BBC streicht „vor“ und „nach Christus“

Die BBC streicht die Termini „vor“ und „nach Christus“ aus ihrem Sprachgebrauch, um Nicht-Christen nur ja nicht zu beleidigen, wie der „Telegraph“ meldet. Welche werden da wohl gemeint sein? Wohl kaum Atheisten, Juden, Hindus oder Buddhisten. Denen war das nämlich bisher auch egal. Ob wohl der Islam gemeint ist, und das Ganze eine vorauseilende Verbeugung vor der islamischen Masseneinwanderung ist?

Der „Telegraph“ berichtet:

The BBC has been accused of bowing to political correctness after it emerged that it was discouraging the use of the terms BC and AD for fear of offending non-Christians.

Vorschlag zur Güte: Wir nehmen erstmal den religionsneutralen Mayakalender (Foto). Nachteil: Der endet am 21.12.2012. Was machen wir danach? Vielleicht sollte die Zeit mit der Geburt des „Propheten“ beginnen…

(Spürnase: Kindl)

  1. #1 von quotenschreiber am 26/09/2011 - 14:12

    Hier kann man vor wie nach kommentieren.

  2. #2 von Dobby am 26/09/2011 - 15:23

    Wenn man keine Probleme hat, macht man welche.

  3. #3 von Publius am 26/09/2011 - 15:28

    „Welche werden da wohl gemeint sein? Wohl kaum Atheisten, Juden, Hindus oder Buddhisten.“ Wer Spaß an der Auswertung sinnloser Netzdiskussionen hat, kann bei der Wikipedia auf den Projektseiten gerne nachlesen, dass es zumindest auch Atheisten und Juden gibt, die sich daran stören. Muslime sind mir dagegen noch nicht untergekommen. Das könnte aber auch daran liegen, dass mir überhaupt noch nie ein (offen) muslimischer WP-Mitarbeiter untergekommen ist, der auch ernsthafte Artikelarbeit leistet.

  4. #4 von pferdchenimstall am 26/09/2011 - 19:07

    @ #3 von Publius am 26/09/2011 – 15:28 :

    „…Juden gibt, die sich daran stören.“

    Ich weiß nicht, ob ich mich an der Christusrechnerei wirklich stören soll. Der war doch auch Jude.

  5. #5 von pferdchenimstall am 26/09/2011 - 19:51

    Man könnte natürlich als Zugeständnis an die Atheisten auch das Geburtsjahr des modernen Atheismus als neuen Fixpunkt wählen. Wann war das nochmal? Wohlgemerkt „des modernen Atheismus“!

    Kommt mir jetzt nicht mit Kenntnissen über atheistische Strömungen in der Antike.

  6. #6 von Jaette am 26/09/2011 - 20:38

    BTW: Heute ist 27 Elul, 5771 und in zwei Tagen ist Rosh Hashanah… :mrgreen:

  7. #7 von Rationalist64 am 26/09/2011 - 20:43

    Als Rationalist bin ich für einen rationalen Bezugspunkt der Jahreszählung des amtlichen Kalenders. Das kann man vom gegenwärtig in Gebrauch befindlichen Kalender (vor/nach Chr. Geburt) nicht behaupten. Dies beginnt schon damit, dass Jesu Geburtsdatum falsch berechnet wurde. Tatsächlich soll Jesus im Jahr 7 v.Chr. (Geburt) geboren worden sein – also sieben Jahre vor seiner „Geburt“ nach kalendermäßiger Zählung. Man kann also sagen, dass der Beginn der Jahreszählung willkürlich ist bzw. an ein fiktives Ereignis anknüpft. Abgesehen davon, gibt es keinen rationalen Grund, warum sich die Jahreszählung des amtlichen Kalenders auf das (falsch berechnete) Geburtsdatum eines in der Antike lebenden Wanderpredigers bezieht , der glaubte, dass das „Reich Gottes“ auf Erden noch zu seinen Lebzeiten anbrechen werde, dessen Anbruch zumindest unmittelbar bevorstehe. (Der theoretische Begründer der heute als Christentum bekannten Religion war nicht „Jesus“, sondern Scha’ul aus Tarsos, der im Neuen Testament der Bibel als „Apostel Paulus“ bekannt ist.).

    Der maßgebliche Bezugspunkt der „westlichen“ (i.e. säkularisierten und in der Tradition der Aufklärung stehenden) Gesellschaften und Staaten sind demgegenüber die sog. „bürgerlichen“ Revolutionen, in Sonderheit die amerikanische und die französische Revolution. Konsequent wäre daher die Wieder-Einführung des französischen Revolutionskalenders.

    In diesem Sinne:
    Rationalist 64,
    le 4 Vendemiaire a l’an CCXVIII de la Republique Francaise.

  8. #8 von gw am 26/09/2011 - 21:22

    Der 1582 durch päpstliche Bulle eingeführte gregorianische Kalender, dem sich als letztes Land der Erde 1949 China angeschlossen hat, hat gegenüber anderen, z.B. dem mohammedanischen Mondkalender, den Vorteil zu funktionieren. So ist Weihnachten z.B. immer im Winter und hüpft nicht wie der Ramadan ziellos im Jahr umher. Als Ehrung dieser Großleistung der katholischen Kirche, die offenbar schon vor der Aufklärung in wichtigen Fragen Glaube und Vernunft zusammen führte, ist es angemessen, den an sich irrelevanten Nullpunkt der Zeitrechnung auf ein besonderes christliches Datum zu legen. Damit der Erfinder nicht in Vergessenheit gerät und uns womöglich die Türken demnächst erzählen, sie hätten den Kalender erfunden. So wie der Entdecker eines Planeten ja auch das Vorrecht hat, diesem einen Namen zu geben.

  9. #9 von Rationalist64 am 26/09/2011 - 22:51

    #8 von gw am 26/09/2011 – 21:22

    Das sog. „Sonnenjahr“ mit 12 Monaten und 365 Tagen sowie einem „Schalttag“ alle vier Jahr wurde bereits im Jahr 45 v.u.Z. von Julius Caesar eingeführt („julianischer Kalender“). Die gregorianische Kalenderreform bestand lediglich darin, dass auf den 04.10.1582 direkt der 15.10.1582 folgte, und dass ein volles Jahrhundert-Jahr (1700, 1800, 1900 etc.) nur dann Schaltjahr ist, wenn es durch 400 teilbar ist. Da Julius Caesar mithin das Sonnenjahr in Europa einführte, müsste nach „dem Vorrecht des Entdeckers“ das „Nulljahr“ konsequenter Weise das Geburtsjahr von Julius Caesar sein….

  10. #10 von Aaron DeWinter am 26/09/2011 - 22:57

    Wurde Jesus im Jahre 0 oder im Jahre 1 geboren?

  11. #11 von Rationalist64 am 26/09/2011 - 23:32

    #10 von Aaron DeWinter am 26/09/2011 – 22:57

    „Wurde Jesus im Jahre 0 oder im Jahre 1 geboren?“

    Weder noch.

    Im Einzelnen ist es umstritten, in welchem Jahr Jesus geboren wurde, aber einig ist man sich, dass Jesus weder im Jahr 0 noch im Jahr 1 geboren wurde. Die Schätzungen der Wissenschaftler schwanken zwischen dem Jahr 2/3 v.u.Z. und 7 v.u,.Z.:

    http://www.jesus.ch/information/feiertage/weihnachten/magazin/history_special/126218-das_geburtsjahr_jesu_bibel_und_historische_hinweise_stimmen_ueberein.html

    Für das Jahr 7 v.uZ. spricht, dass im Römischen Reich Volkszählungen im Jahr 8 v.u.Z. und die nächste im Jahr 6 n.u.Z. stattfanden, und Quirinius im Jahr 8 v.u.Z. Statthalter („Landpfleger“) von Syrien war. Zu diesem Zeitpunkt war Maria nach der Bibel mit Jesus schwanger.

  12. #12 von Aaron DeWinter am 26/09/2011 - 23:57

    „Die Schätzungen der Wissenschaftler schwanken zwischen dem Jahr 2/3 v.u.Z. und 7 v.u,.Z.:“

    Schon klar. Das wird sich biografisch eh nie klären lassen.
    Mich interessiert der mathematisch-kalendarische Aspekt.
    Bei der Einführung der christlichen Zeitrechnung gab es „Null“ nicht.
    Deswegen folgt „1 v.Chr.“ auch „1 n.Chr.“
    Mit übrigens interessanten Folgen für den Anfang eines „Jahrhunderts“
    Ich plädiere daher für die Bezeichnung „+“ und „-„JAHR,
    gerne auch mit „0“ als vereinbartes Geburtsjahr eines
    jüdischen Propheten.

  13. #13 von Rationalist64 am 27/09/2011 - 00:08

    Dein Vorschlag entspricht ISO 8601.

    „In der Version aus dem Jahre 2000 sieht die ISO 8601 ein „Jahr null“ und Jahresangaben mit negativem Vorzeichen vor, wobei, abweichend vom allgemein üblichen Gebrauch, auch für die Zeit vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders rückwirkend dessen Schaltverfahren angewandt werden soll. Damit ist die früher in Deutschland, Österreich und in der Schweiz geltende und heute noch weitgehend angewandte, aber ungültige Norm DIN 1355 (siehe DIN-Taschenbuch 102 von 1989) obsolet. Diese sah die Angabe „v. Chr.“ bzw. „n. Chr.“ vor, um Jahresangaben vor und nach Beginn der christlichen Zeitrechnung zu unterscheiden. Schon in der Europäischen Norm EN 28601 von 1992 wird auf eine Datierung vor oder nach Christus nicht mehr eingegangen. Daneben gibt es auch noch die Schreibweise V. u. Z..“

    http://de.wikipedia.org/wiki/ISO_8601#Zeitrechnungsangaben_.E2.80.9Ev._Chr.E2.80.9C_und_.E2.80.9En._Chr.E2.80.9C

    Irgendwie ist das aber doch sehr nüchtern.

  14. #14 von Aaron DeWinter am 27/09/2011 - 00:21

    „Dein Vorschlag entspricht ISO 8601.“

    Ja, ich weiß.
    Ich wollte es etwas schonender ausdrücken,
    was ich von religiös motivierten Zeitrechnungen halte. 😉
    Ja, ich liebe „nüchtern“ in der Wissenschaft.

  15. #15 von Rationalist64 am 27/09/2011 - 00:37

    Sicher, es muss ein „Nulljahr“ geben.

    Aber dafür sollte man auf ein Ereignis zurückgreifen, dass für uns „Heutige“ herausragende Bedeutung hat. Anstatt auf das mutmaßliche Geburtsdatum eines Wanderpredigers zurückzugreifen, der nach der Überlieferung übers Wasser gewandelt und durch Handauflegen Dämonen ausgetrieben haben soll, bietet sich für Freunde nücherner Wissenschaft z.B.die französische Revolution an, mit der sich die Forderung nach einer rationalen Staatsorganisation verbindet, oder wahlweise das Geburtsjahr von Descartes.