„Hymne auf einen Widerling“

Wenn die Lügenpresse hyperventliert, dazu noch über die Rede eines vormaligen Medienlieblings, dann hat Sarah Wagenknecht als Oppositionsführerin ihre Aufgabe wohl gut erfüllt. Jan Rübel, ein Journalist am Rande des Nervenzusammenbruchs:

Die demokratische Partei in den USA habe Hillary Clinton als Kandidatin des „Establishment“ aufgestellt und damit Donald Trump den Weg ins Weiße Haus geebnet. Die Wähler hätten nämlich dann ein „Weiter so“ abgewählt. Und schließlich an die Bundesabgeordneten direkt: „Offensichtlich hat ein Trump wirtschaftspolitisch mehr begriffen als Sie“, sagte sie mit Blick auf seine Ankündigung eines Investitionsprogramms.

Dazu lässt sich zusammenfassen: Mit dem Begriff des „Establishment“ bedient sich Wagenknecht einer beliebten Metapher der Rechten. Sie betreibt die Spaltung zwischen dem „Volk“ und der „Politik“ – eine Spaltung, die ihr nie gelingen wird, denn Politiker gehören immer auch zum Volk, und den Bürgermeister will ich sehen, der sich vor Bürgerversammlungen die Ohren zuwachst, oder den Bundestagsabgeordneten, der seine Sprechstunden schwänzt.

Klar, dass Wagenknecht sich auf der Seite des Volkes sieht, sie will ja gewinnen, vor allem Stimmen. Und sie will zur Gewinnerseite gehören, daher ihre verschwurbelte Hymne auf einen Widerling wie Trump. Wie es weitergeht, sieht man derweil in Amerika: Trump kassiert gerade seine populistischen Parolen, will von einer Strafverfolgung Clintons nun ebenso wenig wissen wie von einer Leugnung des Klimawandels. Lügen haben eben kurze Beine. (…)

Damit lässt Wagenknecht die Katze aus dem Sack: Die Gefühle, die sind ihr wichtig. Wenn etwas wahrgenommen wird, dann ist es nicht postfaktisch, sondern im logischen Umkehrschluss faktisch. Wenn also ein Dresdner, nur so zum Beispiel, der „Ausländer“ nur von der Dönerbude kennt, sich vor „Überfremdung“ fürchtet, dann ist diese angebliche Entdeutschung in Wagenknechtscher Lesart ein Fakt. Damit schwenkt sich Wagenknecht zur Fürsprecherin auf – aller so genannten Ängstlichen und sich Fürchtenden. Natürlich verwischt sie die ansonsten sehr scharfen Grenzen zwischen materiellen Ängsten, die durchaus auf Fakten beruhen, mit „kulturellen“ Ängsten, die es eben nicht tun. Aber es geht um Stimmen.

  1. #1 von Cheshire Cat am 25/11/2016 - 18:16

  2. #2 von Lomar am 25/11/2016 - 19:10

    Da gibt es in der Tat Bürgermeister und Politiker, die sich einen feuchten Kehricht um die Menschen kümmern, die sie gewählt haben, die dazu auffordern bei Bedrohung doch die Straßenseite zu wechseln, woanders hin zu ziehen, wenn es einem hier nicht mehr gefällt, tolerant zu sein mit Intoleranten, eine Armlänge Abstand zu halten, wenns gefährlich wird.
    Wann kommt unser Donald Trump?

  3. #3 von Sophist X am 25/11/2016 - 19:18

    >Sie betreibt die Spaltung zwischen dem „Volk“ und der „Politik“ – eine Spaltung, die ihr
    >gelingen wird, denn Politiker gehören immer auch zum Volk,

    Merkel gehört bestimmt nicht zum Volk, weil sie dieses Wort vermutlich nicht aussprechen kann ohne in Flammen aufzugehen.

    Mal etwas offtopic: Das Wort ‚postfaktisch‘ geht mir inzwischen gewaltig auf den Sa… Senkel.
    Offensichtlich ist es nicht mehr möglich, Texte zu verfassen, die dieses Wort nicht enthalten (ja, dass es in meinem Text enthalten ist, ist leicht ironisch).

  4. #4 von Sophist X am 25/11/2016 - 19:19

    >die ihr nie gelingen wird

    …Wort aus Versehen rauseditiert…

  5. #5 von Heimchen am Herd am 25/11/2016 - 19:54

    Sahra Wagenknecht, DIE LINKE: Die Menschen wollen kein Weiter-so mehr

    Klasse Rede von Sahra Wagenknecht, leider ist sie in der falschen Partei!

  6. #6 von TB am 25/11/2016 - 20:01

    „Die Menschen wollen kein Weiter-so mehr“

    Nun, aber die Medien!
    Versucht mal in den deutschsprachigen Lügenmedien etwas darüber zu finden:

    http://www.express.co.uk/news/world/736142/Violence-locals-migrants-Turin-letter-bomb

    Laut Spiegel herrscht da doch totale, bürgerliche „Willkommenskultur“
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/italiens-buerger-helfen-fluechtlingen-in-eigeninitiative-a-1117011.html

    Und in Frankreich kämpfte der Mob vor ein paar Tagen um Stalingrad:

    http://www.express.co.uk/news/world/727862/Migrant-crisis-club-wielding-refugees-running-battles-Stalingrad-Metro-Paris

  7. #7 von Heimchen am Herd am 25/11/2016 - 20:03

  8. #8 von Heinz Ketchup am 25/11/2016 - 21:04

    In der AFD gibt es schon wieder Streit!😦

    Nachdem im Landtag in Baden-Würtemberg die Wogen wieder geglättet sind, geht es nun in NRW um die Kandidatenliste für die Landtagswahl.

    NRW-AfD: Riesenkrach um zweifelhafte Wahlen

    http://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/streit-um-afd-listenplaetze-100.html

    Dabei hatte Alice Weidel gerade erst in einer tollen Rede eindringlich vor Zerstrittenheit in der AfD, wie z. B. in Stuttgart, gewarnt.

    Deutschland hat mit der AfD nur noch eine Chance.Alice Weidel MdL

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