„Israel ist der Jude unter den Staaten“

Judenhasser wären wieder gern Schiedsrichter, wenn Juden um ihr Leben kämpfen müssen

Was verbindet das „man wird doch wohl Israel kritisieren dürfen“ mit dem klassischen Judenhass? Was verbindet Augstein, Grass und Möllemann? In der WELT erklärt Henryk M. Broder den modernen Antisemitismus aus der Mitte der deutschen Gesellschaft: Was Antisemitismus und Körpergeruch verbindet.

Broder in der WELT:

„Der Antisemitismus ist der Sozialismus der dummen Kerle“, soll August Bebel, einer der Väter der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, gesagt haben. „Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden“, hat Theodor W. Adorno in den „Minima Moralia“ geschrieben.

Allen Differenzierungen zum Trotz wird der Begriff nicht klarer, sondern immer diffuser. So dass man am Ende aller Debatten bei einer Definition landet, die ironisch gemeint ist, aber der Wirklichkeit sehr nahe kommt: „Ein Antisemit ist jemand, der die Juden noch weniger leiden kann, als es an sich natürlich ist.“

Die Bücher, die demnächst über die Judenfrage geschrieben werden, werden sich mit einem relativ neuen Phänomen beschäftigen: Dem Antisemitismus ohne Antisemiten. Zwar weisen alle Studien darauf hin, dass es in allen europäischen Ländern einen Bodensatz an Antisemitismus gibt. Geht es aber darum, Ross und Reiter zu benennen, erklären sich die Forscher für nicht zuständig, während Journalisten und Sozialarbeiter gerne den „arbeitslosen Jugendlichen“ präsentieren, der nach einem Sündenbock für seine missliche Lage sucht.

Der Antisemitismus, heißt es immer wieder, sei „in der Mitte der Gesellschaft“ abgekommen; aber es steht niemand auf, weder in der Mitte der Gesellschaft noch an ihren Rändern, und ruft: „Hier! Ich bin gemeint!“

Jürgen W. Möllemann, der seinen Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen mit „israelkritischen“ Parolen führte, wollte kein Antisemit sein, Martin Hohmann hat mit viel Mühe Analogien zwischen dem „Tätervolk“ der Juden in der Sowjetunion und dem „Tätervolk“ der Deutschen im Dritten Reich herausgearbeitet, ohne dass er sich damit als Antisemit outen wollte.

Auch Jakob Augstein, der Verleger des „Freitag“ und Kolumnist bei ”Spiegel Online”, will kein Antisemit sein. Wer ihn nur aus dem Fernsehen kennt, wird ihm sofort Recht geben: ein junger Mann mit guten Manieren, solider Allgemeinbildung und einem Hang zum Mäzenatentum, der ihn jedes Jahr Millionen kostet.

Das absolute Gegenteil von einem wild gewordenen SA- oder SS-Mann, der „Die Juden sind unser Unglück!“ schreit und für ein judenreines Deutschland kämpft.

Allerdings: Alle maßgeblichen Antisemiten der Moderne – von Houston Stewart Chamberlain bis Wilhelm Marr, von Karl Lueger bis Heinrich von Treitschke, von Adolf Stöcker bis Alfred Rosenberg – waren gebildete Menschen, die sich nie dazu hergegeben hätten, ihren Judenhass in die Tat umzusetzen, also persönlich Hand anzulegen. Die Nazis haben das Bild des Antisemiten brutalisiert und damit langfristig versaut.

„Der Antisemitismus… ist eine massenmordende Bestie“, hat vor kurzem ein Politiker der Linkspartei, der in seinem früheren Leben der Stasi zugearbeitet hat, erklärt. „Antisemitismus ist Massenmord und muss dem Massenmord vorbehalten bleiben!“

Das bedeutet: Unterhalb der historischen Markierung, die der Holocaust gesetzt hat, kann es keinen Antisemitismus geben. Es gibt nur eine „Israelkritik“, in der alle antisemitischen Stereotype, die früher „dem Juden“ galten, auf Israel projiziert werden – vom Blutsauger bis zum Brunnenvergifter, vom Weltbrandstifter bis zum Kindermörder.

„Israel ist der Jude unter den Staaten“, hat schon vor Jahrzehnten der französische Historiker Leon Poliakov geschrieben. Er ist es heute mehr denn je, das einzige Land der Welt, über dessen Existenzberechtigung debattiert wird, wobei auch diejenigen, die Israels Existenzrecht bejahen, nicht merken, in was für eine dialektische Falle sie dabei tappen. Kann sich jemand eine ähnliche Debatte über China vorstellen, das – kurz nachdem Israel in Palästina gegründet wurde – in Tibet einmarschierte und es seitdem besetzt hält?

An dieser Delegitimierung und Dämonisierung Israels beteiligt sich auch Jakob Augstein. Nein, er macht es nicht so plump wie der iranische Präsident, der immer wieder erklärt, das „zionistische Gebilde“ sei ein „Krebsgeschwür“. Augstein macht es feiner.

Er bedankt sich bei Günter Grass für dessen Gedicht „Was gesagt werden muss“, das einmal zu den „wirkmächtigsten Worten“ des Dichters zählen werde, „obwohl es kein großes Gedicht ist und eine brillante politische Analyse… auch nicht“.

Obwohl Grass „auch Unfug schreibt“ und sich „was zurecht schwurbelt“. In diesem Falle aber, so Augstein, habe Grass etwas Großes vollbracht. „Es muss uns nämlich endlich einer aus dem Schatten der Worte Angela Merkels holen, die sie im Jahr 2008 in Jerusalem gesprochen hat“, schreibt er. „Sie sagte damals, die Sicherheit Israels gehöre zur deutschen ‚Staatsräson’“.

Augstein möchte nicht nur aus dem Schatten der Worte Angela Merkels geholt, er möchte auch von der Last der deutschen Geschichte erlöst werden. Augstein will nicht mehr daran erinnert werden, wie es dazu kommen konnte, dass Israels Sicherheit Teil der deutschen Staatsräson wurde. Das ist genau die Art von Antisemitismus, wie er in den gebildeten Ständen gepflegt wird, die es satt haben, immer wieder mit der „Auschwitzkeule“ gehauen zu werden.

Diesen Antisemitismus hat Rainer Werner Fassbinder auf den Punkt gebracht, als er in seinem Stück „Die Stadt, der Müll und der Tod“ den Antisemiten Hans von Glück sagen lässt: „Und Schuld hat der Jud, weil er uns schuldig macht, denn er ist da. Wär er geblieben, wo er herkam, oder hätten sie ihn vergast, ich könnte heute besser schlafen. Sie haben vergessen, ihn zu vergasen. Das ist kein Witz, so denkt es in mir.“

Und so denkt es auch in Günter Grass und in Jakob Augstein, der in seiner letzten „Spiegel Online“-Kolumne („Überall Antisemiten“) den „inflationären“ Gebrauch des Antisemitismus-Vorwurfs beklagt, wodurch „der Begriff seine Bedeutung und das Thema seine Würde“ verliere. So etwas nutze nur „den wirklichen Judenfeinden“. So haben Antisemitismus und Körpergeruch etwas gemeinsam: Stinken tun immer die anderen.

  1. #1 von kiblat am 28/11/2012 - 10:20

    Tja früher stand auf Lennon-Plattencovern ja auch noch „Woman is the Nigger of the world“. Heute: „Woman is the N* of the world.“ Ob der Refrain mit einem Pfeifton zensiert wurde, weiß ich gar nicht.

  2. #2 von tyrannosaurus rex am 28/11/2012 - 10:59

    FREE PALESTINE! From the Moslem Terrorists!

  3. #3 von der Lump am 28/11/2012 - 11:07

    Das ein Antisemit wie Augstein wie besessen ständig Israel kritisieren muss, auch wenn die Besetzung Tibets, der Westsahara, Kurdistans, etc. etc. das viel grössere Unrecht sind, merkt der nicht mal.
    Tatsächlich meinen diese Irren, im Nahen Osten wäre Frieden, wenn Israel die paar Siedlungen im Westjordanland räumen würde. Lächerlich.
    Sie kritisieren sogar, dass sich Israel mit einer Mauer schützt!

  4. #4 von Sebastian am 28/11/2012 - 11:27

    # QQ

    Sicherlich auch sehr interessant für euch :

    http://www.dw.de/hackerangriff-auf-iaea-server/a-16409679

    #3 von der Lump am 28/11/2012 – 11:07

    Das ein Antisemit wie Augstein wie besessen ständig Israel kritisieren muss…

    Ach, ist man automatisch Antisemit, wenn man Israel kritisiert ?
    Wußte ich gar nicht…..

  5. #5 von mike hammer am 28/11/2012 - 11:54

    @ Lump
    in judea & samaria (was ist west jordan dings?) in jescha gibt es keine siedlungen,
    es gibt dort doerfer und kleinstaedte, das juden dort leben macht es fuer judenhasser zu siedlungen!

    uebernimmst du die terminologie, denkst du in der kategorie des feindes, denkst du wie er will schwaechst du deine position und
    verlierst!

  6. #6 von tyrannosaurus rex am 28/11/2012 - 13:12

    DEUTSCHLANDS Interessen werden am Hindukusch verteidigt? Mitnichten! ISRAEL verteidigt unsere Interessen mit der Waffe in der Hand! Wir sollten deshalb beim Bau der Mauer, der Bewaffnung behilflich sein und bei der moralischen Unterstützung nicht zaudern sondern alles tun um den Kampf gegen den Islamoterrorismus voranzubringen. Vergesst nie MÜNCHEN 72 und Entebbe!

  7. #7 von Sebastian am 28/11/2012 - 13:24

    #6 von tyrannosaurus rex am 28/11/2012 – 13:12

    😯

    Sehr amüsanter Beitrag . :mrgreen:

  8. #8 von tyrannosaurus rex am 28/11/2012 - 22:10

    Zum erstenmal ist mir die fanatische Mordgier der Islamoterroristen 1972 bei dem Olympiaattentat aufgefallen! Danach habe ich die Entwicklung interessiert verfolgt. Die Entführung der Landshut, die Ermordung desPiloten, die Befreiung durch die GSG 9! Leider liess man die Entführerin am Leben. Worauf sie in Schweden Asyl fand und von dort weiter gegen Israel hetzte. Danach verging kein Tag ohne islamischen Terror. Allerdings war das schon seit der Gründung dieser Sekte nicht anders. Fakt ist: ISRAEL ist ein Hindernis auf dem Weg der Eroberung Europas und dem Rest der Welt. Deshalb ist es unser natürlicher Verbündeter und selbstverständlich sehr versiert in der Bekämpfung des Islamofaschismus! Das sollten wir uns zunutze machen und daraus lernen wie man diese Sekte zurückdrängt!

  9. #9 von mike hammer am 28/11/2012 - 22:33

  10. #10 von mike hammer am 28/11/2012 - 23:57