U-Haft wiederentdeckt

Geht doch! Wie oft mussten wir hier schon kritisieren, dass Straftäter nach üblen Körperverletzungen direkt wieder auf freiem Fuß sind, während die Opfer noch im Krankenhaus liegen. Immer wieder hört man dann, dass U-Haft nur in ganz besonderen Ausnahmefällen verhängt werden kann und schon das Vorhandensein einer festen Wohnung dem meist entgegensteht. Selbst bei Kriminellen mit hunderten Vorstrafen, Bewährung und der Gefahr, Opfer und Zeugen zu bedrohen. Eine dieser Ausnahmen liegt offenbar bei einem aktuellen Fall in Dortmund vor. Sie besteht darin, dass der Täter ein deutscher Rechtsradikaler und die Opfer Türken sind.

Der WESTEN berichtet:

Die jungen Männer mit türkischen Wurzeln seien gegen 22.30 Uhr in der Nähe der Reinoldikirche auf die Gruppe der Männer getroffen, die aufgrund ihrer Kleidung offensichtlich der Neonazi-Szene zuzuordnen waren, berichtete die Polizei. Die Rechten hätten die Jugendlichen angegriffen, sollen sie sogar noch dann mit Tritten und Schlägen traktiert haben, als diese schon am Boden lagen. Es gehe den beiden Opfern „den Umständen entsprechend“, sagt die ermittelnde Oberstaatsanwältin Ina Holznagel am Montagmorgen. Sie hätten ambulant im Krankenhaus behandelt werden müssen und „erhebliche Blessuren“ davongetragen.

Die meisten Angreifer konnten nach der Tat unerkannt flüchten – einen aber stellte das Sicherheitspersonal des Weihnachtsmarktes und übergab ihn der Polizei. Oberstaatsanwältin Holznagel bestätigte im Gespräch mit DerWesten, dass es sich bei dem 24-Jährigen um Sven K. handelt. Am Sonntag erging Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung gegen ihn.

Sven K. war im November 2005 vom Landgericht Dortmund wegen Totschlags zu sieben Jahren Jugendstrafe verurteilt worden – er war damals gerade 18 Jahre alt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass K. am Ostermontag desselben Jahres, dem 28. März, den Punker „Schmuddel“ in einer U-Bahn-Station erstochen hatte. Im September 2010 wurde K. vorzeitig aus der Haft entlassen. Von der rechten Szene hat er sich in der Zwischenzeit offensichtlich nicht gelöst – noch immer pflegt der 24-Jährige Kontakte zu einschlägigen „Kameradschaften“. Im Dezember 2010 soll K. an einem Überfall auf die linke Szenekneipe „Hirsch-Q“ im Dortmunder Brückviertel beteiligt gewesen sein.

Wir gratulieren der Justiz zur Wiederentdeckung der guten alten U-Haft und vertrauen darauf, dass diese im Sinne der blinden Justitia ohne Ansehen der Person zukünftig auch in ähnlich gelagerten Fällen anderer Personenkonstellation angewendet wird.

  1. #1 von Kulturopfer am 28/11/2011 - 15:11

    U-Haft bei anderen Personenkonstellationen? Das ist doch Rassismus!

  2. #2 von mike hammer am 28/11/2011 - 16:25

    u-haft ist gut, mal sehen ob´s für alle gilt.