Der Untertan

Der deutsche Untertanengeist, wie ihn Heinrich Mann in seinem unsterblichen Roman so treffend geschildert hat, lebt wie nie zuvor. Heute ist es das Dhimmitum, das den Drang deutscher Intellektueller zur Selbsterniedrigung befriedigt. An die Stelle der kaiserlichen Hoheit, die einst das Erhabene gegenüber der eigenen Unvollkommenheit repräsentierte, tritt der edle Wilde, der Mohammedaner, der uns mit seiner Anwesenheit beehrt und uns der Minderwertigkeit der eigenen Kultur hat gewahr werden lassen. QQ-Leser Rationalist machte bereits gestern auf einen grotesken Fall von Realsatire in der für abstoßendes Kriechertum besonders anfälligen Frankfurter Rundschau aufmerksam, der eine besondere Hervorhebung verdient. Besonders durch die Replik einer türkischen Kollegin erleben wir eine intellektuelle Sadomaso-Show wie zu besten Zeiten von Al Andalus.

In einem Leitartikel der Frankfurter Rundschau wendet sich Arno Widmann an die neuen Herrenmenschen, die als die besseren Menschen zu uns kamen:

Liebe Türken

Sie bringen ihre Schönheit in unser Land. Eine Schönheit, von der wir lange nur träumten. Auch sie sind Deutschland. Ein Traum ist wahr geworden.

Danke schön! Als die DDR die Mauer baute, suchte die BRD nach Arbeitskräften. Ihr kamt. Ihr habt unseren Boom gerettet. Ihr habt dafür gesorgt, dass die Kohlen gefördert wurden, dass die Hochöfen rauchten und nebenbei habt Ihr, als die Tante Emma Läden eingingen, dafür gesorgt, dass das Kleingewerbe in unseren Städten nicht ausstarb.

Für den Wohlstand Deutschlands und der Deutschen habt ihr mehr getan als alle Bundesbanker zusammen – eingeschlossen jenen einen, der findet, dass Ihr nicht genug getan habt und tut. Der Reichtum, von dem herab manche Euch jetzt beschimpfen, ist zu einem Gutteil Euer Werk. Meine Rente zahlt auch ihr. Unsere Versicherungssysteme wären längst zusammengebrochen ohne Euch und ohne Eure Kollegen aus anderen Ländern. Die Deutschen allein wären längst bankrott. Auf jeden Fall aber ausgestorben.

Wir vergessen gerne, dass die großen Streiks der Bundesrepublik ohne Euch nicht möglich gewesen wären. Die wilden Streiks, die den gar zu oft gar zu angepassten Gewerkschaften Beine machten ebenso wie die hochoffiziellen wie jene zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche.

Deutschlands langer Weg nach Westen, die langsame Wandlung eines paternalistischen Obrigkeitsstaates in eine moderne Demokratie – ohne Euch hätten wir das alles nicht geschafft. Auch dafür: Danke schön!

Wir tun heute gerne so, als wäret Ihr Hindernisse auf unserem Weg. Das ist Blödsinn. Schon darum, weil längst nicht mehr klar ist, wer dieses Ihr und wer dieses Wir sein soll. Wir fangen gerade erst an zu begreifen, dass wir alle zusammen das Wir sind. Der einzig vernünftige Weg, den wir gehen können, ist ein gemeinsamer Weg, einer, den wir – miteinander streitend und kämpfend – aber eben doch zusammen gehen.

Danke der Ingeborg Bachmann Preisträgerin Emine Sevgi Özdamar, die unsere Fantasie unter anderem mit „Das Leben ist eine Karawanserei, hat zwei Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus“ beflügelt. Danke, Feridun Zaimoglu! Du hast uns erst „Kanak-Sprak“ beigebracht und hauchst jetzt dem deutschen Bildungsroman neues Leben ein. Danke, Shermin Langhoff! Dein Berliner Ballhaus Naunynstraße erinnert einen immer wieder daran, was Theater alles kann, wenn es kann. Danke, Fatih Akin! Danke für „Gegen die Wand“, für „Crossing The Bridge – The Sound of Istanbul“.

Liebe Türken, ich könnte hier noch viele Namen von Menschen aus der Türkei nennen, ohne die die deutsche Kultur ärmer und dümmer wäre. Es gibt türkische Sozialarbeiter, die sich um Alte und Jugendliche kümmern. Sie tun mehr für die Integration dieser Gesellschaft als wir Journalisten. Es gibt Ärzte und Unternehmer. Sie alle helfen bei dem niemals enden wollenden Wettbewerb „Unser Land soll schöner werden“.

Womit wir beim Wichtigsten wären. Als kleiner Junge träumte ich – wie viele meiner Freunde – von schwarzgelockten, morgenländischen Prinzessinnen. Meine blassen, blonden Klassenkameradinnen konnten mit den tiefbraunen Augen, den dichten, wilden Haaren, den Lippen, den zierlichen Taillen der Frauen meiner Fantasie nicht mithalten. Jetzt leben diese Prinzessinnen unter uns. Sie bringen ihre Schönheit in unser Land. Eine Schönheit, von der wir lange nur träumten. Auch sie sind Deutschland. Ein Traum ist wahr geworden.

Ihr Arno Widmann

Aus dem finsteren Al Andalus ist überliefert, dass Dhimmis, nachdem sie die Sondersteuer bei den mohammedanischen Herren entrichtet hatten, in den Nacken geschlagen wurden. Damit sollten sie an ihre untergeordnete Stellung erinnert werden, und daran, dass die Erfüllung ihrer Dhimmipflichten sie keinesfalls zu eigenen Forderungen berechtigt. Ganz in diesem Geiste gibt es für Widmann eine saftige Replik der türkischen Kollegin Mely Kiyak:

Liebe Deutsche!

Ich gebe nichts auf Integration. Niemand soll sich integrieren. Ich integrier mich auch nicht. Ich denke gar nicht dran.

Wenn ich so anfange, muss ich natürlich erklären, wen ich damit meine. Das ist in Deutschland so. Dass man die größten Selbstverständlichkeiten erklären muss. Mit „den Deutschen“ sind natürlich die gemeint, die von sich meinen, dass sie Deutsche sind. Das muss jeder für sich entscheiden. Es gibt keine „deutsche Jury“ die wie bei einer Casting Show entscheidet: Du rein, Du raus.

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Abkommen zur Anwerbung türkischer Gastarbeiter hat es hier und da einige Sonderseiten in Zeitungen gegeben. Ich wundere mich grundsätzlich, warum es ein dringendes Bedürfnis nach Berichterstattung über Deutsch-Türken gibt, aber nicht jede Redaktion zum Zerbersten voll mit Kindern nicht nur türkischer, sondern aller Einwanderer ist? Journalisten schreiben Artikel darüber, ob in „Türken“ menschliches Leben ist. Wären ein paar „Türken“ in der Redaktion, könnten sie mal anfassen und nachprüfen. Zum „Über-Türken-Urteilen“ klappern stattdessen halbtalentierte Schreiber irgendwelche Türkenalleen ab und berichten, ob die Affen schon in der Zivilisation angekommen sind.

He, ihr halbtalentierten Arschlöcher, ich bin ein solcher Affe und ja, ich kann schon mit Messer und Gabel essen.

In der Wochenzeitung Zeit regte sich Feridun Zaimoglu wahnsinnig darüber auf, dass sich manche nicht trauen, zu sagen: „Ich mag keine Türken“. Stattdessen Statistikschrott und abgestelztes Pseudo-Bescheidwissen auf allen Kanälen. Er versteht nicht, dass es so schwer fällt, türkischen und anderen Gastarbeitern mit Respekt zu begegnen, schließlich seien sie nicht zum „Daumen lutschen“ gekommen. Die nicht Achtung haben, sollen sich, Achtung Zitat, „ins Knie ficken.“ Ich würde solche Beschimpfungen nie in dieser Form aussprechen. Ich würde immer ergänzen: Vergesst nicht, in die anderen Gelenke mit rein zu stecken!

Die abfällige Arroganz mit der sich Kollegen auf das sogenannte Türkenthema stürzen und einer ganzen Generation ihre Fieberthermometer hinten rein stecken, um den, ich muss mich fast übergeben, wenn ich das Wort aufschreibe: „Integrationsgrad“ zu messen, ist zum Gehirnherpes bekommen. Ich gebe nichts auf Integration. Niemand soll sich integrieren. Ich integrier mich auch nicht. Ich denke gar nicht dran.

Wenn sich jemand integrieren soll, dann jene Deutsche, die ernsthaft glauben, dass man in bestimmte Viertel des Landes gehen könne, um entsetzt festzustellen: hier sind ja nur Türken! Es gibt eben Viertel, da wohnen Menschen, die dunkle Haare haben. Das sind aber nicht Türken. Das sind Deutsche mit dunklen Haaren. Ich selber wohne in einem Viertel, in dem fast nur Ossis wohnen, wie mancher sagen würde. Es gibt keine Ossis. Das sind Deutsche, die wie ehemalige Ossis reden und sich so kleiden. Diese Deutschen müssen ja auch irgendwo wohnen! Freiwillig will ja auch keiner von denen wegziehen, zum Beispiel dahin, wo die mit den dunklen Haaren wohnen. Müssen sie ja auch nicht. Es ist wie im Swinger Club, jeder soll wie er will! Ich bin schon eine Kulturstufe weiter. Ich mache es mir selbst. Beziehungsweise mit meinem Kollegen Arno Widmann.

Gemeinsam haben wir eine Beilage zum Thema „türkische Gastarbeiter“ gemacht. Über die Arbeit fing er an einen dunklen Schnurrbart zu bekommen – weiß der Himmel warum – schauen Sie selbst!
Ihre Mely Kiyak

Erst zum jüdischen Feiertag Jom Kippur hatte Kiyak ebenfalls in der Frankfurter Rundschau die deutschen Untertanen an ihre besondere historische Verantwortung und Schuld erinnert:

Manchmal höre ich den Satz: „Deutschland hat dem Staat Israel gegenüber eine besondere Verantwortung.“ Die Verantwortung entspringt der Schuld. Dieser Satz wird immer im Kontext des Nahostkonfliktes gesprochen. Warum aber trägt „Deutschland“ nicht gerade aus diesem Kontext heraus eine besondere Verantwortung für die Palästinenser? Wer trägt Verantwortung für die Menschen im Gazastreifen und im Westjordanland?

Da weiß man Bescheid, wohin die Reise geht.

Spürnase: Rationalist

  1. #1 von Sunny am 29/10/2011 - 13:26

    Das Ganze ist so haarsträubend widerlich. Ich kenne mich in diesem Land echt nimmer aus.
    Die Schwäbische, die ich heute morgen ausgetragen hab, ist auch so schleimig gewesen, dass ich sie kaum anfassen wollte.

  2. #2 von WahrerSozialDemokrat am 29/10/2011 - 13:29

    Danke für den versaauten Tag!

  3. #3 von schwebchen am 29/10/2011 - 13:32

    Ich hoffe, immer mehr Menschen bekommen mit, dass die geistige Elite dieses Landes rechts, konservativ und patriotisch ist. (Ich meine nicht die Nazis, das sind Ewiggestrige, die einer als böse entlarvten Ideologie hinterherhecheln). Da gibt es noch eigene Gedanken, sorgfältige Analysen und logische Schlüsse, die daraus gezogen werden – und den Mut, das eigene Wohlergehen der Wahrheit zu opfern.

  4. #4 von Heimchen am Herd am 29/10/2011 - 14:38

    Ich mache mir ernsthaft Sorgen, um den Geisteszustand von Arno Widmann!
    Hat der Kerl noch alle Tassen im Schrank? Der kann nur verrückt sein, anders kann
    ich mir seinen „geistigen Erguss“ nicht erklären.
    Pfui Teufel nochmal, Deutschland und seine Arschkriecher!

  5. #5 von Henns Jones am 29/10/2011 - 15:44

    Widerlich!!! Beide!!! Typisch-unwissender Schleimspur-Rotz von ihm, typisch-aufbrausender Türken-Rotz von ihr.
    Herr Widmann, Ihnen ist nicht mehr zu helfen, außer vielleicht, ab nach Osmanien, aber bitte ins Hinterland. Von da lässt es sich auch gut schreiben!
    Frau Kiyak, Sie ärgern sich über das fortwährende „Türkenthema“: DANN HALTET ENDLICH EUREN RAND MIT EUREN DÄMLICHEN ISLAM-FORDERUNGEN UND DEM STÄNDIGEN BELEIDIGTSEIN, LEGT EIN ANGEPASSTES, ZIVILISIERTES, RESPEKTVOLLES VERHALTEN ALLEN GEGENÜBER AN DEN TAG UND VOR ALLEM FANGT AN, EURE GEHIRNE ENDLICH SELBSTKRITISCH EINZUSETZEN!! Ihr mahometanischen Gefolgsleute seid wirklich anstrengend!!

  6. #6 von Jean Valjean am 29/10/2011 - 16:22

    Wenn das alles keine Satire ist, wird mir übel, angst und bange – und ich fürchte, das ist keine Satire!!

    Und: volle Zustimmung zu # 3 Schwebchen!!

  7. #7 von Bob Gardener am 29/10/2011 - 16:23

    „Deutschland hat dem Staat Israel gegenüber eine besondere Verantwortung.“

    Stimmt genau, weil Israel das letzte Bollwerk ist, welches Europa gegen die Mohammedaner verteidigt.

    Fällt Israel – Fällt Europa

  8. #8 von Jaette am 29/10/2011 - 18:03

    #2 von WahrerSozialDemokrat am 29/10/2011 – 13:29

    Danke für den versaauten Tag!

    Das muss man aushalten! :mrgreen:

    #4 von Heimchen am Herd

    Ich mache mir ernsthaft Sorgen, um den Geisteszustand von Arno Widmann!

    Weshalb, der Mensch liegt doch voll im Trend! Blöd ist geil, oder wie hieß der Spruch beim Discounter für chinesischen Elektronikschrott?

    Jetzt leben diese Prinzessinnen unter uns. Sie bringen ihre Schönheit in unser Land. Eine Schönheit, von der wir lange nur träumten. Auch sie sind Deutschland. Ein Traum ist wahr geworden.

    Ja, ein Traum ist wahr geworden, der spätestens dann schmerzhaft endet, wenn die dazugehörigen Prinzen in Aktion treten. Und treten können die bekanntlich recht gut. Hoffentlich, natürlich sanft und ohne physische Schäden, auch einmal gegen den Kopf von Widmann, damit diese geistige Irrlicht aus seinem feuchten Traum, wo es ihm die Kekilli wohl wieder und wieder besorgt, aufwacht. Womit sich der Bogen zu Kiyaks Swingerclub schließt… Sie sollte dort putzen! Ihre Gossensprache prädestiniert dieses Wesen geradezu dafür!

  9. #9 von zweitesselbst am 29/10/2011 - 20:00

    naya, ich sach mal, Arschlöcher gibts überall und diese Erfahrung ist auch nicht abhängig von einer wie auch immer gearteten Herkunft.

    Weder die Juden noch die Türken oder was weiß ich wer, sind perse falsch, böse unwert.

    Allerdings läßt sich in solche Schubladen viel reinpacken, was da eigentlich gar nicht reingehört.

    re