Die Gesetzlosigkeit als Partei

Gastbeitrag von Dr Gudrun Eussner

Ulrich Clauß rechnet in WeltOnline ab mit dem Dilettantenstadl. Er spart schon im Anreißer nicht mit harschen Worten, Tiefpunkt, irrlichternd, konsumfixiert, gefährlich: „Und ihre Wähler sind so destruktiv wie die Partei selbst.“ Jeder Dritte im Lande kann sich vorstellen, die Partei zu wählen, im von Wowi heruntergewirtschafteten Berlin sitzt sie bereits im Abgeordnetenhaus. „Was will der Wähler eigentlich damit sagen?“ Ulrich Clauß vermutet zurecht eine „falsche Frage“, aber auch seine Frage, die er gar nicht erst stellt, sondern sie gleich in einer Antwort präsentiert, greift zu kurz: „Viele Wähler wollen vielleicht gar nichts mehr sagen, auch weil sie nichts zum Sagen haben.“ weiterlesen bei Gudrun Eussner

  1. #1 von Rationalist64 am 29/04/2012 - 12:33

    Ich denke, es wird von vielen Wählern der „Piraten“ erkannt, dass es sich dabei nur um eine unseriöse „Spaß“-Partei handelt. Gerade deshalb werden sie gewählt: Auf diese Weise wollen viele Wähler ihre Verachtung gegenüber dem Parteienstaat zum Ausdruck bringen und ihn der Lächerlichkeit preisgeben. Das System wird einfach nicht mehr ernstgenommen.

    „Seriös“ sind die anderen parlamentarisch vertetetenen Parteien im Übrigen auch nicht unbedingt.

    Und ob sich nun irgendein Parteibonze von CDU, SPD oder Grünen ins gemachte Bett legt (sprich: sich als Parlamentarier oder in öffentlichen Ämtern auf Kosten der Steuerzahler reich alimentieren lässt) oder ob das ein „Pirat“ ist – wen kümmert’s. Im Gegenteil, damit kann man die Funktionäre der Blockparteien am meisten ärgern, indem man die gut dotierten Posten an andere vergibt.

  2. #2 von Tomcat am 29/04/2012 - 13:03

    Ich wünsche mir, dass diese chaotischen Nerds 15% kriegen, damit sie dem rotzgrünen Gesox ordentlich schaden und wenigstens die Linkspartei aus dem NRW-Landtag fegt. Wenn die erst mal dort Platz genommen haben,wird sich schnell zeigen, was die in der Birne haben. Ich wette, die gehören mehrheitlich zur GENERATION DOOF und haben ein Geschichtsbewusstsein, dass mit dem Ende des HipHop anfängt

  3. #3 von gw am 29/04/2012 - 13:07

    „dass mit dem Ende des HipHop anfängt“

    Oh, ist es endlich vorbei? Ein Glück.

  4. #4 von Gudrun Eussner am 29/04/2012 - 14:44

    Mich hatte von Anfang an gestört, daß ein Bundeswahlausschuß den Parteinamen „Piraten“ akzeptiert. Zunächst sah es danach aus, wie Rationalist64 es schildert, aber inzwischen meine ich, die Partei ist von der CDU/CSU eigens gefördert worden, um die Protestwähler, die den Grünen und den Linken Stimmen bringen, von dort abzuziehen. Seit ein Regierungsdirektor, Besoldungsgruppe A15, aus dem Verteidigungsministerium (!) dort Ober-Pirat ist, ist mir das fast sicher.

    Was nicht für die Intelligenz der Grünen und Linken spricht, das ist, daß sie die „feindliche Übernahme“ durch die enternden Piraten nicht vorhergesehen haben. Die haben sich allen Ernstes eingebildet, die Mehrheit der Wähler kreuzten Grüne und Linke aus Überzeugung an.

    Wer den Cem Özdemir betrachtet, diese Inkarnation der Arroganz, oder Claudia Roth mit ihrem orangefarbenen Kopfschmuck, diese beiden Galionsfiguren des schlechten Geschmacks, der bekommt einen Eindruck davon, wie wenig die Grünen raffen, was ansteht. Sie sind mega-out.

    Die Linke wird allmählich austrocknen, sie ist ja selbst in Berlin nicht mehr in der Regierung, und Berlin ist doch wirklich gut für den letzten Schei$$ :mrgreen:

  5. #5 von Rationalist64 am 29/04/2012 - 15:34

    @ Gudrun Eusser

    Das eine schließt das andere nicht aus.

    Auch bei der Partei „Die Freiheit“ habe ich mich mehr als einmal gefragt, ob Stadtkewitz nicht in direktem Auftrag der CDU handelt(e), um den „Sarrazin-Hype“ totlaufen zu lassen. (So dielttantisch wie Stadtkewitz kann man eigentlich gar nicht sein, schon gar nicht, wenn man es vorher immerhin ins Berliner Abgeordnetenhaus gebracht hatte.)

    Es stimmt: Die „Piraten“ passen ideal ins Konzept der CDU. Sie spalten das linke Lager, nehmen Grünen und der „Linke“ Stimmen weg und sind hinterher auf Grund ihrer Inhaltsleere der ideale Mehrheitsbeschaffer für eine umarmende CDU.

    Ich sage auch nicht, dass ich eine Protestwahl der „Piraten“ gut finde. Es ist unreifes Verhalten, wie das eines kleinen Kindes, das in seinem Zimmer absichtlich Unordnung anrichtet, um seine Eltern zu ärgern.

    Politisch reif wäre demgegenüber die Bildung und Wahl einer (oder mehrerer) Partei(en), die die Interessen ihrer Mitglieder/ der Bürger vertritt und die bestehenden Machtstrukturen in Frage stellt.

  6. #6 von gw am 29/04/2012 - 15:45

    Aber kann man so etwas wie die Piraten einfach erfinden? Es muss doch zumindest ein breiter Trend dahin vorhanden sein? Die Piraten repräsentieren schon ein weit verbreitetes diffuses Lebensgefühl, sind also in diesem Sinne „modern“, was man von rechten Parteien in Deutschland eben nicht sagen kann. Im Gegensatz zu einigen Nachbarländern, soweit ich das überblicke. Vlaams Belang, FPÖ, EDL oder Le Pen sprechen in ihren Ländern offenbar auch jüngere Leute an, egal was man im einzelnen davon hält. In Deutschland sind PRO, aber vielmehr noch DF weit davon entfernt „kultig“ zu sein. Und übertragen lässt sich ein Modell eben nicht einfach von einem Land aufs andere, dazu ist Europa zum Glück immer noch zu vielfältig. Fällt mir besonders auf, wenn ich sehe, wie ein paar bebrillte Oberschüler mit eigener Homepage versuchen den wilden Mann zu spielen und als GDL das typisch englische working-class Auftreten der EDL nachzuäffen. Peinlich. Man muss schon was finden, was der eigenen Mentalität entspricht. Das haben Grüne und Piraten meisterhaft geschafft.

  7. #7 von Rationalist64 am 29/04/2012 - 16:19

    #6 gw

    Eine Partei bildet sich nicht nach Art eines Flashmobs von selbst; da muss es Leute geben, die das Ganze anleiern und organisieren, es sind finanzielle Mittel erforderlich.

    Die „Piraten“ können nicht mit Vlaams Belang, FPÖ, EDL oder Front national auf eine Stufe gestellt werden, gerdae weil sie völlig inhaltsleer und onhe geistig-theoretisches Fundament sind. Aber gerade ihre Inhaltsleere trifft eben den Zeitgeist, (bzw. das Lebensgefühl) gerade unter der Generation 20+. Indem man eine inhaltsleere Partei ins Leben ruft, zieht man nicht nur eine große Zahl junger Leute an (Stichwort „kultig“), sondern es hat zudem den Vorteil, für die CDU völlig ungefährlich zu sein.

  8. #8 von Tomcat am 29/04/2012 - 16:26

    Ich glaube, dass 95% der Deutschen noch nie etwas von Pro Dingens gehört oder gesehen haben.

  9. #9 von Siegfried am 29/04/2012 - 18:24

    #4 von Gudrun Eussner
    Die Linke wird allmählich austrocknen, sie ist ja selbst in Berlin nicht mehr in der Regierung, und Berlin ist doch wirklich gut für den letzten Schei$$

    „Frühlingsgrüße“ aus Berlin

    Im Tiergarten grillen ganze Horden vor dem Schloss Bellevue (Schöne Aussicht), dem Amtssitz des Bundespräsidenten

  10. #10 von Gudrun Eussner am 29/04/2012 - 18:43

    Ich meine auch, der allerangefangendste Anfang war nicht von der CDU, so schöpferisch kann diese verkrustete Formation gar nicht sein, aber sie hat die Chance erkannt und die Piraten ihrerseits geentert. Damit schlägt sie drei Fliegen mit einer Klappe, sie zieht Stimmen von Grünen und der Linken ab, und sie kanalisiert Protest, der sich in einer ihr gefährlichen Weise formieren könnte, eine Art intelligente „Freiheit“, außerdem treibt sie die Zahlen der Wahlbeteiligung hoch, da jede Menge Nichtwähler nun die Piraten wählen, weil das etwas Prickelndes hat.

    Und damit bin ich wieder beim Namen. Der hätte von vornherein nicht zugelassen werden dürfen. Was fällt staatlichen Behörden ein, Gesetzlosigkeit als Parteinamen zu akzeptieren! :mrgreen:

  11. #11 von Gutartiges Geschwulst am 29/04/2012 - 20:59

    Vielen Dank, für Ihren aufschlussreichen Artikel, Fr. Eussner!
    „Was fällt staatlichen Behörden ein, Gesetzlosigkeit als Parteinamen zu akzeptieren!“
    Was sollte den staatlichen Behörden noch einfallen, nachdem sie bereits ihre eigene Gesetzlosigkeit akzeptieren?