Undank

Wir arbeiten, um mit unseren Steuern die Schulden Griechenlands zu bezahlen. Trotzdem ist es momentan keine gute Idee, in den Ferien sein Geld einmal besuchen zu wollen. Deutschland ist bei den Griechen zur Zeit sehr unbeliebt. Was in hiesigen Berichten nicht erwähnt wird: Hier wie dort sind es schmierige Journalisten, die die Krise nutzen, um ihre Leser aufzuhetzen. Ihr Erfolg zeigt nur, wie fatal sich die Macht der Medien auswirkt.

Der Kölner Stadtanzeiger berichtet:

Es ist ein düsteres, bedrückendes Bild von Deutschland und den Deutschen, das die Meinungsumfrage des Wochenmagazins „Epikaira“ zeichnet. Jeder dritte Befragte assoziiert mit Deutschland spontan Begriffe wie „Hitler, Nazis, Drittes Reich“. Positive Reaktionen weckt das Wort Deutschland nur bei wenigen Griechen: ein Prozent denkt bei Deutschland an „Fleiß“, 0,5 Prozent fallen „deutsche Autos“ ein.

Dass Deutschland und die Deutschen in Griechenland schlecht wegkommen, ist nicht neu. Viele Griechen glauben, dass es vor allem die deutsche Regierung ist, die ihnen das harte Sparprogramm, Rentenkürzungen und Lohnverzicht aufbürdet. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in Griechenland die mit Abstand unbeliebteste ausländische Politikerin: 81 Prozent haben eine negative Meinung von ihr. Ein häufig gehörter Vorwurf: Merkel habe anfangs aus innenpolitischem Kalkül mit Hilfe für die Griechen zu lange gezögert und damit die Krise verschärft, um nun das Land mit immer härteren Sparauflagen ins Elend zu treiben. Griechische Karikaturisten zeichnen die Kanzlerin gern in einer SS-Uniform, als blutsaugenden Vampir oder als Zirkusdompteuse, die mit geschwungener Peitsche griechische Rentner zum Sprung durch einen brennenden Reifen antreibt.

Vor sechs Jahren bezeichneten noch 78 Prozent der Griechen Deutschland als „besonders sympathisch“. Nun empfinden vier von zehn Griechen „Zorn“, „Wut“ und „Empörung“, wenn sie an Deutschland denken. Acht von zehn Griechen sehen Deutschlands Rolle in Europa „negativ“. Deutschland versuche mit seiner Finanzkraft Europa zu dominieren, sagen 81 Prozent der Befragten. 77 Prozent sagen, Deutschland arbeite auf die Errichtung eines „Vierten Reichs“ hin.

Die Zeitschrift „Epikaira“ bringt auch das in Griechenland immer wieder diskutierte Thema deutscher Reparationen neu auf die Tagesordnung. Das Magazin beziffert die Schadenersatzansprüche Griechenlands für die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg auf 162 Milliarden Euro. Das wäre fast die Hälfte der Staatsschulden. Auch hierzu wurde nachgefragt. Das Ergebnis: 87 Prozent meinen, Griechenland solle „mit allen Mitteln“ Reparationen von Deutschland eintreiben.

Da kann man glatt zweifeln, ob die EU und der Euro tatsächlich den versprochenen ewigen Frieden in Europa noch garantieren können…

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