Die psychologische Atomkatastrophe

Die Tatsache, dass beim Störfall im Kernkraftwerk von Fukushima, der durch durch einen Tsunami ausgelöst wurde, kein einziger Toter zu beklagen ist, passt so garnicht in die Propaganda der Anti-Atom-Lobby, die am liebsten tausende Opfer des Tsunami der Kernenergie anlasten möchte. Da hilft nur noch Psychologie. Im SPIEGEL berichtet ein Psychiater von den schweren psychischen Folgen für die bei der Reparatur beschäftigten Arbeiter. Bei genauem Hinsehen stellt sich aber heraus, dass diese in erster Linie an der Gehässigkeit einer auch in Japan hysterisch aufgehetzten Öffentlichkeit leiden.

Der SPIEGEL berichtet mit einem Interview eines offenbar äußerst „kapitalismuskritischem“ Arzt, der ohne Beauftragung durch die Firma die beteiligten Arbeiter betreut:

SPIEGEL ONLINE: Sie bekommen kein Geld für Ihre Arbeit?

Shigemura: Nicht von Tepco, aber das will ich auch gar nicht. Das würde meinem Ruf schaden. Ich möchte nicht in die Profitmühlen der Atomindustrie geraten, zumal die Gehälter der Arbeiter um 20 Prozent gekürzt wurden. Deshalb habe ich daraus ein Regierungsprojekt gemacht. Tepco hat bis heute keinen Psychiater gefunden, der meinem Team die Arbeit abnehmen möchte. Die meisten sind wohl besorgt um ihr Image und über die Strahlung. Außerdem gibt es generell zu wenige Psychiater in Japan. Nach dem Erdbeben von Kobe 1995 haben mehr Menschen verstanden, wie wichtig psychologische Betreuung ist. Doch viele Japaner glauben noch heute: Wer zum Psychiater geht, muss verrückt sein. Ich hoffe, dass sich das nach dieser Katastrophe weiter bessert.

SPIEGEL ONLINE: Machen Sie sich selbst keine Sorgen über die Radioaktivität?

Shigemura: Ich habe keine Angst, aber das heißt nicht, dass mir nicht etwas mulmig ist. Im Kraftwerk Fukushima Daiichi war ich noch nicht. Das Gesundheitszentrum für die Arbeiter ist auf dem Gelände von Daini, etwa zehn Kilometer entfernt. Die Strahlenwerte sind dort niedrig, aber meine Frau ist nicht sehr glücklich mit meiner neuen Arbeit. Sie hat mich anfangs vor die Wahl gestellt: „Ich oder das Kraftwerk“. Ich hoffe, dass sie inzwischen akzeptiert hat, dass ich gelegentlich dorthin fahre.
SPIEGEL ONLINE: Was haben die Arbeiter in Fukushima in den vergangenen Monaten durchgemacht?

Shigemura: Sie dachten, dass sie sterben würden, als die Reaktoren im März explodierten. Trotzdem mussten sie weiterarbeiten, um ihr Land zu retten. Viele kommen aus der Gegend um das Kraftwerk, ihre Häuser hat der Tsunami weggewaschen, ihre Familien mussten fliehen. Die Arbeiter haben ihr Zuhause verloren, ihre Lieben sind weit weg, sie fürchten sich vor der Radioaktivität. Und dazu kommt, dass die Öffentlichkeit ihnen Vorwürfe macht, weil sie für Tepco arbeiten. Viele denken, dass Tepco für die Katastrophe verantwortlich ist. In Japan wurden die Arbeiter nicht als Helden betrachtet wie in Europa. Einmal hat jemand frisches Gemüse für die Arbeiter gespendet, weil Tepco anfangs nicht in der Lage war, frische Produkte in die Sperrzone zu bringen. Doch die Gaben kamen anonym, weil der Spender nicht dabei ertappt werden wollte, dass er Tepco-Arbeitern hilft.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es den Arbeitern heute?

Shigemura: Es ist unglaublich, wie sehr sie traumatisiert sind. Ich habe zwei bis drei Monate nach dem Erdbeben eine Umfrage unter 1800 Tepco-Arbeitern in den Kraftwerken Daiichi und Daini geleitet. Wenn eine Katastrophe wie der Tsunami eine Gemeinde trifft, sind etwa 1 bis 5 Prozent der Bevölkerung nachhaltig traumatisiert. Unter Polizisten, Feuerwehrmännern und anderen Katastrophenhelfern sind es in der Regel 10 bis 20 Prozent. Bei den Tepco-Arbeitern ist diese Quote viel höher.

  1. #1 von mike hammer am 29/02/2012 - 11:34

    aktivisten wohin man nur schaut, die leute haben zu wenig zum schaffen.