Enzensbergers Europa-Quiz

Hans-Magnus Enzensberger gehört zu den letzten bedeutenden Intellektuellen Deutschlands, die noch das tun, was einst, als die Grundrichtung der Gesellschaft bürgerlich war, jeder tun zu müssen glaubte, der intellektuell sein wollte: In Frage stellen von Allgemeinplätzen, Glaubenssätzen und dem Geschwätz der Machthaber. Weil er überzeugter Europäer ist, betrachtet er das Wirken illegitimer Machthaber im europäischen Regierungsapparat mit Skepsis. Enzensberger stellt Fragen, die FAZ veröffentlicht diese und die Antworten müssen wir selber geben. 

Aus der FAZ:

Worum handelt es sich, wenn eine intelligente Frau in hoher Position behauptet: „Wenn der Euro scheitert, scheitert Europa“?

1. Um eine Drohung?

2. Um eine Schutzbehauptung?

3. Oder nur um eine Dummheit?

4. Haben Sie den Eindruck, dass unser Kontinent nach wie vor existiert, obwohl im Lauf der letzten zweitausend Jahre das Talent, der Denar, der Gulden, die Lira, das Lepton und die Reichsmark untergegangen sind?

5. Wissen Sie, wer das Stummelwort Euro erfunden hat, das vor dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts niemand in den Mund genommen hat?

6. Sind Sie in der Lage, Akronyme wie EZB, EFSF, ESM, EBA und IMF zu entziffern?

7. Vermuten Sie, dass die meisten europäischen Länder seit geraumer Zeit nicht mehr von demokratisch legitimierten Instanzen, sondern von diesen Abkürzungen regiert werden?

8. Haben Sie diese Einrichtungen gewählt?

9. Werden sie im Grundgesetz oder in einer anderen europäischen Verfassung erwähnt?

10. Ist Ihnen in den letzten Jahren mitgeteilt worden, dass die Entscheidungen dieser Institutionen „alternativlos“ sind?

Wer darf Finanzbedarf „anmelden“?

11. Sind Obdachlose, Fixer, Lohnempfänger oder Rentner nicht berechtigt, Finanzbedarf „anzumelden“, wohl aber Mitglieder der Eurogruppe, Bankvorstände und Fernsehintendanten?

12. Wird diesem Verlangen regelmäßig entsprochen?

13. Ist Ihnen in der letzten Zeit der Fachausdruck „finanzielle Repression“ begegnet?

Falls ja, sind damit gemeint:

14. Rentenkürzungen?

15. Steuererhöhungen?

16. Schuldenschnitte?

17. Zwangsabgaben?

18. Inflation?

19. Währungsreformen?

Was ist die Adresse der „Märkte“?

20. Kennen Sie die Namen und die genaue Adresse der „Märkte“, die den Euro-Rettern vorschreiben, was sie zu tun haben?

21. Muss die Küstenwacht prüfen, ob Passagiere in Seenot „systemrelevant“ sind, bevor sie gerettet werden dürfen?

Stimmen Sie den folgenden Ansichten zu?

22. „Macht ist das Privileg, nicht lernen zu müssen.“ (Karl Deutsch, 1912-1993.)

23. „Ein Leben ohne Verfassungsgericht ist möglich, aber sinnlos.“ (Loriots Mops)

24. „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“ (Jean-Claude Juncker, Vorsitzender der Eurogruppe, 1999.)

25. „Politiker sind wie schlechte Reiter, die so stark damit beschäftigt sind, sich im Sattel zu halten, dass sie sich nicht mehr darum kümmern können, in welche Richtung sie reiten.“ (Joseph A. Schumpeter, 1944.)

26. Wusste die Europäische Kommission, was das Fremdwort Subsidiarität bedeutet? Und wenn ja, hat sie es vergessen?

Was bedeutet der Ausdruck „Quantitative Lockerung“?

27. Eine Yoga-Übung?

28. Die Beschleunigung der Notenpresse?

29. Hat der Verfassungsrechtler Gusy aus Bielefeld recht, wenn er sagt: „Wo ein Trog ist, sammeln sich Schweine“?

30. Können Sie sich mit der blühenden Metaphorik der Euro-Retter anfreunden, oder kommt sie Ihnen martialisch, konfus oder gar lächerlich vor? Sind Sie in der Lage, zwischen Schirmen, Hebeln, Bazookas, Dicken Berthas, Brandmauern und Hilfspaketen punktgenau zu unterscheiden?

31. Wiegen Sie sich in der Zuversicht, die Karl Valentin in die Worte fasste: „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es jetzt schon ist“?

32. Wenn sich herausstellt, dass die Einführung einer neuen Papierwährung statt zur Integration Europas zu seiner Spaltung, und wenn sie statt zur Verständigung zu Hass und gegenseitigem Ressentiment geführt hat, wäre es da angezeigt, diese Position zu räumen, statt nach dem Motto „Augen zu und durch“ zu verfahren?

33. Oder ist das undenkbar, weil es eine narzisstische Kränkung der verantwortlichen Politiker bedeuten würde?

Gibt es ein Europa diesseits der EU-Institutionen?
34. Gibt es ein Europa diesseits der Institutionen der EU und ihrer 40.000 Beamten, oder sind sie die einzigen Vertreter unsers Erdteils, deren Stimme zählt?

35. Sind es diese Personen, die darüber zu entscheiden haben, wer als „Anti-Europäer“ zu gelten hat?

36. Verstehen Sie, warum die Europa-Politiker mit den Römischen Verträgen und dem Traktat von Maastricht so umgehen, als hätten sie diese Papiere nie unterschrieben?

37. Glauben Sie, dass ihnen Referenden und Abstimmungen lästig sind, weil jede Meinungsäußerung der Bevölkerung ihre Bemühungen stören könnte, die „Märkte“ zu beruhigen?

38. War die Demokratie wirklich eine so schlechte Idee, dass auf sie notfalls verzichtet werden kann?

39. Zeigt nicht das Beispiel Chinas, dass man es auch ohne sie im Zeichen der Globalisierung zu einer erfolgreichen Weltmacht bringen kann?

40. Ist demnach die politische Entmündigung der Bürger unvermeidlich, und ist ihre ökonomische Enteignung die notwendige Folge?

  1. #1 von mike hammer am 27/12/2012 - 16:37

    ja 🙄
    oder
    doch nicht?
    vieleicht hmmmm!
    AAAAAhhhhhhhhGrrrrrr$%#*^¥£\@&-!
    😈 !

  2. #2 von Heimchen am Herd am 27/12/2012 - 17:10

    Hmmm….. BESONDERE BEZIEHUNGEN… 🙄

  3. #3 von gogo am 27/12/2012 - 17:52

    Ein monatlicher QQ-Online-Wahl-O-Mat wäre interessant und hilfreich! :mrgreen:

  4. #4 von Martin1 am 27/12/2012 - 20:09

    Grandios!

    Mach eine(r) wird dazu vllt. sagen, Enzensberger legt die Finger in die Wunde, ich aber meine er stellt die richtigen Fragen zum Zustand der Politik in Deutschland und der EU.

  5. #5 von Heimatloser am 28/12/2012 - 01:57

    Kennt nicht irgendwer Tricks und Kniffe – den aktuell da rumhampelnden Politikern dazu antworten abzufordern ?

  6. #6 von gogo am 28/12/2012 - 08:14

    #5 von Heimatloser am 28/12/2012 – 01:57
    Richte dich mündlich + schriftlich an deine Abgeordneten. Teile ihnen mit warum du ihn/sie nicht wählen wirst, gib ihnen aber auch Fressifressi mit dem Zusatz „wenn“. Magst die Typen überhaupt nicht (früher 12 Jahre Student, bei den Grünen, heute CDU 😉 ), dann laß die Sau raus! Die brauchen das!

  7. #7 von Martin1 am 28/12/2012 - 19:04

    Heimatloser zu 28/12/2012 um 01:57

    Kennt nicht irgendwer Tricks und Kniffe – den aktuell da rumhampelnden Politikern dazu antworten abzufordern ?

    Das ist eigentlich Aufgabe der Medien. Aber die sind bekanntlich ein Totalausfall, bzw. Lautsprecher ihrer Parteien.

    Heckler&Koch könnten helfen, vllt. auch Smith&Wesson.
    Aber ich glaube, diese Befragungsmethoden sind in Schland den Bürgern nicht erlaubt, oder irre ich?

    Politiker_innen können ungestraft machen, was sie wollen, sie werden vom Schlaumichel immer wiedergewählt.

  8. #8 von schweinsleber am 29/12/2012 - 13:05

    „der Euro scheitert, scheitert Europa“?

    1. Um eine Drohung?

    2. Um eine Schutzbehauptung?

    3. Oder nur um eine Dummheit?“

    Es ist sowohl eine Drohung als auch eine Schutzbehauptung, aber es ist in erster Linie einfach sturzdumm!

    „4. Haben Sie den Eindruck, dass unser Kontinent nach wie vor existiert, obwohl im Lauf der letzten zweitausend Jahre das Talent, der Denar, der Gulden, die Lira, das Lepton und die Reichsmark untergegangen sind?“

    Nein!

    „5. Wissen Sie, wer das Stummelwort Euro erfunden hat, das vor dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts niemand in den Mund genommen hat?“

    Nein und es ist mir auch herzlich wurscht, weil ich diese Währung ohne Staat immer für schlecht gehalten habe.

    „6. Sind Sie in der Lage, Akronyme wie EZB, EFSF, ESM, EBA und IMF zu entziffern?“

    Zum Teil:
    Europäische Zentralbank
    Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (Was für ein Zungenbrecher und der ist mir auch nur geblieben, weil er mich ans BSE erinnert hat.)
    Europäischer Stabilitätsmechanismus Lumpenvertrag
    EBA? Was zum Henker ist denn das?
    IWF = IMF

    „7. Vermuten Sie, dass die meisten europäischen Länder seit geraumer Zeit nicht mehr von demokratisch legitimierten Instanzen, sondern von diesen Abkürzungen regiert werden?“

    ja

    „8. Haben Sie diese Einrichtungen gewählt?“

    Als Schweizer sowieso nicht

    „9. Werden sie im Grundgesetz oder in einer anderen europäischen Verfassung erwähnt?“

    Nein!

    „10. Ist Ihnen in den letzten Jahren mitgeteilt worden, dass die Entscheidungen dieser Institutionen „alternativlos“ sind?“

    An jeder unpassenden Stelle!

    Wer darf Finanzbedarf „anmelden“?

    Die Räuber!

    „11. Sind Obdachlose, Fixer, Lohnempfänger oder Rentner nicht berechtigt, Finanzbedarf „anzumelden“, wohl aber Mitglieder der Eurogruppe, Bankvorstände und Fernsehintendanten?“

    Der Steuerzahler ist nicht die Weihnachtsgans für alle diese Gruppen!

    „12. Wird diesem Verlangen regelmäßig entsprochen?“

    Sicher, dafür wurde dieser Mist ja geschaffen.

    „13. Ist Ihnen in der letzten Zeit der Fachausdruck „finanzielle Repression“ begegnet?“

    Nicht direkt

    „Falls ja, sind damit gemeint:

    14. Rentenkürzungen?

    Kommt noch, weil nicht mehr finanzierbar.

    15. Steuererhöhungen?

    Nicht nur höher sondern auch noch immer mehr von diesem Schmarren

    16. Schuldenschnitte?

    Der Steuerzahler, die Pensionskassen und Lebensversicherer wird es freuen!

    17. Zwangsabgaben?

    Was ist die GEZ und die Autobahnmaut denn anderes?

    18. Inflation?

    Kommt noch, schliesslich müssen die Schulden geringer werden.

    19. Währungsreformen?“

    Die gibt es dann zum Nachtisch!

    „Was ist die Adresse der „Märkte“?“

    666 Hölle

    „20. Kennen Sie die Namen und die genaue Adresse der „Märkte“, die den Euro-Rettern vorschreiben, was sie zu tun haben?“

    Siehe oben!

    „21. Muss die Küstenwacht prüfen, ob Passagiere in Seenot „systemrelevant“ sind, bevor sie gerettet werden dürfen?“

    In Zukunft ja!

    „Stimmen Sie den folgenden Ansichten zu?

    22. „Macht ist das Privileg, nicht lernen zu müssen.“ (Karl Deutsch, 1912-1993.)

    ja

    23. „Ein Leben ohne Verfassungsgericht ist möglich, aber sinnlos.“ (Loriots Mops)

    Für den Normalsterblichen ja, für die Bonzokraten nein!

    24. „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“ (Jean-Claude Juncker, Vorsitzender der Eurogruppe, 1999.)

    Für sein umwölktes Kuckucksheim geht das auf.

    25. „Politiker sind wie schlechte Reiter, die so stark damit beschäftigt sind, sich im Sattel zu halten, dass sie sich nicht mehr darum kümmern können, in welche Richtung sie reiten.“ (Joseph A. Schumpeter, 1944.)

    Stimmt!

    26. Wusste die Europäische Kommission, was das Fremdwort Subsidiarität bedeutet? Und wenn ja, hat sie es vergessen?

    Nein sie hat etwas gegen Eigenverantwortung plus Selbstbestimmung!

    „Was bedeutet der Ausdruck „Quantitative Lockerung“?“

    Geld drucken, bis die Notenpresse explodiert!

    „27. Eine Yoga-Übung?

    Kann man dazu machen.

    28. Die Beschleunigung der Notenpresse?“

    Siehe oben

    „29. Hat der Verfassungsrechtler Gusy aus Bielefeld recht, wenn er sagt: „Wo ein Trog ist, sammeln sich Schweine“?“

    Sicher, siehe Realität

    „30. Können Sie sich mit der blühenden Metaphorik der Euro-Retter anfreunden, oder kommt sie Ihnen martialisch, konfus oder gar lächerlich vor? Sind Sie in der Lage, zwischen Schirmen, Hebeln, Bazookas, Dicken Berthas, Brandmauern und Hilfspaketen punktgenau zu unterscheiden?“

    Nein kann ich nicht.
    Es geht nur darum, den Bürger zur Kasse zu bitten, damit die Lieben und Netten weiterhin in Saus und Braus leben können!

    „31. Wiegen Sie sich in der Zuversicht, die Karl Valentin in die Worte fasste: „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es jetzt schon ist“?“

    Nein, es wird noch schlimmer.

    „32. Wenn sich herausstellt, dass die Einführung einer neuen Papierwährung statt zur Integration Europas zu seiner Spaltung, und wenn sie statt zur Verständigung zu Hass und gegenseitigem Ressentiment geführt hat, wäre es da angezeigt, diese Position zu räumen, statt nach dem Motto „Augen zu und durch“ zu verfahren?“

    ja

    „33. Oder ist das undenkbar, weil es eine narzisstische Kränkung der verantwortlichen Politiker bedeuten würde?“

    ja

    „Gibt es ein Europa diesseits der EU-Institutionen?
    34. Gibt es ein Europa diesseits der Institutionen der EU und ihrer 40.000 Beamten, oder sind sie die einzigen Vertreter unsers Erdteils, deren Stimme zählt?“

    ja
    und ja das politbüro 2.0 ist der felsenfesten meinung zu wissen, was gut für uns alle ist.

    „35. Sind es diese Personen, die darüber zu entscheiden haben, wer als „Anti-Europäer“ zu gelten hat?“

    selbstredend ja

    „36. Verstehen Sie, warum die Europa-Politiker mit den Römischen Verträgen und dem Traktat von Maastricht so umgehen, als hätten sie diese Papiere nie unterschrieben?“

    Sicher
    Ihnen ist doch egal, was da dort steht, weil sie eh so schalten und walten wollen, wie es ihnen gerade passt.
    Diese Verträge dienen nur dazu da, um dem dummen Wahlvieh ein Feigenblatt beim Abschluss unter die Augen zu halten.
    Kommt es aber darauf an, dann werden diese umgehend ALTERNATIVLOS gebrochen!
    Übrigens gibt es solche Verträge auch bei uns im Alltag… Sie nennen sich Verfassung und Gesetze und wenn man sich nicht an diese hält, dann wandert man ins Kittchen!

    „37. Glauben Sie, dass ihnen Referenden und Abstimmungen lästig sind, weil jede Meinungsäußerung der Bevölkerung ihre Bemühungen stören könnte, die „Märkte“ zu beruhigen?“

    Ja, das Wahlvieh ist nur dazu da Steuern zu zahlen und einem zu wählen, was schon genug lästig ist!
    Da liegen solche blöden Volksbefragungen schon gar nicht drin, weil man da die Verträge noch selbst durchlesen, verstehen und erklären sollte.

    „38. War die Demokratie wirklich eine so schlechte Idee, dass auf sie notfalls verzichtet werden kann?“

    In den Augen der Bonzokraten ja!

    „39. Zeigt nicht das Beispiel Chinas, dass man es auch ohne sie im Zeichen der Globalisierung zu einer erfolgreichen Weltmacht bringen kann?“

    Sicher!
    Genau dort wollen die Lieben und Netten hin!

    „40. Ist demnach die politische Entmündigung der Bürger unvermeidlich, und ist ihre ökonomische Enteignung die notwendige Folge?“

    Wenn es dem Machterhalt der Bonzokraten und ihren Barden dienlich ist, dann muss es so gesehen!

    (Die Zeilen wurden in grosser Wut hin gepfeffert!)