Schluss mi Naziliedern für Merkel

Das wurde aber auch Zeit: Wenn deutsche Schüler das Liedgut für Schulfeiern jetzt vorab der Zensurbehörde vorlegen müssen, muss auch geprüft werden, was die Kanzlerin so mitsummt, wenn sie als blaue Walküre bei den  Wagnerfestspielen in Bayreuth aufläuft. Denn der geniale Opernkomponist steht mit mindestens so gutem Recht wie eine drittklassige Rockband im Rufe rechtsextremistischer Gesinnung und war ein unbestrittener Antisemit, die Erbenfamilie bekanntermaßen in aller Öffentlichkeit mit führenden Nationalsozialisten in guter Harmonie. Also heißt es wieder einmal Geschichte aufarbeiten – so als ob das Thema Wagner nicht schon seit Jahrzehnten von Historikern und Musikwissenschaftlern gründlichst gerade unter diesem Aspekt durchgekaut wäre. Um die Öffnung eines weiteren Archivs liegen sich jetzt die Erben des Meistern in den Haaren.

Die WELT berichtet:

Die Forderung von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, alle Wagner-Archive zur Aufarbeitung der Vergangenheit zugänglich zu machen, begrüßt Nike Wagner. „Durch den Aufruf von Kulturminister Neumann und die Initiativen von Hannes Heer kommt jetzt vielleicht Bewegung in die Sache“, sagte sie. Auch Katharina Wagner hatte im dapd-Interview zur Forderung Neumanns erklärt, sie sei „ganz und gar seiner Meinung“. Nicht alle der Stämme in der Familie seien aber dafür „zugänglich“.

Verschlossen ist bisher das Material, das die Mutter von Wolfgang und Wieland, die mit Hitler befreundete Winifred Wagner, ihrer Enkelin Amélie Hohmann, geborene Lafferentz, überlassen hat. „Amélie Hohmann muss das Archivmaterial in der Tat endlich zugänglich machen“, forderte Nike Wagner. Es gehöre nicht ihr, sondern der Erbengemeinschaft.

Die Tochter des früheren Festspielleiters Wieland Wagner sprach sich dafür aus, den Schrank mit den Unterlagen gemeinsam zu öffnen. „Nicht-Familienmitglieder sollten unbedingt bei dem Sesam-öffne-dich dabei sein: unabhängige Historiker, Archivare, vielleicht Juristen.“ Danach aber gebe es das Problem: „Wohin mit den Dokumenten?“ Nike Wagner zufolge gibt es dazu in der Familie „verschiedene Standpunkte“.

Sie erwartet keine völlig neuen Erkenntnisse aus dem verschlossenen Material. „Die Verstrickung der Familie Wagner in den Hitlerismus ist bekannt und gründlich erforscht, da wird der Schrank nichts ‚Neues‘ zutage fördern. Aber Differenzierungen lohnen sich immer.“

Mit angemessenen, weil künstlerischen Mitteln hatte die israelische Choreographin Saar Magal sich erst kürzlich in München mit Person und Werk Wagners auseinandergesetzt und für eine Auseinandersetzung mit dem Werk Wagners plädiert:

n Dialogen, Tanzszenen und Videos setzt sich das Stück mit der Frage auseinander, ob Musik böse sein kann, bloß weil der Komponist Antisemit war. Magal ging es vor allem darum, den Umgang mit den Werken Wagners in ihrer Heimat Israel zu hinterfragen. Seine Musik ist dort mit einem gesellschaftlichen Bann belegt, weil der Lieblingskomponist Adolf Hitlers für viele Juden mit den Schrecken des Nationalsozialismus verbunden ist.

„Es ist verboten und es ist eben nicht demokratisch, Musik zu verbannen“, hatte die 36-Jährige vor der Uraufführung im Haus der Kunst ihre künstlerische Arbeit begründet. In „Hacking Wagner“ ließ sie in Videoeinspielungen beide Seiten zu Wort kommen: Jüdische Musiker, die gerne Wagner spielen würden. Und Holocaust-Überlebende, die sich bei der Musik schmerzlich an die Nazi-Zeit erinnern.