Staatsbegräbnis für Diktatorenwitwe

Die Witwe des jugoslawischen Multikulti-Diktators Tito, die ihre letzten Jahre in ähnlichen Verhältnissen lebte, wie zuvor ihr kommunistisch beglücktes Volk, hat ein Staatsbegräbnis mit kommunistischem Klimbim erhalten. Belgrader Politiker lobten die einstige Glamourlady als politische Ikone. Herzlich willkommen in der EU!

FOCUS berichtet:

„Das ist der Abgang der letzten jugoslawischen Ikone“, sagte Regierungschef Ivica Dacic in seiner Trauerrede: „Jovanka Broz war der Stolz des Staates“. Die Zeitungen der gesamten Balkanregion hatten in den vergangenen Tagen in großer Aufmachung über die über 30-jährige Isolation der Gestorbenen und den langjährigen Hausarrest berichtet. Nach dem Tod des politischen Übervaters Tito im Jahr 1980 sei sie „wie ein Hund“ aus der Residenz vertrieben worden, hatte seine Witwe später geklagt.

Sie musste in einem baufälligen Haus unter Bewachung leben, weil die Tito-Nachfolger fürchteten, sie besitze ein politisches Testament ihres Mannes. Der kommunistischen Gewalt in den 80er- folgte das Desinteresse der Nationalisten in den 90er-Jahren. Auch nach der demokratischen Wende im Jahr 2000 interessierte sich niemand für das bittere Leben Jovankas, die mit ihrem Mann als Glamourpaar fast 30 Jahre auch international im Mittelpunkt gestanden hatte.

Sie besaß weder Reisepass noch Personalausweis, weder Krankenversicherung noch Rente. Erst 2009 erhielt sie erste Personalpapiere. Bis zuletzt wohnte sie in einer Bleibe voller Schimmel, ohne Heizung und Wasser. Das undichte Dach ließ Regenwasser bis in die einzelnen Zimmer durch.

Das Staatsbegräbnis war am Ende dann doch noch eine kleine Genugtuung für die Frau, die niemals Forderungen an die jeweilige Staatsspitze gestellt hatte, von der Politik aber völlig vergessen wurde.