IAEA erkennt iranische Gefahr

Jahrelang gab die internationale Atombehörde IAEA unter dem verkappten Moslembruder El Baradai Iran Deckung beim Ausbau seines Atombombenprogramms, wie Zuhälter als Sittenwächter. Jetzt scheint sich die Wahrheit nicht mehr verheimlichen zu lassen. Im aktuellen Bericht gestehen die Experten ein, dass Iran an der Bombe bastelt und nicht mehr viel Zeit bleibt, wenn die Welt die Massenvernichtungswaffe in der Hand von Irren verhindern will. Für den SPIEGEL bleibt das Problem aber weiterhin ein bilateraler Konflikt zwischen Iran und Israel, von dem die eigentliche Gefahr für den Weltfrieden ausgehen soll.

Der SPIEGEL berichtet:

Unter anderem geht es um die Militäranlage von Parchin südöstlich von Teheran, zu der die Atomwächter Zugang fordern. Die IAEA hat von den Mitgliedstaaten Informationen, die zeigen sollen, dass Iran dort Komponenten von Atomsprengköpfen testete. Jahrelang habe es rund um die Gebäude keine Arbeiten gegeben, heißt es im Bericht. Seitdem die IAEA im Januar 2012 aber Zugang zu Parchin gefordert habe, sei plötzlich viel passiert: Gebäude wurden abgerissen, Material abtransportiert und der Boden umgegraben.
Besonders brisant: Teheran soll die Produktionskapazität in der Anlage Fordo allein im vergangenen Quartal verdoppelt haben. Rund 2000 Zentrifugen seien in der unterirdischen Anlage nahe der im Zentrum des Landes gelegenen Stadt Ghom installiert worden. Im Mai hatte es dort nur rund 1000 gegeben, erklärt die IAEA. Allerdings seien nur etwa 700 der Zentrifugen in Betrieb. Die Kontrolleure bestätigen damit die Äußerung eines iranischen Offiziellen, der Ende Juli damit geprahlt hatte, dass sein Land tausend neue Zentrifugen produziert habe.

Die Anlage in Fordo ist aufgrund ihrer unterirdischen Bauweise nur schwer zu zerstören. Iran soll dort Uran auf bis zu 20 Prozent anreichern; von diesem Grad der Anreicherung ist es aus technischer Sicht nur noch ein kleiner Schritt, die 90 Prozent zu erreichen, die für den Bau einer Atombombe benötigt wird. „Jeglicher weiterer Ausbau in Fordo kompliziert die Lage“, sagte Atom-Experte Olli Heinonen, der 27 Jahre lang für die IAEA arbeitete, auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Das gilt vor allem für eine Einigung mit Jerusalem. „Für Israel ist die rote Linie wahrscheinlich überschritten, wenn Fordo voll einsatzbereit ist“, sagte Yoel Guzansky, Wissenschaftler am israelischen Institute for National Securities Studies SPIEGEL ONLINE. Zwischen 2005 und 2009 war Guzansky im israelischen Nationalen Sicherheitsrat, der den Premierminister in Sicherheitsfragen berät, verantwortlich für das iranische Atom-Dossier. (…)

Aus Sicht Teherans sprechen alle Zeichen für einen möglichst schnellen Atomausbau. Der Sturz des Gaddafi-Regimes in Libyen mit Nato-Hilfe und der Bürgerkrieg in Syrien haben das Gefühl der Bedrohung verstärkt, dazu kommen Mordanschläge auf iranische Wissenschaftler und Attacken mit Computerviren auf Industrieanlagen. „Je lauter die Drohungen aus Israel werden, desto stärker wird wohl Irans Interesse, eine bestimmte Stufe zu überschreiten, ab der man vor einem Angriff gefeit wäre“, sagte Iran-Experte Boroujerdi.

In israelischen Medien wird seit Wochen darüber spekuliert, dass ein Militärschlag näher rückt. „Statt von Monaten reden wir von Wochen“, wird ein ungenanntes Mitglied der Netanjahu-Regierung in der Zeitung „Haaretz“ zitiert. Zwei weitere Gründe zur Eile: Ab Winter würde ein Angriff wegen der schlechten Sichtverhältnisse schwieriger. Außerdem glauben Beobachter, es könnte in Israels Interesse sein, noch vor den amerikanischen Wahlen am 6. November anzugreifen. Barack Obama, US-Präsident im Wahlkampf, könnte dem Verbündeten, der in den Staaten über eine wichtige Lobby verfügt, kaum die Unterstützung versagen.

Der israelische Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu will Iran vor der Uno-Vollversammlung nun als „größte Gefahr für den Weltfrieden“ brandmarken. Sein Büro teilte am Donnerstag mit, Netanjahu wolle Ende September eine entsprechende Rede halten. Er reist am 27. September nach New York und will am 30. September nach Israel zurückkehren. Nach einem Bericht der „Times of Israel“ will Netanjahu sich auch mit US-Präsident Barack Obama treffen. Dabei solle es um weitere Bemühungen gehen, Teheran vom Bau einer Atombombe abzuhalten.

Bisher hatten viele in den USA und Europa die israelischen Kriegsdrohungen als Rhetorik interpretiert – ein Bluff, um den Druck auf Teheran zu erhöhen. „Ich glaube nicht, dass es ein Bluff ist, angesichts der Gefahren, die drohen, wenn Iran ein Atomstaat wird“, sagte Guzansky. Auch Washington scheint inzwischen nervös zu werden. Erstmals trat ein Sprecher des Weißen Hauses, Tommy Vietor, vor der Veröffentlichung des IAEA-Berichts vor die Presse, um diesen zu kommentieren – und um zu beschwichtigen: Es sei immer noch Zeit und Raum für Verhandlungen mit Iran.

„Israel und die USA haben sehr unterschiedliche rote Linien, was den Iran angeht“, sagte Guzansky. „Für die USA wäre ein Iran mit gewissen atomaren Fähigkeiten von allen schlechten Szenarien das annehmbarste und kleinste Übel. Für Israel wäre es eine hochproblematische strategische Herausforderung.“

Gewisse atomare Fähigkeiten – das klingt wie ein bisschen schwanger. Zur Vernichtung der israelischen Juden in ihrem kleinen Land und der dichtbesiedelten Region Tel Aviv bedarf es keiner atomaren Fähigkeiten, einen dritten Weltkrieg gegen die USA zu führen. Da reichen durchaus „gewisse Fähigkeiten“ – etwa ein bis zwei Bomben. Das ist kein bilateraler Konflikt mit den möglichen Opfern, sondern sollte eine rote Linie für die gesamte zivilisierte Welt sein.

  1. #1 von Martin Schrödl am 31/08/2012 - 10:54

    Wenn das stimmt, daß die Iraner all die Jahre wirklich kontinuierlich an der Erlangung der A-Waffe gearbeitet haben, sind sie für heutige Verhältnisse extrem langsam.

  2. #2 von Sophist X am 31/08/2012 - 12:29

    Was heißt „für heutige Verhältnisse“. Ausschlaggebend sind iranische Verhältnisse. Die Zentrifugen, deren Anzahl aufgestockt wurde, kann man auch nicht einfach bei Ebay kaufen. Schon bestimmte Materialien wie Spezialstähle, ohne die man gar nicht anzufangen braucht, werden nicht frei gehandelt und sind speziell für Terrorregimes schwer zu beschaffen.

  3. #3 von Theo am 31/08/2012 - 15:25

    Nein, was sind wir alle überrascht! Wer hätte das gedacht?