Spiegel verblödet seine Leser


Deutsche sind ganz böse. Ein Glück, dass Europa sie in die Schranken weist. „Liebe Europäer, bitte lasst uns mit diesen Deutschen nicht allein!“ So ähnlich muss man sich den Hintergrund dieses Artikels des Qualitätsmediums „Spiegel“ vorstellen. Gleichzeitig wird der arme Verbraucher, der sich ansonsten nicht die Bohne für das Leid der Tiere interessiert (Hauptsache billig!), vor den bösen Machenschaften der Mafia aus Tierärzten und Landwirten beschützt. Das ist genial. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Henry P. hat es dankenswerter Weise in einem Gastbeitrag festgehalten.

Spiegel-Online hat einen Beitrag mit dem Titel: „Europa-Vergleich: Deutschland führt bei Antibiotika-Einsatz in der Tiermast“

Auszug:

Das Gewicht entspricht tausend üppig ausgestatteten Mittelklasse-Limousinen: 1734 Tonnen Antibiotika wurden Tieren in Deutschland im vergangenen Jahr verabreicht. Damit ist die Bundesrepublik mit großem Abstand Spitzenreiter in Europa, Frankreich folgt mit etwas mehr als 1000 Tonnen auf Platz zwei vor den Niederlanden mit 514 Tonnen.

Einigen Nutzern ist schnell aufgefallen, dass diese Zahlen nicht aussagekräftig sind, da sie nicht in Relation zur Zahl der Tiere in den jeweiligen Ländern stehen. Wenn in Deutschland sagen wir mal doppelt so viele Tiere gemästet würden wie in Frankreich, aber nur 70% mehr Antibiotika verbraucht werden, dann wäre der Antibiotikaeinsatz pro Tier in Deutschland geringer, nicht höher.

Leider stellt das Qualitätsmedium Spiegel diese entscheidenen Informationen seinen Lesern nicht zur Verfügung. Glücklicherweise hat ein User das nachgeholt:

Die Antibiotikaanwendung in deutschen Tierbeständen liegt im europäischen Vergleich eher im Mittelfeld. Das ergibt sich aus einer Auswertung von Experten der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) in London. Hierfür wurden die verkauften Mengen Antibiotika erfasst und in Relation zur produzierten Menge an Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch und dem geschätzten Lebendgewicht der Tiere gesetzt.

Wie die Grafik zeigt, sind die Niederlande und Frankreich absoluter Spitzenreiter. Deutschland liegt in Europa noch hinter der Schweiz im Mittelfeld.

Wie man sieht wird der Sachverhalt durch geschicktes oder gedankenloses Weglassen von Informationen ins genaue Gegenteil verkehrt.

  1. #1 von Gudrun Eussner am 27/09/2012 - 13:55

    Frankreich liegt auch vorn im Einnehmen von Medikamenten. Inzwischen gibt’s Artikel, die davon handeln, daß die Hälfte solcher Medikamente wirkungslos oder gar schädlich ist. Als ich also den Spiegel-Artikel gelesen habe, wußte ich aus Erfahrung, daß er nicht stimmen kann. :mrgreen:

  2. #2 von Heimchen am Herd am 27/09/2012 - 14:56

    Die Frage ist doch die,….. was bezwecken die Meinungsmacher mit der

    F A L S C H I N F O R M A T I O N ???

    Wem nützt diese Falschinformation???

    Sollen wir vielleicht künftig auf Medikamente in der Tierzucht verzichten?

    Sollen wir vielleicht künftig GANZ auf Fleisch verzichten?

    Sollen wir vielleicht künftig SPEZIELL auf SCHWEINEFLEISCH verzichten?

    FRAGEN über FRAGEN…..

  3. #3 von pierre am 27/09/2012 - 15:45

  4. #4 von Gudrun Eussner am 27/09/2012 - 17:44

    Es geht darum zu herrschen durch Angsteinjagen. Was den Spiegel dabei angeht, so setzen die Macher darauf, daß der eingeschüchterte Leser die folgende Spiegel-Ausgabe kaufen wird, um zu sehen, wie das mit den entsetzlichen Ereignissen weitergegangen ist und demnächst weitergeht. Der Spiegel überschätzt seine Wirkung grenzenlos. Kein Wunder bei Baby Jakob Augstein, reich und nicht von dieser Welt!

    Die Deppen haben noch nicht gelernt, daß man mit negativen Konnotationen keinen Umsatz steigert, sondern die Leute demotiviert. Das lernt man im ersten Semester Marketing.

    Wenn ich z.B. im Ferni die Pharma-Werbung sehe, wo einem die widerlichen Wörter nur so um die Ohren gehauen werden: Nagelpilz! Die Werbung für ein Medikament dagegen habe ich schon x-mal über mich ergehen lassen, weil ich während der Werbepause in Soko 5113 oder Wismar nicht schnell genug aus dem Zimmer gerannt bin. Wie das Medikament heißt? Das prägt sich mir nicht ein, denn an der Stelle ist schon der „Nagelpilz“. :mrgreen:

  5. #5 von Heimchen am Herd am 27/09/2012 - 18:29

    Ich sage nur Pharmareferent….

    Georg Schramm – Der Pharmareferent ist wieder da

    http://www.youtube.com/watch?v=une9Nncb79w .

    Das sind die netten Herren und Damen… die immer den „Verkehr“ in der Arztpraxis aufhalten!

    Mein Lieblingsarzt ist übrigens mein Urologe (Männerarzt) er duzt alle seine Patienten, macht
    immer Witze und hat stets gute Laune!

    Manchmal vergesse ich sogar, weshalb ich überhaupt gekommen bin! 😆 😆

    Der Typ ist klasse….

  6. #6 von Jottes am 28/09/2012 - 11:11

    Auch das relativieren den Mengen bring nicht wirklich Klarheit, denn es gibt Antibiotika, die bei deutlich kleinerer Masse (Gewicht) immer noch mehr Wirkung hat. Das betrifft wohl insbesondere Sorten, die eigentlich für den Menschen gedacht sind und damit ein weiteres Problem mit sich bringen: Bildung von Restistenzen.
    Möchte man objektiv vergleichen, dann müsste man den Wirkungsquerschnitt mit den relativen Tiermassen vergleichen.

  7. #7 von Henry the 9th am 28/09/2012 - 17:07

    Schön, dass ihr meinen Tip aufgegriffen habt. 🙂

    -Henry

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