Früher war alles schlechter

Von Dirk Maxeiner

„Wir haben die Welt nur von unseren Kindern geborgt“, heißt ein Lieblingssatz der Wachstums- und Konsumkritiker. Motto: wer sich etwas borgt, sollte es möglichst unverändert zurückgeben. Aber mal Hand aufs Herz: Wer möchte die Welt von vor 150 Jahren schon zurücknehmen? Ohne Penicilin und Kühlschrank, Toilettenspülung und Facebook? Niemand. Im Grunde genügt als Antwort schon ein Stichwort: „Zahnmedizin“.

Dennoch ist Wachstumskritik populärer denn je. Manchmal glaube ich, mich in einer intellektuellen Endlosschleife zu befinden und dass mir deshalb immer wieder die gleichen alten Mythen begegnen. Jedenfalls beschlich mich vor einiger Zeit bei der Lektüre von „Spiegel Online“ ein echtes Déjà-Vu-Gefühl. Dort wurde allen Ernstes geschildert wie Kuba „zum nachhaltigsten Land der Welt“ geworden sei.

Voller Begeisterung beschreibt der Bericht (der zuvor in der Zeitschrift „Natur“ veröffentlicht wurde) wie Castro seine Untertanen zum Energiesparen „erzogen“ habe. Ein kubanischer Haushalt verbrauche nur etwa ein Achtel der Energie eines US-Haushaltes heißt es weiter, weil man mit der „Revolucion Energetica“ aus der Not eine Tugend gemacht habe. Der Text wimmelt nur so vor lachenden, klatschenden und sich im Rhythmus wiegenden Menschen, die einige Parolen „sogar mitsingen“. Ganz besonders eindrucksvoll wird das Provinzstädtchen Cárdenas“ geschildert, in dem das Fahrrad als „Symbol des ökologischen Fortschritts“ mit einem Denkmal geehrt worden sei. „Wir haben Hunderte Pferdekutschen, die feste Routen fahren und jeweils zwölf Personen fassen, dazu Ochsenkarren, die Lasten transportieren und schätzungsweise 100.000 Fahrräder“, wird ein vom kubanischen Fortschritt hingerissener Bürger der Stadt zitiert. Mehr auf der Achse …

  1. #1 von Cheshire Cat am 20/01/2017 - 16:59

    Extensives Wachstum wie früher ist in Zukunft nicht mehr möglich, weil die Kapazitäten des Planeten Erde erschöpft werden.

    Wenn die Menschheit überleben will, muss die Bevölkerungszahl reduziert und der Begriff „Wachstum“ neu erfunden werden, und zwar als Wachstum ohne wachsenden Verbrauch der begrenzten Ressourcen (Dienstleistungen, sparsame Technologien, Digitalisierung usw.)
    Zum Teil regelt es der Markt (Verknappung der Ressourcen – höhere Preise), zum Teil muss es auch der Staat regeln.

    Dass man in Zukunft auf einiges verzichten werden muss, versteht sich von selbst.
    Z.B. muss man schon heute oft auf Fisch verzichten, weil es wegen Überfischung wesentlich teuerer geworden ist.