Gauck in Israel

Wie alle seine Vorgänger stattet Bundespräsident Gauck Israel einen Staatsbesuch ab und versicherte die Israelis der Solidarität der Deutschen. Viel mehr als das übliche Sonntagsreden-Bekenntnis wird es auch diesmal nicht sein, denn die Politik machen eh Andere. Schon obligatorisch ist auch der Besuch der „Palästinensergebiete“ und ihres Präsidenten ohne Staat – als ob Israel nicht als eigene staatliche Einheit Ziel eines Staatsbesuches sein könnte. Es wirkt wie die Gleichstellung des Terroristengebietes mit der Demokratie Israel.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet:

Gauck will in Israel „in schwieriger Zeit“ und angesichts des Atomkonflikts mit Iran eine „Zeichen der Solidarität“ setzen, über die Situation in den palästinensischen Autonomiegebieten sprechen und die deutsche Unterstützung für die „Zwei-Staaten-Lösung“ demonstrieren, wie es im Präsidialamt in Berlin hieß.

Für Gauck ist es der erste Staatsbesuch überhaupt, aber keineswegs die erste Reise nach Israel. Er sei dort schon ein paar Mal gewesen, habe da Freunde und gute Kontakte in die jüdische Gemeinschaft, hieß es. Eine Rede in der Knesset wird der Bundespräsident nicht halten, anders als seine Vorgänger Horst Köhler und Johannes Rau oder auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dafür sei kein Platz im eng gesteckten Besuchsprogramm, das kurzfristig zum Staatsbesuch ausgebaut worden sei, ließ das Präsidialamt wissen. Auf dem Programm stehen Treffen mit Peres und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Außenminister Avigdor Lieberman und der Oppositionsführerin Shelly Yachimovich.

An diesem Dienstag wird Gauck mit seiner Partnerin Daniela Schadt die Gedenkstätte Yad Vaschem für die Opfer des Holocaust besuchen. Dort dürfen die beiden als erste deutsche Staatsgäste das Archiv besichtigen, dessen Anliegen es ist, den Opfern des Holocaust wieder einen Namen zu geben. Auch eine Kranzniederlegung am Grab von Theodor Herzl, dem Begründer des Zionismus, ist geplant. Außerdem will Gauck Schoah-Überlebende und einen ehemaligen Sportler der israelischen Olympia-Mannschaft treffen, die 1972 in München überfallen wurde.

Nicht nur die Vergangenheit, auch die Zukunft soll ihren Platz finden auf dieser Reise, bei der Joachim Gauck von Dieter Graumann, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland begleitet wird. Am Mittwoch stehen ein Laborbesuch und Treffen mit Wissenschaftlern des Weizmann-Instituts auf dem Programm. Am Nachmittag will Gauck dem Industriellen Stef Wertheimer das Bundesverdienstkreuz verleihen, der sich für die Aussöhnung zwischen Arabern und Juden einsetzt. Auch ein Mittagessen mit dem Schriftsteller und Friedensaktivisten David Grossman, der 2010 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten hat, ist geplant.

Am Donnerstag, am letzten Tag der Reise, trifft Gauck in Ramallah Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Regierungschef Salam Fajad. Anschließend wird er bei Nablus an der Einweihung einer Mädchenschule teilnehmen. Gauck unterstütze die Bemühungen für einen unabhängigen Palästinenserstaat, der auf dem Weg direkter Verhandlungen mit Israel entstehen soll, hieß es vor Beginn der Reise im Präsidialamt. Und dass ihm diese Reise besonders wichtig sei, wofür es „gewisse Anhaltspunkte in seiner Biografie“ gebe.

  1. #1 von Nächstenliebe am 29/05/2012 - 11:54

    Der Bundespräsident ist Israel sicher positiv gewogen. Aus dem Fenster lehnen wird er sich aber nicht und bei dem üblichen Zwei-Staaten-blabla bleiben.

    Israel hat sich richtigerweise von der Roadmap verabschiedet und braucht eigentlich Verbündete, welche feststellen, dass die Palis die Chance auf einen eigenen Staat verwirkt haben.
    Da traut sich aber niemand ran.

  2. #2 von Hans am 29/05/2012 - 12:30

    Die „Ausgewogenheit“ bei solchen Besuchen gehört nun einmal zum diplomatischen Ritual. Dem sollte man nicht allzu viel Beachtung schenken. Das wissen die Israelis auch ganz genau.

  3. #3 von Nächstenliebe am 29/05/2012 - 13:05

    Diese „Ausgewogenheit“ wahrt Gauck sicherlich und es wäre schon ein Erfolg, wenn er nicht auch noch auf Israels Siedlungspolitik herumreitet.

    Ausschlaggebend bleibt m.E., dass Israel ggü. den westlichen Meinungsmachern argumentativ mit dem Rücken zur Wand steht mit seiner Siedlungspolitik und der angeblich angestrebten Zwei-Staaten-Lösung.

    Die ziegenhütenden Palis haben die Zwei-Staaten-Lösung abgelehnt, weil sie alles haben wollen, aber nun soll natürlich Israel Schuld sein am fehlenden Fortschritt. Mit Hisbollah im Norden und Hamas im Süden käme eine dritte Front mittendrin den Arabern gerade recht.
    Verträge halten diese Wüstensöhne grundsätzlich nicht ein.

  4. #4 von indianerjones am 29/05/2012 - 13:35

    Was sind das nur für Menschen, die Hamas und Hisbollah immer und immer wieder zu verteidigen versuchen, Beide taugen nichts, fertig aus. 😈

  5. #5 von Martin Schrödl am 29/05/2012 - 15:57

    Man achte darauf, was Gauck wirklich im Einzelnen gesagt hat. In der Tagesschau vorhin klang das so nach „Zwei-Staaten-Lösung unter direkter Einbeziehung Aller“. Klingt natürlich ganz gut. Sowas war schon mal „beschlossen“. 1993! Damals waren wir jung und knusprig und glaubten an die Umsetzbarkeit, ich auch. Leider erwies sich in den Folgejahren das Ganze für wenig praktikabel, was nicht zuletzt auch daran lag, daß es die verschiedenen Pali-Interessengruppen für clever hielten, sich gegenseitig mit immer weitergehenden Forderungen zu übertrumpfen bzw. die Anhänger abzuluchsen. Dazu kam der unsägliche Rabinmord von 1995, damit starb auch die ursprüngliche Idee. 😦

  6. #6 von Stefan Wehmeier am 30/05/2012 - 07:41

    (NHC II,3,45) Der Glaube empfängt, die Liebe gibt. Niemand wird ohne den Glauben empfangen können. Niemand wird ohne Liebe geben können. Daher, damit wir nun empfangen, glauben wir. Damit wir lieben, geben wir. Denn wenn jemand nicht aus Liebe gibt, hat er keinen Nutzen von dem, was er gegeben hat.

    Dieses Gleichnis gibt Auskunft darüber, was im eigentlichen Sinn unter „christlich“ zu verstehen ist. Der Sinn wird verständlich, wenn man weiß, was hier „in Liebe gegeben“ und „im Glauben empfangen“ werden soll: zinslose (genauer: Urzins-freie) Kredite. Mit anderen Worten: heute gibt es keine Christen mehr! Im Gegenteil – nach urchristlichem Verständnis sind die heutigen „Christen“ die schlimmsten Heiden, die diese Welt je gesehen hat:

    (NHC II,3,4) Ein heidnischer Mensch pflegt nicht zu sterben, denn er hat gar nicht erst gelebt, so daß er sterben könnte. Wer zum Glauben an die Wahrheit gekommen ist, hat das Leben gefunden. Und dieser schwebt in Gefahr zu sterben, denn er ist lebendig.

    Die „heidnischen Menschen“ sind deshalb Heiden, weil sie gegeneinander leben und noch nicht wissen, wie sie als zivilisierte Kulturmenschen miteinander leben können. Ein „lebendiger Mensch“ ist jemand, der seinen Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit verdient und für diese Arbeit auch einen gerechten Lohn bekommt. Ein „toter Mensch“ ist dagegen jemand, der selbst nichts mehr leistet (außer seinen Besitz zu verwalten) und von der Arbeit anderer lebt. Heute würden wir ihn als „Kapitalist“ bezeichnen. Und die Kapitalrendite des Kapitalisten (nicht zu verwechseln mit dem Unternehmerlohn) ist jenes Geld, welches dem Arbeiter letztlich von seinem Lohn abgezogen wird. Deshalb leben die Heiden gegeneinander: Jeder Heide ist bestrebt auf Kosten anderer zu leben, damit andere nicht auf seine Kosten leben!

    Die Urchristen hatten Jesus immerhin schon soweit verstanden, dass der Zins (Geld- und Sachkapitalzins) zwangsläufig zu Massenarmut und Krieg führt, und so übten sie sich in der Kunst, sich gegenseitig zinslose Kredite auf freiwilliger Basis zu geben. Allein das ist praktische Nächstenliebe, allein dadurch erlangten die ersten Urchristen-Gemeinden einen entscheidenden wirtschaftlichen Vorteil gegenüber der sie umgebenden, ausbeuterischen Welt (das damalige Römische Reich), und allein deshalb wurden die Urchristen auch verfolgt. Wen interessiert es wirklich, wer an welche Götter glaubt oder nicht glaubt? Wenn aber viele Menschen damit beginnen, sich gegenseitig zinslose Kredite zu geben, dann ist das ein Angriff auf den Kapitalismus, der aus der Sicht der Reichen und Mächtigen (Zinsprofiteure) mit aller zur Verfügung stehenden Gewalt unterdrückt werden muss! Allerdings hatten die Urchristen Jesus noch nicht ganz verstanden, und deshalb mussten sie scheitern:

    http://www.deweles.de/willkommen/apokalypse.html

  7. #7 von Heimchen am Herd am 30/05/2012 - 20:01

    Gauck und der Kampf um Worte, der keiner sein soll

    Joachim Gauck relativiert seine Kritik an Angela Merkels Satz zu Israels Sicherheit. Für Freundschaft gibt es eben verschiedene Begriffe, ist nun die gemeinsame Haltung von Bundespräsident und Regierung. Von Daniel Friedrich Sturm

    Jerzy Montag kann die Aufregung um Gaucks Worte zu Angela Merkel nicht verstehen. Am Mittwochnachmittag betritt er den Nebeneingang des „King David“-Hotels in Jerusalem. Eben erst nahm der grüne Bundestagsabgeordnete am Mittagessen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu teil.

    Über eine Stunde länger als geplant speisten Gauck und Netanjahu samt ihrer Delegationen miteinander. Kritik an Gauck wurde hier nicht laut. „Joachim Gauck spricht mir aus dem Herzen“, sagt Jerzy Montag, „er hat eine verwegene Formulierung eines Kanzlerinnenwortes sinnvoll und hilfreich differenziert.“

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article106394229/Gauck-und-der-Kampf-um-Worte-der-keiner-sein-soll.html

  8. #8 von felixffm am 31/05/2012 - 09:23

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