Best of Broder 2016

  1. #1 von Heimchen am Herd am 21/04/2017 - 15:54

    „Wenn Sie keine Hoffnung mehr haben, glauben Sie jeden Quatsch“

    Eine schwere Krankheit trieb den Autor Henryk M. Broder in die Arme von Wunderheilern. Es brachte ihm nichts – außer Wut.
    Interview: Louis Lewitan

    ZEIT Doctor: Warum gelingt es Ihnen nicht, eine Distanz aufzubauen zu dem, was draußen passiert?

    Broder: Sie sprechen wahrscheinlich das Grundproblem meiner Existenz an: Ich nehme alles persönlich. Wenn im Iran eine Frau gehängt wird, weil sie ihren Vergewaltiger erstochen hat, dann nehme ich das sehr persönlich. Wenn Herr Steinmeier wenig später in den Iran fährt und dem Obermörder dort das Händchen drückt, nehme ich das sehr persönlich. Weil es der gleiche Herr Steinmeier ist, der zwei Wochen vorher in einem ehemaligen KZ in Dachau oder Sachsenhausen zum Jahrestag der Befreiung eine Rede gehalten hat, wie man sich dem Unrecht in den Weg stellen muss. Diese Form der Heuchelei nehme ich sehr persönlich. Ich weiß, es ist absurd, und für einen 69-Jährigen ist es doppelt absurd.

    ZEIT Doctor: Wie gut können Sie denn überhaupt schlafen?

    Broder: Ich schlafe schlecht, fast immer.

    ZEIT Doctor: Was träumen Sie während der kurzen Nächte?

    Broder: Wenn ich Ihnen jetzt sage, was ich träume, werden Sie mich sofort einweisen. Es sind Gewaltorgien, Kämpfe, Auseinandersetzungen. Ich fliehe vor irgendjemandem, oder ich setze jemandem nach.

    ZEIT Doctor: Sie laufen Amok in Ihren Träumen.

    Broder: Ja, ich laufe Amok. Meine Arbeit ist ein Amoklauf.(…)

    http://www.zeit.de/2016/11/darmentzuendung-operation-homoeopathie-stress-henryk-m-broder

    Sehr lesenswert! Broder, wie ich ihn liebe und schätze!