Polizist schreibt dem Innenminister Thüringens

Brandbrief einer Polizistin an den Innenminister Thüringens
Sehr geehrter Herr Innenminister Dr. Poppenhäger,
wir wenden uns mit diesem Hilferuf in einem offenen Brief direkt an Sie, weil wir am Ende unserer Kraft sind. Wir sind die Dienstgruppe XY der Polizeiinspektion Unstrut-Hainich in Mühlhausen und Bad Langensalza. Aber wir denken, dass wir stellvertretend für viele Dienstgruppen, für viele Kollegen im Freistaat stehen.
Seit Jahren leiden wir unter dem Personalabbau bei der Thüringer Polizei. Wie atmeten wir auf, als im vergangenen Jahr seitens der Landesregierung angekündigt wurde, dass die Einstellungszahlen der Thüringer Polizei nicht weiter nach unten gehen sollen.

Gerade an uns im Nordthüringer Raum scheinen seit Jahren die Neuzugänge aus Bereitschaftspolizei oder der Verwaltungsfachhochschule vorbei zu gehen. Die jungen Kolleginnen und Kollegen kommen überall hin, aber die wenigsten nach Mühlhausen, Sondershausen oder Nordhausen.
Das Durchschnittsalter in unserer Dienstgruppe beträgt mehr als 48 Jahre. Nicht selten sitzen über 110 Jahre Lebenserfahrung in einem Funkwagen. Dass dies Folgen hat, ist nur selbstverständlich. Wir fragen uns manchmal, welches Bild der Bürger von uns haben muss, wenn wir mit unserer Fastpensionärstruppe anrücken. Bestimmt nicht das, was in den Werbebroschüren und im Internet von der Thüringer Polizei vermittelt wird.
Wir ziehen unseren Hut vor jedem Kollegen, der bis zur Pensionierung auf der Straße steht. Sind wir doch froh, dass wir sie haben, denn Alternativen gibt es nicht. Aber ist es nicht ein Armutszeugnis für ein Bundesland, das keine andere Verwendungsmöglichkeit für lang gediente, ältere Kollegen hat als den Streifeneinzeldienst?
Schämen sich die Verantwortlichen nicht ein wenig, wenn sie die Einstellungszahlen der benachbarten Bundesländer sehen, wie z.B. Niedersachsen 1100, Hessen 890, Sachsen-Anhalt 240. Und ganz zum Schluss kommt irgendwann Thüringen mit gigantischen 155 Neueinstellungen in diesem Jahr.
Inzwischen sind wir weiter dezimiert. Es geschah das, was alle realistisch denkenden Kollegen in unserer Dienststelle seit langem befürchtet hatten. Was passiert, wenn unsere fünf Kollegen einfach nicht reichen, um die polizeilichen Maßnahme durchzusetzen? Was passiert, wenn es in erster Linie nicht mehr um Strafverfolgung gehen kann, sondern nur noch darum mit einigermaßen heiler Haut aus einem Einsatz zurück zu kommen?
Was passiert, wenn die Verstärkung, die sofort gebraucht wird, aus Gotha oder Erfurt kommen muss? Was passiert, wenn sich die Polizeibeamten komplett hilflos einer Übermacht ausgesetzt sehen, derer sie nicht Herr werden? Was passiert, wenn sie dieses Gefühl der Hilflosigkeit, der nackten Angst, einfach nicht mehr loswerden?
Immer mehr Kollegen werden durch Widerstandshandlungen verletzt. Die Täter sind oft durch Drogen und/oder Alkohol so schmerzunempfindlich, dabei aber immens leistungsfähig und unberechenbar, dass oft mehr als eine Besatzung notwendig ist, um die polizeilichen Maßnahmen durchzuführen. Oft steht aber nur ein Funkwagen zur Verfügung. Was dann?
Das ist heute leider unser Alltag. Es ist richtig, dass wir alle gut ausgebildet sind, aber das allein reicht nicht aus. Gut ausgebildete Polizeibeamte konnten auch den zahlreichen Opfern am Kölner Dom in der Silvesternacht nicht helfen, weil es einfach zu wenig waren.
Die meisten Kollegen in unserer Dienststelle haben noch Dienststärken von über zwanzig Beamten pro Dienstschicht erlebt. Zwanzig, die tatsächlich zur gleichen Zeit allein in Mühlhausen im Dienst waren und nicht nur auf dem Papier standen. Unsere Mindeststärke liegt inzwischen von unter zehn für Bad Langensalza und Mühlhausen zusammen. Vor fünf Jahren mussten wir noch zwölf Beamte auf die Straße bringen. Schon diese Zahl ist heute utopisch.
Uns wundert es nicht, dass sich die Kolleginnen und Kollegen der Landeseinsatzzentrale zum Teil weigern die Zuständigkeit für den nördlichen Bereich von Thüringen zu übernehmen, wenn es doch wesentlich besser besetzte Regionen gibt.
Und nun fragen wir Sie: Haben sie selbst auch dieses Bild von Ihrer Polizei?
Ist das die Polizei, die Sie sich für Ihren Freistaat Thüringen vorstellen? Ist das die Polizei, die den Aufgaben der Zukunft gewachsen ist?
Wir jedenfalls sind froh, wenn wir gesund nach jeder Schicht nach Hause kommen. Und für die Zukunft der Thüringer Polizei sehen wir nur schwarz, wenn nicht endlich mehr als 155 Anwärter im Jahr eingestellt werden.
———————-
Der Brandbrief wurde auf der Internetseite der Gewerkschaft der Polizei Thüringen veröffentlicht (https://www.gdp.de/…/gd…/id/7D983A8379BE6A74C12580660068B3FA).

  1. #1 von marc am 19/11/2016 - 17:18

    Leider müssen erstmal Gender Stellen bezahlt werden…

  2. #2 von Cheshire Cat am 19/11/2016 - 17:20

  3. #3 von Marianne am 20/11/2016 - 01:06

    (Etwas off topic – oder auch nicht, da Heiko Maas über die Legalisierung der Kinderehen grübelt)

    Türkei: Bald keine Strafe für Sex-Täter, wenn er Opfer heiratet?

    Türkei im Sommer und Herbst 2016, bei aller (hochwillkommenen?) Unübersichtlichkeit während Putsch und Machtergreifung von Recep Tayyip Erdoğan ist durch Deutschlands Politik und Presse übersehen worden,
    dass die Türkei das Heiratsalter der Mädchen auf zwölf Jahre abgesenkt hat –
    in nur sieben Wochen, am 13. Januar 2017 tritt das so in Kraft.

    „The district court argued that children between the ages of 12 and 15 are capable of understanding the meaning of a sexual act. The Constitutional Court agreed and decided to abolish the provision.
    The decision is to take effect as of 13 January 2017.“

    Quelle:
    Turkey faces criticism for planned abolition of punishment for the sexual abuse of children –
    romea.cz 16.8.2016

    Seit drei Tagen empört sich die Türkei über 3000 bis 4000
    in der Türkei inhaftierte Sexualstraftäter, die, das will die AKP,
    vielleicht aus dem Gefängnis freikommen könnten,
    wenn sie das missbrauchte Mädchen heiraten.

    Zum Glück gibt es Protest gegen derlei Barbarei.

    Quelle

    AKP motion said to let abusers avoid prosecution if they marry child victim

    Men guilty of sexually abuse of children may avoid being prosecuted if they get married to the victim, according to a controversial motion proposed by members of the ruling Justice and Development Party (AKP) […]

    In cases of sexual abuse of children committed before Nov. 16 “without force or threat,” if the perpetrator marries his victim the sentence will be postponed or the execution of the offence will be adjourned, according to the draft.

    (Hürriyet Daily News 18.11.2016.)

    Alle Welt sollte dazu beitragen, dass in der Türkei künftig der Täter nicht durch eine Ehe mit dem missbrauchten Mädchen straffrei ausgehen kann.

    Doch geht es um viel Grundlegenderes, und das betrifft auch die Bundesrepublik Deutschland.

    Denn bereits das (sehr islamische) Prinzip von der Kinderehe ist das Problem – nicht erst
    dessen Sonderfall nach dem schlimmen Vorbild von Marokko (vor 2014),
    dessen Sonderfall einer Möglichkeit auf Strafbefreiung durch Heirat des vergewaltigten bzw. missbrauchten Kindes (vgl. die beiden Suizide
    Amina El Filali (Rattengift);
    Mädchen aus Tétouan (erhängte sich im Elternhaus)).

    Zur Stunde trauen sich die deutschen Mainstream-Medien ans Thema gar nicht ran – oder lassen die schariafromme Frauenorganisation KADEM den Nebel der Taqiyya werfen.

    KADEM-Führerin ist eine gewisse Sümeyye Erdogan, jene Tochter des türkischen Präsidenten, die erst 2015 die Diskriminierung von Frauen im islamischen Erbrecht gerechtfertigt hat.

    Quelle zum Thema –
    Entwurf in Türkei sieht Heirat sexueller Straftäter mit Opfern vor:

    Turkish govt supports bill that sets child rapists free if they marry victim

    https://www.rt.com/news/367459-turkey-child-rape-marriage-law/

  4. #4 von sohnes am 22/11/2016 - 11:27

    „Haben sie selbst auch dieses Bild von Ihrer Polizei?“
    Jop. Nachts sind hier wie ich aus zuverlässiger Quelle weiß genau 1 Streifenwagenbesatzung und 2 Hanseln in der Schreibstube im Dienst. Als ich letztes Jahr einen Fahrradunfall hatte (tagsüber) waren sie ausgebucht [!] und es musste ein Fahrzeug für Massenkarambolagen [!] aus dem übernächsten Landkreis [!] anrücken.
    Ich bin dankbar für diese Leute und schätze ihre Dienste.
    So kann das nicht weitergehen, das geht sonst böse ins Auge.

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