüttelnden Akzent. Eine Variante, die europaweit für Aufsehen sorgen dürfte, entstünde aus »Nieder mit diesen sogenannten Patrioten, die sich PEGIDA nennen!«, indem der besseren Lesbarkeit halber das Komma auch aufgenommen wird, nämlich so: NMDSP,DSPN! Und aus Solidarität mit unseren neuen tiefergebräunten Freunden von rechts nach links gelesen, wie es sich eigentlich gehört !NPSD,PSDMN.
Da nun menschlicher Erfindergeist keine Grenzen akzeptiert (wir erleben es ja gerade), fiel mir ein: Diese Buchstabenliste ist ziemlich kompliziert und beispielsweise haben unsere Neubürger als da sind graduierte Elektronikingenieure, Nervenchirurgen oder Maschinenkonstrukteure anderes zu tun, als sie sich einzuprägen. Da kommt uns doch das Telefon — es ist die ideale Brücke zwischen Lesen- und Rechnenlernen (oder Buchstaben— und Ziffern—Kennenlernen) — zu Hilfe. Man kann nämlich auch die Buchstaben auf den Tasten zum Nummernwählen benutzen. So hat die gemeinnützige Organisation Ficki—Ficki e. V., an die sich jeder Schutzsuchende vertrauensvoll wenden kann, die Telefonnummer 34 25 43 42 54, aber man braucht die Ziffern gar nicht beachten, sondern tippt fröhlich F I C K I F I C K I ein, und schon klingelt es! Und nun kommen wir zur Lösung des skizzierten Kommunikationsproblems. So wie die ANTIFA aus gewissen anhängerschaftlichen bildungsniveaubezüglichen Rücksichten schon lange die bundeseinheitliche Telefonnummer 26 84 32 hat, so kann sich NoPE eindeutig mit 66 73 identifizieren, da weiß jeder gleich Bescheid. Eine höhere Macht hat den Zeichensetzern das so eingegeben, denn in meiner Lesart ist die Benamung nun perfekt. (Das Journalisten—Schweinegesindel würde sagen »absolut perfekt«.) Zweimal die Sex und die Adolf—Hitler—Runen 1 und 8 kommen nicht vor — was will man mehr?

* * *

Dies nun vorangestellt geriet ich am Reformationstag 2016 mit Obengenannten ins Gespräch, besser gesagt in einen Streit; es ging um die Deutungshoheit. Das hatte zur Folge, daß eine Nopegidaerin sich beleidigt fühlte. Die Dresdner Polizei schickte mir Folgendes

und stellte drei strengen Fragen.

Da bin ich natürlich ganz schön erschrocken und antwortete:

zu 1.: Es liegt keine Rechtsverletzung vor.
zu 2.: Der Grund, warum ich ausgespuckt habe, hat die Polizei nicht zu interessieren …
Der Ablauf: Ich bemerkte auf dem Theaterplatz eine Demonstration, eine weibliche Person sprach durch ein Megaphon. Als ich näherkam, war die Ansprache gerade zu Ende, ich hatte aber etwas von »offenen Grenzen« vernommen und auf einem Transparent war von »keiner Zukunft für Nationalisten« die Rede. Die erwähnte weibliche Person bat mich, nicht zu fotografieren, was ich auch tat. Im Weggehen spuckte ich aus. Die Polizeidirektion schreibt irrtümlich, ich hätte »nach ihr« gespuckt, das war aber gar nicht möglich, denn ich lief ja schon in Richtung Postplatz, hatte besagter weiblichen Person also schon den Rücken zugekehrt. Auch habe ich nicht sie allein, sondern die mich alsbald umzingelnden männlichen Personen als Kommunisten bezeichnet. Sie hinderten mich daran, den Platz zu verlassen, indem sie einen Kreis um mich bildeten und auf mich einredeten. Nach einer Weile fiel ihnen nichts mehr ein und sie verlangten nun, daß ich doch noch den Platz verließe, wohingegen ich meinerseits Interesse an der Sache gefunden hatte und stehenblieb, um den weiteren Verlauf zu beobachten. In ihrer Verzweiflung riefen sie dann einen Polizeibeamten zur Hilfe, der mich wunschgemäß des Platzes verwies.
Mit freundlichem Gruß aus Leipzig …

Ich aber meinerseits war auch nicht faul und stelle Strafantrag wegen Nötigung, zuerst bei der Polizei, weil diese aber kein Gefallen an der Sache fand und sie als sog. dLe—Akte behandelte, dann bei der Staatsanwaltschaft. Dort führte ich aus:

… Auslöser war, daß sich eine weibliche Person durch mich beleidigt fühlte, weil ich, um meine Mißbilligung und Verachtung über Art und Inhalt dieser Veranstaltung auszudrücken, ausgespuckt hatte (anfangs behauptete sie sogar, ich hätte sie angespuckt). Besagter Polizeibeamter vergaß in der Aufregung sich vorzustellen. Aber warum bemüht sich der die Staatsmacht repräsentierende und exekutierende Polizist überhaupt zu einem Ort, an dem er Einen vorfindet, dem nichts vorzuwerfen ist, als daß er sich von einer öffentlichen Demonstration auf einem öffentlichen Platze nicht entfernt, der nichts sagt, nichts tut, nicht gestikuliert, der niemandem im Weg steht oder an irgendetwas behindert, der kein Transparent zeigt, der kein Megaphon dabei und den Fotoapparat in der Tasche hat? Der auch nicht den Mittelfinger in die Höhe hält wie neulich der Herr Gabriel, als ihm Zurufe aus dem Publikum mißfielen, sondern völlig passiv auf einer Stelle steht und über Dummheit nachdenkt, die man leider weder verbieten noch ausrotten kann und gegen die selbst Götter vergebens ankämpfen?

Die unermüdlichen — »Wehret den Anfängen!« — Kämpfer gegen Rechts werden wohl als Teilnehmer am »Aufstand der Anständigen« starke Worte aus dem schier unerschöpflichen Vorrat inhaltsleerer, von armen nichtsnutzigen Gehirnen ausgedachter inflationärer Begriffe bemüht haben, vielleicht so: »Genosse Volkspolizist, wir haben ein subversives staatsgefährdendes Element entdeckt! Wahrscheinlich steckt im Rucksack dieses Rechtsextremisten eine Bombe!« oder: »Herr Polizeibeamter, bitte helfen Sie uns! Dieser menschenverachtende Feind der Völkerverständigung und rassistische Islamgegner tyrannisiert unsere total friedliche Veranstaltung.« Vielleicht auch: »Dieser Mann muß sofort verhaftet werden. Er ist ein faschistischer Fremdkörper in unserer bunten weltoffenen und toleranten Stadt, in der wir heute mit NOPE ein Zeichen gegen Fremdenhaß und für Solidarität mit allen Unterdrückten der Erde setzen, den dürfen Sie in keinster Weise hier dulden.« Jedenfalls wurde die akute Gefährdung der Freiheitlich—Demokratischen Grundordnung (FDGO) und ihrer Vielfalt durch mich ihm anschaulich und eindringlich vor Augen geführt, was ihn schließlich dazu bewog, mich genauestens zu identifizieren und letztendlich mit dem Ergebnis der langdauernden Beratschlagung vertraut zu machen: »Sie — die weibliche Person — wird Sie wegen Beleidigung verklagen!« und des Platzes zu verweisen.

Wenn ich nun versuche, mir die Beweggründe dieses exzessiven Verhaltens der Veranstalter verständlich zu machen, so wären sie am ehesten mit ihrer großen Enttäuschung zu erklären. Sie haben also eine Demonstration mit 500 Teilnehmern angekündigt, gekommen sind 50. Sie haben viel rote Farbe auf ein Transparent gesprüht und dieses liederlich, wie es nur handwerklich Ungeübte zustandebringen, an einen Lieferwagen geklebt. Sie haben sogar eine mit viel Phantasie als Menschen zu erkennende rotvermummte Figur, die die Fackel nicht wie Brünnhilde in die Götterburg, sondern in Richtung ANTIFA—Emblem wirft, neben das Wort »Nationalismus« gestellt. Sie haben viel Geld ausgegeben und viel Zeit mit der Organisation vertan. Sie haben also große Mühe aufgewandt und noch größere Hoffnungen gehegt — und nun müssen sie zur feuchten Elbwiese marschieren, müssen aber bald zum Ende kommen, um als Zuschauer bei PEGIDA dabeisein zu können, wo derselbe Polizist mit seinen Kollegen dafür sorgt, daß sie nicht allzu frech werden können. Da kann man schon nachfühlen, wie die durch ihre durchweg schwarze Bekleidung ausgedrückte Trauer in Wut und Rachegefühl umschlägt.

Meine Hühner, als ich ihnen das alles berichtete, haben Tränen gelacht. Die Aufregung aber, in deren Mittelpunkt ich stand, konnten sie gut nachempfinden. Ehe sie sich aber ernsteren Themen zuwandten meinten sie noch, die Herren Antifaschisten und die weibliche Person möchten doch begreifen, daß, wie Leipzig die Hauptstadt des Linksterrorismus, Köln die der gelebten Willkommenskultur und Berlin die der bunten Republik, so Dresden nun einmal die Hauptstadt der PEGIDA—Bewegung sei. Aber das Recht auf Beleidigtsein, meinten sie noch, kann einem niemand nehmen.

Und wie ging die Sache nun aus? Beide Verfahren wegen § 170 Abs. 2 eingestellt. Die Beleidigung ohne und die Nötigung mit Begründung, nämlich:

Dazu muß nur noch hinzugefügt werden, daß der erwähnte § 18.3 von Teilnehmern spricht, »welche die Ordnung grob stören«. Deswegen hatte ich ja meine offen gezeigt friedliche Gesinnung deutlich beschrieben, sie muß auch in den »bis zur Erschöpfung durchgeführten Ermittlungen« zutage getreten sein. Damals jedenfalls war ich schon aufs Schlimmste gefaßt, denn wenn heute Mörder freigesprochen werden und sogar Haftentschädigung bekommen, muß sich die Justiz andere Betätigungsfelder suchen, um »die volle Härte des Gesetzes anzuwenden«, wie die größte Bundeskanzlerin aller Zeiten zu sagen pflegt.
Die NoPE—Aktivisten und Innen haben nun aus dieser Niederlage gelernt, daß auf die Justiz kein Verlaß mehr ist und daß man die Gerechtigkeit doch besser gleich selbst in die Hand nimmt. Im März dieses Jahres berichtet die Dresdner Zeitung TAG24 Folgendes über ein Mißverständnis im Kampf gegen Rechts:
… Doch dann formierte sich aus der sich auflösenden Versammlung eine Gruppe schwarzgekleideter Linksautonomer … Mit einem Banner zogen sie in einer Spontandemo über die … Unterwegs vermummten sie sich, zündeten Bengalos und attackierten den KiezKlub. Traten eine Scheibe ein … zwei Passanten, darunter ein Jogger, welche zufällig vorbeikamen, wurden krankenhausreif geschlagen … lief der Jogger in der Vergangenheit schon selbst bei den NoPE—Veranstaltungen mit … also einen Sympathiesanten verprügelt …
Woraus logischerweise eine Kennzeichnungspflicht für PEGIDA-Anhänger in Form einer obligatorischen Armbinde oder eines aufzunähenden speziellen Abzeichens abzuleiten wäre.
Eigentlich hatte ich mir ja eine Belehrung erwartet, wie man bei einer Demonstration seine Mißbilligung ausdrücken darf, ohne gleich eine Straftat zu begehen. Aber so ist es halt — die wichtigen Dinge erklärt einem niemand, beispielsweise was eigentlich »Rechts« ist und warum das verabscheuungswürdig ist. Oder ob denn nun auf einmal die führenden Genossen fast aller Parteien Rechtsradikale sind, weil sie, genau wie die NPD seit vielen Jahren, die Abschiebung straffälliger Ausländer fordern.
Auch ist mir völlig unverständlich, warum immer noch von Flüchtlingen, anstatt von »Flüchtlingen« oder sogenannten Flüchtlingen (Asylbanditen) gesprochen wird. Für wen schreibt die Polizei eigentlich ihre Berichte? Oder warum König Salman (SA) zum ersten Mal in seinem Leben einer Frau verbotenerweise die Hand gibt (es ist die Melania) und ob sich unser Parasiten—Fettwanst—Nachthemdträger Hassan Dabbag ein Beispiel daran nimmt.
Aus Düsseldorf meldet heute n-tv, daß sogenannte Männer eine Unfallzeugin schwer verprügeln. Die Bezeichnung »Männer«, auch »Jugendliche« taucht nun immer häufiger im Zusammenhang mit perversem oder gewalttätigem Verhalten auf. Was sind das für Männer, was sind das für Jugendliche? Heute ist in Hameln auch so ein »Mann« angeklagt, wie das *** piep *** — TV berichtet, der seine ehemalige Frau mit dem Auto 200 m über die Straße schleifte. Das erinnert uns an die Merowingische Königin Brunhilde (Brunichild) von Burgund, die im Jahr 613 so zu Tode kam, allerdings erledigte ein Reiter diese Aufgabe. Fragen über Fragen …

  1. #1 von Cheshire Cat am 03/06/2017 - 21:45