Dichtung und Wahrheit

Ein Gutes hat das vom Staatsfernsehen hofierte antisemitische Hassgedicht von Günther Grass doch: Endlich einmal kommen einige bösartige Unterstellungen gegen Israel auf den Prüfstand, die nicht nur im Kopf des senilen Dichters spuken, sondern bei vielen Deutschen. Die Financial Times Deutschland macht den Faktencheck. Ergebnis: Was im Dichter denkt, sind nichts als selbsterdichtete Unterstellungen, die mit der Realität nichts zu tun haben. Dichtung und Wahrheit im 21. Jahrhundert.

Die FTD berichtet:

„Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.“

Falsch. In dem Konflikt geben sich beide Seiten nicht gerade friedlich. Der Iran unterstützt die Israel-feindlichen Palästinensergruppen Hisbollah und Hamas mit Geld und Waffen. Und Israel steckt wohl hinter der Mordserie an iranischen Nuklearforschern und mit den USA hinter dem Computervirus, das die Zentrifugen in den Atomanlagen des Iran beschädigte.

„Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag, der das (…) iranische Volk auslöschen könnte“

Falsch. In Israel wird kein atomarer Erstschlag debattiert, sondern ein gezielter Luftangriff auf die atomaren Produktionsstätten des Iran, die fern von Wohngebieten liegen. Dazu würden bunkerbrechende Bomben eingesetzt, keine atomaren.

„Israels Spezialität“ sei, „allesvernichtende Sprengköpfe dorthin lenken zu können, wo die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen ist“

Falsch. Wenn der Iran bereits eine Atombombe hätte, würde kaum debattiert ihn anzugreifen, denn dann wäre das Risiko für Israel viel zu groß. Richtig ist, dass niemand mit 100-prozentiger Sicherheit sagen kann, ob der Iran gerade eine Atombombe baut oder wie weit er damit möglicherweise ist. Dies liegt daran, dass der Iran den Beobachtern der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) keinen freien Zugang ermöglicht. Die IAEA-Experten halten es für wahrscheinlich, dass der Iran eine Bombe bauen will. In ihrem letzten Bericht schrieben sie dieses Jahr, das Land bemühe sich, die Reinheit des von ihm produzierten Urans zu erhöhen. Nahezu reines Uran braucht man jedoch nicht für Atomstrom, sondern für Bomben. Eindeutig bewiesen sind die Absichten des Iran damit nicht.

„Das von einem Maulhelden unterjochte (…) iranische Volk“

Falsch. Grass spielt hier auf den populistischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad an. Doch das letzte Wort im Iran hat der oberste geistliche Führer, Ajatollah Ali Chamenei. Iran-Experten gehen davon aus, dass er auch die Entscheidungen über das iranische Atomprogramm trifft. Der Ajatollah herrscht seit 1989 und ist alles andere als ein politisches Leichtgewicht.

„Aus meinem Land soll ein weiteres U-Boot nach Israel geliefert werden, dessen Spezialität darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe dorthin lenken zu können“

Falsch. Israel hat bereits drei deutsche so genannte Dolphin-U-Boote und wird in den nächsten Jahren noch drei weitere bekommen. Die U-Boote können zu Spionagezwecken eingesetzt werden. Wichtiger ist jedoch, dass sie mit Kurzstreckenraketen ausgestattet sind, die auch atomare Sprengköpfe tragen können. Solche Waffen sind taktische: Sie sollen den Gegner abschrecken, indem sie Zweitschlagskapazitäten garantieren. Wirft der Iran eine Atombombe auf Israel ab, kann Israel mithilfe seiner U-Boote dem Iran noch immer Schaden zufügen. Dass Israel mit seinen U-Booten aus der Straße von Hormus am Persischen Golf einen Angriff ausführt, ist jedoch sehr unwahrscheinlich. Vom Meer aus dürften die iranischen Atomproduktionsstätten für Israel kaum zu erreichen sein.

„Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestands empfinde ich als belastende Lüge und Zwang (…) das Verdikt ‚Antisemitismus‘ ist geläufig“

Falsch. Die „Süddeutsche Zeitung“ hat Grass für seine ohne Kommentar veröffentlichte Meinung sogar Platz auf zwei Seiten eingeräumt. Von einer Zensur kann daher keine Rede sein. Zutreffend ist allerdings keine der sechs zentralen Thesen.

Das musste mal gesagt werden. Schließlich hatte Grass selber sich beschwert, niemand würde inhaltlich auf sein Gedicht eingehen.

  1. #1 von Gudrun Eussner am 06/04/2012 - 19:31

    Von wegen Faktenscheck! Der Sohn sagt, wie’s wirklich ist. Dem, der mit einem solchen Sohn geschlagen ist,dem gebührt mein Mitleid. :mrgreen:

  2. #2 von Meiner Meinung am 06/04/2012 - 19:39

    Broder hat recht … ES denkt in den Deutschen – und nicht nur dort! (Siehe Broders Artikel zur Endlösung der Israelfrage: http://meinermeinung.wordpress.com/2012/03/06/henryk-m-broder-die-endlosung-der-israel-frage/)

  3. #3 von Rationalist64 am 06/04/2012 - 19:57

    Mely Kiyak von der Frankfurter Rundschau hat sich jetzt auch des Themas angenommen:

    http://www.fr-online.de/israel-iran-konflikt/kommentar-zum-grass-gedicht-wieso-schuetzt-ihr-nicht-alle–,11950234,14690844.html

    Sie beschwert sich darüber, dass Thilo Sarrazin wegen seines Buches „Deutschland schafft sich ab“ nicht in gleicher Weise „einmütig“ von der deutschen Presse verurteilt worden sei wie jetzt Grass wegen seines „Gedichts“. Zu Grass‘ antisemitischen Äußerungen findet sie kein Wort der Kritik.

    Die Glosse von Mely darf in der FR übrigens kommentiert werden.

  4. #4 von rundertischdgf am 06/04/2012 - 20:21

    Das Problem ist, daß eben viele Deutschen nicht mehr wissen was ist richtig oder falsch, weil eben soviel manipuliert wird. Eine besonders abstoßende Geschichte war die Talkshow von Anne Will auf Mittwoch.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/04/06/karfreitag-anne-will-die-damlichen-deutschen-und-der-wissende-muslim/

  5. #5 von hans am 06/04/2012 - 21:18

    Hamasführer gibt zu: „Keine palästinensischen Wurzeln in Palästina“

    http://www.israelheute.com/Nachrichten/tabid/179/nid/24349/Default.aspx

  6. #6 von Zahal am 07/04/2012 - 01:42

    Hier noch besser beschrieben:

    Allah sei gepriesen, wir haben alle arabische Wurzeln und jeder Palästinenser, im Gazastreifen und überall in Palästina, kann seine arabischen Wurzeln beweisen – ob aus Saudi-Arabien oder dem Jemen oder sonst irgendwo her. Wir haben Blutbande. Wo ist also eure Zuneigung und eure Barmherzigkeit?
    […]
    Bei mir persönlich ist meine Familie zur Hälfte ägyptisch. Wir alle sind so. Mehr als 30 Familien im Gazatreifen werden Al-Masri [„agyptisch“] genannt. Brüder, die Hälfte der Palästinenser sind Ägypter und die andere Hälfte sind Saudis.

    Wer sind die Palästinenser? Wir haben viele Familien, die Al-Masri heißen, deren Wurzeln ägyptisch sind. Ägyptisch! Sie mögen aus Alexandria, aus Kairo, aus Dumetta, vom Norden, aus Assuan, aus Oberägypten. Wir sind Ägypter. Wir sind Araber. Wir sind Muslime. Wir sind Teil von euch.

    Allah Akhbar. Alles Lob an Allah. Allah Akbar. Wie könnt ihr weiter schweigen, oh Muslime, wenn das Volk des Gazastreifens stirbt? Ihr steht am Rand und seht zu, ohne sie mit dem Einfachsten zu versorgen, das ihr dem Westen für den günstigsten Preis überlasst.
    […]

    Aber sie sind es nur, weil sie billigen Sprit bekommen wollen.

    http://heplev.wordpress.com/2012/04/06/hamas-fuhrer-%e2%80%9edie-halfte-der-palastinenser-sind-agyptisch-die-andere-saudisch/

  7. #7 von Zahal am 07/04/2012 - 01:45

    Zitat: Die Süddeutsche hat übrigens, wie man mir just mitteilte und wie sich bei Memoryloops nachhören lässt, 1947 einen zur Vernichtung von überlebenden Juden aufrufenden Leserbrief eines “Adolf Bleibtreus” abgedruckt. Die Münchner Polizei schoß auf 750 demonstrierende Juden. So, so, also Triebtäter….

    http://nichtidentisches.wordpress.com/2012/04/04/werwolflyrik-und-ihre-profiteure/

    Der Fall Tomaten Günther ist gegessen, wo es jetzt darauf ankommt, wie die Deutschen weiter reagieren, in den Online Foren sieht es schlimm aus…..ganz schlimm….

  8. #8 von Zahal am 07/04/2012 - 01:48

    Deutschland darf dem fanatischen Islamismus keine freie Bahn lassen. Diese Nazi-Islamisten müssen wissen, dass sie gegen eine dicke Mauer rennen. Es geht nicht um die Verantwortung für die Vergangenheit, sondern um die Verantwortung für die Zukunft. Das ist das, worum ich mich heute bemühe, dass Deutschland sich beim Islamismus mit klarer Stimme zum »Gedenke!« bekennt. Die Neonazis sind dort auch eine Gefahr. Aber heute geht es hauptsächlich um Hitlers islamistische Erben. Wehe, wenn sich Deutschland, Großbritannien oder Frankreich aus Angst dem Hass der Islamisten beugen. Man darf ihnen gegenüber keine Angst zeigen, weil diese, so wie alle Nazis, Feiglinge sind. Sie werden sich nicht offen gegen den stellen, der stärker ist als sie. Auch deshalb muss Israel Stärke zeigen – das ist die Waffe gegen Islamisten.

    Meinen Sie, die Nazis waren Feiglinge?

    Ja. Gegenüber Alten, Kranken, Schwachen – da waren sie stark. Und das sehe ich auch heute wieder bei den fanatischen antisemitischen Islamisten: Sie sind stark gegen den, der Angst beweist. Man darf sich nicht beugen. Ich befürchte, dass man sich auch in Deutschland vor der Gewalt der Islamisten beugt. Das darf nicht sein. Merkt euch das…

    Matthias Küntzel http://jungle-world.com/artikel/2012/14/45183.html sogar in einer linken Ausgabe….

  9. #9 von Zahal am 07/04/2012 - 01:50

    Zitat: Interessant ist ab jetzt nicht mehr, was Grass gesagt hat, sondern nur noch, wie die Deutschen darauf reagieren.

    *Dr. Mathias Döpfner ist Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG

    Und die reagieren, vor allen in den Kommentarspalten aller Online Ausgaben zu diesem Thema…

    Quelle: http://www.bild.de/news/standards/bild-kommentar/der-braune-kern-der-zwiebel-23503740.bild.html

  10. #10 von abusheitan am 07/04/2012 - 08:48

    #7 von Zahal am 07/04/2012

    Mehr über die Bleibtreu-Affäre 1949 mit Download eines ausführlichen Artikels:

    http://www.suedwatch.de/blog/?p=8248

  11. #11 von Zahal am 08/04/2012 - 18:55

    Danke Abusheitan…..

  12. #12 von kolat am 09/04/2012 - 18:37

    „Dazu würden bunkerbrechende Bomben eingesetzt, keine atomaren.“

    Hmja. Soso. :mrgreen:

    Und es ist auch völlig auszuschließen, daß ein militärischer Angriff (!) mit bunkerbrechenden Bomben (!!) zu einer Nuklearkatastrophe im Iran führt. 😯

    Alles klar… 😉

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