Hallelujah – wieder ein Stück Kultur versenkt

Video: Zum Glück geht Händel manchmal auch ohne Festspiele und Politik

Politiker kriegen einfach alles kaputt. Um dem deutschen Betroffenheitstheater zu gefallen haben Politiker ohne Not Deutschlands bedeutendstes Händel-Festival ausfallen lassen. Das bedeutet vermutlich das endgültige Aus für die wichtige Veranstaltung in Halle, denn auf die Veranstalter kommen jetzt mehr Regressansprüche zu, als das Budget hergibt. Hallelujah – wieder ein Stück Kultur durch dumme Politiker vernichtet.

Die FAZ berichtet:

Flutbedingt nämlich stehen jetzt die Festspiele in Händels Geburtsstadt Halle vor dem finanziellen Ruin. Auf der Website bittet Intendant Clemens Birnbaum, zugleich Direktor der Stiftung Händel-Haus, „jeden Einzelnen herzlich“, er möge prüfen, ob er auf seine Forderungen an die Stiftung verzichten und die Summe zur Spende umwidmen könne: „Auch Teilbeträge können für das Überleben hilfreich sein.“ Es geht um die vertraglich fälligen Künstlergagen und um die Ticket-Rückerstattung. Es geht um Folgekosten des Totalausfalls. Wenn „alle Ansprüche geltend gemacht werden“, so Birnbaum, „wird es die Händel-Festspiele nicht mehr oder zumindest nicht mehr in der vorliegenden Form geben“.

Noch ein paar Millionen Kulturschaden draufgelegt
Am 4. Juni, zwei Tage vor der Eröffnung der Festspiele, hatte der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt gemeinsam mit Halles Oberbürgermeister beschlossen, die Händel-Festspiele ausfallen zu lassen. Die Erklärung berief sich auf Paragraph 16 Absatz 1 des Katastrophenschutzgesetzes, sie gipfelte in der Begründung: „Die Stadt kann nicht feiern, wenn die Menschen in Not sind.“ Eine merkwürdig unscharfe Formulierung. Es ist ja nicht „die Stadt“, die feiert. Wenn, dann feiern die Menschen in einer Stadt. Und haben die kein Recht auf Musik, gerade im Unglück, im Kummer? Die Menschen in Halle könnten sich, zum Beispiel, selbst feiern, wenn der Kampf gegen das Hochwasser überstanden ist und es gilt, Kräfte, Mut und Hoffnung für den Wiederaufbau zu sammeln. Sie könnten sich auch gegenseitig feiern, einander helfend in Benefiz- und Solidaritätskonzerten. Die Innenstadt von Halle liegt hoch genug, die Spielstätten der Händel-Festspiele sind nicht von der Flut beschädigt. Halle hätte die gesteigerte Aufmerksamkeit der internationalen Gäste (an die zehntausend wurden für die Festspiele erwartet), ihre Sympathie und ihre Hilfe, nicht zuletzt ihr Geld ganz gut brauchen können.

Stattdessen legten die Politiker in Sachsen-Anhalt in ihrer kulturellen Unbedarftheit auf die Hochwasserschäden in Milliardenhöhe noch ein paar Millionen Kulturschaden obendrauf. Allein die Summe der Regressansprüche an die Stiftung Händel-Haus wird auf eine Million Euro geschätzt. Mit diesem Loch im Budget kann die Stiftung kein einziges Konzert vorplanen fürs nächste Jahr. Nicht eingerechnet sind die fehlenden Einnahmen aus der Abendkasse, nicht berechenbar Stornokosten für Reise und Hotel, die jeder Teilnehmer, ob Musiker oder Händel-Pilger, selbst zu tragen hat. Auch die Verluste, die touristische Infrastruktur und das Image der Stadt betreffend, für heute und künftig sind eine nicht berechenbare Größe.

Zunächst einmal sah das nur aus wie ein Fall von Ignoranz. Als wenige Tage später der Kultusminister Sachsen-Anhalts drastische Kürzungen für alle Theater und Orchester im Lande und den Abbau gewachsener Strukturen speziell in Halle und Dessau ankündigte, war klar, dass dieser Wahnsinn Methode hat. Der Opernintendant in Halle, Axel Köhler, erkannte den Zusammenhang sofort: Die Absage der Händel-Festspiele sehe nunmehr aus wie der erste Schritt zum Kulturabbau. „Zur Bespaßung sind wir Künstler aber nicht auf der Welt“, schrieb Köhler in seinem offenen Brief an den Oberbürgermeister: „Genau die Funktion in der Gesellschaft, die Kunst und Kultur haben sollten, hätte in dieser Notsituation zum Tragen kommen können und eine enorme positive Energie entfaltet.“

  1. #1 von Maria-Anna am 30/06/2013 - 10:26

    Das Video ist zum Heulen schön! Eine ähnliche Aktion kann man auf You Tube sehen und hören: das gesamte Weihnachtsoratorium, Chor und Orchester bestehend aus jungen Musikstudenten und versammelt in einer Leipziger WG-Wohnung (Leipziger WG-Konzert – PARTY MAYBE? Weihnachtsoratorium). Wer eine Stunde Zeit hat, Musik mag und eine wunderbare Jugend (die es doch noch gibt) sehen und hören möchte: anschauen!

  2. #2 von quotenschreiber am 30/06/2013 - 11:31

  3. #3 von gogo am 30/06/2013 - 12:16

    Die Hallenser hatten wohl Pech, daß sie überflutet worden sind.
    Hätte ein bestimmtes Haus gebrannt, so hätten sie sich vor Konzerten und staatlichen Hilfsangeboten nicht retten können, eine Flut so zu sagen! 😦

  4. #4 von gogo am 30/06/2013 - 13:15

    … schon sind wir beim Thema ….
    „Das mache die Ermittlungen sehr sensibel“
    http://www.badische-zeitung.de/freiburg/freiburg-brand-in-einer-gaststaette-1-toter–73201053.html

  5. #5 von olli am 30/06/2013 - 15:23

    @4
    „Der neue Wirt hat innen alles neu gemacht.“

    Komisch,war bei uns genau so.Renoviert-Laden läuft nicht-es machte Boom-selber Landsmann wie oben.Nur gab es keinen Toten.Es war niemand drin.von weiteren Ermittlungen war nichts zu lesen.Einen anderen Laden zündete ein Jugendlicher Verwandter an weil man ihn nicht mit in Urlaub nahm.Und paar andere Läden von diesen Landsmännern brannten hier auch schon,aber mir fällt keine einziger Laden von anderen Nationalitäten ein der hier brannte.Schon komisch,oder?

  6. #6 von Harald am 30/06/2013 - 20:55

    Händel ist nicht Bach.
    Er hat halt viel Programmmusik geschrieben,
    eher oberflächlich und commod fü´s Königshaus,
    …ist auch lukrativer…
    Jesses nee…
    Aber seine Musik steht immer noch Lichtjahre über der Unkultur des stinkenend Geschwulstes unserer Zeit,
    der „“Religon“ des „Friedens““ wie so zielich alles.

    Und…
    …nicht zu vergessen:

    Geld, Finazmittel, Planstellen werden dringen für die Integrationsindustrie benötigt.

    Mit Händel-Gedöns kann man keine Socken oder Schweinesülze kaufen,
    im Gegenteil,
    das kostet Geld für unnützes Zeugs.
    .

  7. #7 von Harald am 30/06/2013 - 21:02

    „der “”Religon” des “Friedens”““ Komma, „wie so zie“m“lich alles.“

    „das kostet Geld für unnützes Zeugs.“

    Muss ich jetzt „Ironie off“ schreiben?

    Ich denke, nein….

  8. #8 von Harald am 30/06/2013 - 21:03

    Finanzmittel

  9. #9 von Harald am 30/06/2013 - 21:11

    …für´s…
    …stinkenden…
    O Herr…

  10. #10 von Heimchen am Herd am 30/06/2013 - 21:18

    So….. bitteschön für Harald und alle Musikliebhaber! 🙂

    Wassermusik / Water Music by Georg Friedrich Händel

  11. #11 von Harald am 30/06/2013 - 21:36

    #10 von Heimchen am Herd am 30/06/2013 – 21:18

    Danke. 🙂

    Ja,
    die Klassiker:

    „Er hat ihr nahe dem Bach auf der Haydn mozärtlich ein verbrahmst mit Liszt.“

    Da ist noch Schmackes drin.

  12. #12 von Heimchen am Herd am 30/06/2013 - 21:47

    Harald….. 🙂

    DU bist auch eine Klassiker! Und ein Poet! 😉

    Ich stehe ja mehr auf Bach…..

    Air – Johann Sebastian Bach

  13. #13 von Krokodil am 01/07/2013 - 08:50

    Guten Morgen!

    :mrgreen:

  14. #14 von Heimchen am Herd am 01/07/2013 - 10:05

    Guten Morgen….. für Kroko… 😉

    Metallica & San Francisco Symphony Orchestra-Nothing Else Matters..

  15. #15 von Heimchen am Herd am 01/07/2013 - 10:20

    Apocalyptica – Hope….

  16. #16 von Krokodil am 01/07/2013 - 10:42

    Anderes Thema, …:

    *********************************************************************************

  17. #17 von Heimchen am Herd am 01/07/2013 - 11:08

    Sabaton – The Hammer Has Fallen

  18. #18 von Krokodil am 01/07/2013 - 17:13

  19. #19 von Heimchen am Herd am 01/07/2013 - 18:00

    Five Finger Death Punch Bad Company

  20. #20 von Krokodil am 01/07/2013 - 19:05

  21. #21 von Heimchen am Herd am 01/07/2013 - 19:10

    From the depths i called you hashem

  22. #22 von Krokodil am 01/07/2013 - 19:25

    Für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl wie damals, als ich selbst vor dieser Mauer stand.
    Die Wüste bei Jericho,
    das Wasser des Toten Meeres,
    die Menschen in der Stadt,
    im Kibbuz,
    Jerusalem…

    So, und jetzt muss ich mich um die kleinen Wildschweinchen kümmern.

  23. #23 von Heimchen am Herd am 01/07/2013 - 19:47

    Unsere musikalische Reise hat mir viel Spaß gemacht, danke! 😉

    Gruß an die Wildschweinchen! 🙂