Kölner OB feuert Archäologen

Erinnerung an Köln: Eine politisch nicht genehme Delegation aus Israel durfte nur vor der Rathaustür empfangen werden

Erinnerung an Köln: Eine politisch nicht genehme Delegation aus Israel durfte nur vor der Rathaustür empfangen werden

Vor dem Kölner Dom erwartet Touristen aus aller Welt seit Jahren ein Müllhaufen antisemitischer Hetze. Die grüne Sozialdezernentin Bredehorst darf ohne Konsequenzen den Holocaust als Ausrutscher beblödeln. Einer israelischen Delegation wird der Empfang im Rathaus verweigert und von der Fraktion Pro-Köln daraufhin unter freiem Himmel abgehalten (QQ berichtete). In Sachen Antisemitismus ist man in Köln besonders tolerant. Nur darf man nicht darüber sprechen. Der archäologische Leiter der Ausgrabungen am geplanten jüdischen Museum tat es doch und wird von SPD-OB Roters gefeuert, weil er einer israelischen Zeitung von den antisemitischen Ressentiments berichtete, denen er  hinter vorgehaltener Hand bei seiner Arbeit  in Köln begegnet.

Lange Zeit hielt man die Judenfrage in Köln für gelöst. 1138 in ein Ghetto am heutigen Rathaus eingesperrt wurden 1339 fast alle in Köln lebenden Juden ermordet. Die letzten Überlebenden 1424 „für alle Zeiten“ aus der Stadt verbannt. Länger als anderswo  hielt der Bann in der korruptesten Stadt nördlich der Alpen. Fast 500 Jahre war Köln „judenrein“, bis die ersten sich im 19. Jahrhundert wieder in die Stadt trauten. Ein Bericht aus dieser Zeit beschreibt die öffentliche Hinrichtung eines Juden vor dem Kölner Dom – und dass die Obrigkeit mittels verstärkter Polizeipräsenz besonders darauf bedacht war, judenfeindliche Äußerungen des zuschauenden Kölner Pöbels zu unterbinden. Und als kaum 130 Jahre später die nächste Vernichtungswelle gegen die Juden rollte, bewiesen die Kölner wieder ihren legendären Humor. Einzigartig in Deutschland wurde der Massenmord sogar mit gehässiger Häme in Karnevalsumzügen gefeiert. Obwohl doch niemand etwas wusste. Wahrlich die Geschichte einer toleranten Stadt mit gelegentlichen Ausrutschern.

Das ist der historische Hintergrund der zur Zeit größten Ausgrabungsstätte Kölns. Hier geht es ausnahmsweise nicht um römische Scherben, sondern um die gut erhaltenen Mauerreste des mittelalterlichen jüdischen Ghettos mit Synagoge. Das ganze liegt an repräsentativem Ort unmittelbar unter dem Rathausvorplatz. Die Idee: Die Grabungsstätte soll begehbar zum Souterrain eines darüber errichteten jüdischen Museums werden.

Wie weiter oben zu erkennen, dürfte die Geschichte, die ein solches Museum zu erzählen hat, nicht unbedingt dem von Köln gepflegten Image der stets weltoffenen und toleranten Stadt entsprechen, in der Nationalsozialismus und Verfolgung  nie stattfand. Das Projekt ist unbeliebt und liegt den heute im Zeitgeist emsig „gegen rechts“ kämpfenden Pappnasen schwer im Magen. Das bekommt natürlich besonders der Projektleiter zu spüren. Der städtische Archäologe Dr. Schütte beging eine Todsünde für Kölner: Er sprach über die inneren Querelen des Klüngels – und das gegenüber einer israelischen Zeitung. Da hilft es auch nicht, dass die linke Haaretz mit der Teilhabe des Dumont-Verlages schon fast eine kölsche Zeitung ist. Der Wissenschaftler wurde vom SPD-Oberbürgermeister Roters gefeuert.

Der EXPRESS berichtet:

Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) greift durch: Er feuert den umstrittenen Leiter des Projekts Archäologische Zone/Jüdisches Museum, Dr. Sven Schütte (60). Damit reagiert der OB auf ein Interview, das Schütte der israelischen Tageszeitung Ha’aretz gegeben hatte.

In dem Interview bezichtigt Schütte die Gegner des geplanten Jüdischen Museums auf dem Rathausplatz eines „latenten Antisemitismus“, wie er „in Deutschland immer noch üblich“ sei.

„Man hätte lieber eine schöne, große Plaza als dieses Museum“, wird Projektleiter Schütte zitiert. Dabei koste das Museum mit 52 Millionen Euro noch nicht mal so viel wie eine U-Bahn-Haltestelle. Aber es gebe immer noch diejenigen, die lieber eine Kita bauen würden.

„Jetzt ist endgültig Schluss“, erklärten deshalb führende Ratspolitiker. „Schütte muss weg, schon um nicht noch mehr Schaden anrichten zu können.“

Roters hat ihn jetzt verdonnert, ab sofort befristet die wissenschaftliche Auswertung der Grabungsbefunde im Bereich der U-Bahnbaustelle Pipinstraße (künftige Haltestelle Heumarkt) zu übernehmen. Zudem hat der OB ein Disziplinarverfahren gegen Schütte eingeleitet.

» Das Haaretz-Interview im Wortlaut

  1. #1 von Pecos Bill am 11/04/2013 - 13:15

    Schön finde ich auch, dass der Archäologe schon im ersten Satz des EXPRESS-Artikels als „umstritten“ bezeichnet wird. Das legt den Ton schon mal fest, damit wir uns nicht mehr wundern, wenn der Kölner Stadt-Anzeiger ihn einigen Tagen auch als Sympathisanten der „Euro-Hasser-Partei“ AfD entlarven kann.

  2. #2 von Lomar am 11/04/2013 - 13:31

    Damit wäre auch diese Judenfrage geklärt.

  3. #3 von die kleine salafistin am 11/04/2013 - 13:40

    @#1 von Pecos Bill

    Ja also, die AfD hat zumindest im Wahl-O-Meter gerade die 5%-Hürde erreicht und liegt damit nur noch knapp hinter der FDP. Das ist doch schon was.

  4. #4 von Heimchen am Herd am 11/04/2013 - 14:27

    „Roters hat ihn jetzt verdonnert, ab sofort befristet die wissenschaftliche Auswertung der Grabungsbefunde im Bereich der U-Bahnbaustelle Pipinstraße (künftige Haltestelle Heumarkt) zu übernehmen. Zudem hat der OB ein Disziplinarverfahren gegen Schütte eingeleitet.“

    Ich bin auf die „ENDLÖSUNG“ Schüttes gespannt! :mrgreen:

  5. #5 von Jeremias am 11/04/2013 - 14:31

    Mich wundert es, daß der Dumont-Verlag eine Beteiligung in Israel haben darf. Gibt es da verschiedene Arten von Nazis?
    Jaja, ich weiß, ein Herr Schindler war auch NSDAP-Mitglied. Aber der war schon im Dritten Reich ein reuiger Sünder. Wie war das noch mit Dumont?

  6. #6 von Ulli am 11/04/2013 - 14:42

    Was sagt der Zentralrat dazu???

  7. #7 von Gudrun Eussner am 11/04/2013 - 14:47

    Juden im Rathaus. Köln fürchtet um guten Ruf 😛

  8. #8 von Gudrun Eussner am 11/04/2013 - 14:52

    Ich sehe eben, Ihr habt das ja oben verlinkt. Aber frau kann es nicht oft genug publizieren. 😛

  9. #9 von KassandravonTroja am 11/04/2013 - 15:42

    Ach, sind wir schon wieder so weit. Nicht zu vergessen, als vor ein paar Jahren in Duisburg aufgestachelter Islam-Mob sehr agressiv und gewaltbereit „Juden ins Gas“, „Tod den Juden“ und „Juden raus“ skandierten. Unter Begehens von Straftaten der Polizei wie Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung musste eine Israelflagge abgehängt werden. Klare Worte unserer Politiker, Kirchenleute (bis auf zwei Pfarrer, einem katholischen und einem evangelischen), Medien, Gewerkschaften – Fehlananzeige! Dafür kurze Zeit später eine Studie über den Antisemitismus und das Erstarken des Nazitums von seiten der Deutschen – mit den entsprechenden Vorwürfen aus dem muslimischen Lager. Der Zentralrat der Juden hat sich sehr lange Zeit überhaupt nicht gemeldet.
    Spätere Hinweise oder Kommentare von mir dazu, wenn es mal wieder besonders gegen die Deutsch-Nazis gegangen ist, wurden natürlich nicht veröffentlicht.
    Und nachher hat wieder keiner etwas gewusst – verbunden mit den normalüblichen Vorwürfen an andere, ob sie es gewusst haben und wenn ja, warum sie nichts unternommen haben.

  10. #10 von mike hammer am 11/04/2013 - 15:44

    eigentlich war das ganze anders geplant.
    gewollt waren die Roemer in Koeln.
    das man auf juden stiess war sozusagen
    pech und wieder sind die juden spielverderber!
    konnten sie nicht bei den vielen pogromen mal schnell den schutt
    ihrer existenz entsorgen?

    nicht nur dass, nun gibt es hinweise das juden bereits im ersten christlichen jahrhundert in koeln lebten und das sie
    ab dem 4jh, laut erlass von keiser constantin, in die stadtvertretung gewaehlt werden durften. was auf eine bedeutende zahl
    der juden hinwies.

    das bringt kein geld in die koelner kasse und
    wer braucht juedischen kram in koeln?
    da braucht man u.u. auch noch polizeischutz,
    pfui marx und mohamed! 😆

  11. #11 von Bernd D. am 11/04/2013 - 16:56

    In der humorvollen Stadt Köln, wurde die Judenverfolgung nicht nur in „gehässiger Häme in Karnevalsumzügen gefeiert“, sondern es gab auch einen Karnevalsschlager mit dem Titel, „Huuraa de jüdde sin fot (Hurah die Juden sind weg)“. Auch davon wollte nach ’45 kein Kölner je etwas gehört haben.

  12. #12 von die kleine salafistin am 11/04/2013 - 17:17

    @Bernd D.

    Schon übel. Na ja irgendwann singen sie „Hurra de Kölsche sin fot“.

  13. #13 von KassandravonTroja am 12/04/2013 - 16:29

    @Bernd: Ja, genau. „Hurraa, de Judde sin fot“ – Irgendwann ein Mal heißt es dann „Hurraa, de Judde, de Deutsche sin fot“ – und keiner hat etwas gemerkt und keiner hat etwas gewusst und die „gegen-rechts-Kämpfer“ dürften dann auch fot sin. Da kriege ich eine Gänsehaut. Die schwedische Stadt Malmö dürfte wohl die erste europäische judenfreie Stadt in Europa sein; ein holländischer Politiker hat den jüdischen Mitbürgern in Niederlande empfohlen, das Land zu verlassen, da für ihre Sicherheit nicht mehr garantiert werden kann, in Toulouse werden neben drei nordafrikanischen Soldaten jüdische Kinder und ihr Lehrer ermordet usw. usw. In Deutschland darf man ungestraft und unbehelligt und sogar mit Sozialleistungen alimentiert „Tod den Ungläubigen“ skandieren, zu Mord und Terror aufrufen und Polizisten zusammenstechen – und schuld sind nicht die Kriminellen und Terroristen sondern…

  14. #14 von die kleine salafistin am 13/04/2013 - 12:28

    @#3

    AfD hat die FDP jetzt überflügelt im Wahl-O-Meter. Ist das nun schwach von den Liberalen oder stark von den Alternativen?

  15. #15 von LOB am 16/04/2013 - 11:30

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