Freundschaft!

Die Propagandajournalisten berichten seit Tagen vom freudigen Empfang der Befreier in Tripolis, während die WELT zu bedenken gibt, dass noch Viele Angst vor Gaddafi hätten. Wen diese Angst am Jubeln hindert, der könnte leicht Opfer einer Massenexekution durch unsere neuen Freunde in Libyen werden. Berichte darüber können nicht länger unter Verschluss gehalten werden. Außenminister Westerwelle fällt plötzlich ein, dass man etwas Wichtiges vergessen hat und in all dem Chaos zeigt sich, dass es doch noch echte Männerfreundschaft gibt.

Trotz beharrlicher Meldungen vom bevorstehenden Endsieg gibt es immer wieder Nachrichten über andauernde Kämpfe, in Tripolis, Sirte und anderen Stammesgebieten, die mit den Gaddafis verbunden sind. Bereits „befreite“ Gebiete sollen teilweise wieder die  Machthaber gewechselt haben. Möglichst unauffällig kommt die FAZ der Chronistenpflicht nach, in all den Nachrichten auch diese Information gut  zu verstecken:

Das Nato-Hauptquartier legte Wert auf die Feststellung, dass die Allianz als Organisation keine Hilfe bei der Ergreifung Gaddafis leiste. Es könne allenfalls sein, dass einzelne Verbündete dies täten, hieß es in Brüssel. Der britische Verteidigungsminister Liam Fox hatte gesagt, die Nato stelle dem Übergangsrat sowohl Geheimdienstinformationen als auch Aufklärungsmittel zur Verfügung. Die britische Zeitung „Daily Telegraph“ hatte zuvor berichtet, eine Spezialeinheit der britischen Armee suche nach Gaddafi und dessen Söhnen. Ausländische Reporter sahen in Tripolis Leichname, deren Zustand darauf hindeute, dass es beim Sturm der Hauptstadt zu Massenexekutionen gekommen sei.

Die Indizien sprachen dafür, dass 30 in einem Feldlager getötete Männer zu den Truppen Gaddafis gehört hatten, während 17 in ein Krankenhaus gebrachte Leichname die Körper von Zivilisten gewesen sein dürften, die auf Seiten der Regimegegner standen.

Bundesaußenminister Westerwelle fällt jetzt reichlich spät ein, dass da noch etwas war, was möglicherweise besser nicht in die Hände unserer neuen Freunde kommen sollte, die bereits jetzt einen Teil der für den Regierungsputsch in Libyen geschenkten Waffen direkt zur Hamas nach Gaza weiterleiten. Denn Gaddafi wurde ja erst an die Islamisten verraten, nachdem er vor George Bush einknickte, die Förderung des Terrorismus einstellte und die eigenen Massenvernichtungswaffen zur kontrolliereten Zerstörung freigab. Das könnte jetzt zum Problem werden, denn der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Der FOCUS berichtet:

In Libyen lagerten mindestens elf Tonnen Senfgas, sagte Westerwelle am Donnerstag in Berlin. Es müsse ausgeschlossen werden, dass diese hochgefährlichen Chemiewaffen in einem möglichen irrationalen Akt zum Einsatz kämen. Deutschland sei bereit, bei der Beseitigung des Kampfgases zu helfen. Mit Ausbruch der Kämpfe im Februar sei die kontrollierte Beseitigung dieser Waffen unterbrochen worden.

Im Auswärtigen Amt hieß es ergänzend, Libyen sei seit 2004 Mitglied der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen. Mit der Organisation führe das Auswärtige Amt Gespräche, wie konkret bei der Beseitigung der Waffen geholfen werden könne.

Der frühere Chefinspekteur der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Olli Heinonen, hatte am Mittwoch auf radioaktives Material hingewiesen, das in den falschen Händen eine große Gefahr darstellen würde. Der Stoff befinde sich in libyschen Laboratorien. 2003 hatte Libyen sein Programm zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen aufgegeben. Die Urananreicherung wurde eingestellt, und die Anlagen dazu wurden zerstört. Im Forschungszentrum Tadschura verblieben nach Heinonens Worten aber große Vorräte an radioaktiven Isotopen, Atommüll und niedrig angereichertem Uran.

Bei solchen Nachrichten fragt man sich, ob die Welt bei all diesen Machthabern auf allen Seiten wirklich in guten Händen ist. Immerhin bewähren sich in schwierigen Zeiten aber auch menschliche Tugenden von größter Ehrhaftigkeit. Es zeigt sich, dass nicht alle Spitzbuben dieser Welt in der Stunde der Not untreu werden, wie einige rote Lumpen, die sich nicht mehr erinnern können wollen, einst mit dem Genossen Gaddafi, als er noch nicht „Machthaber“ sondern noch „Revolutionsführer“ war, gezeltet zu haben.

Die Namen der Aufrechten, die dem Diktator weiterhin die Stange halten und ihn zum Asyl einladen, liest sich wie die Liste der Ehrengäste beim Parteitag der deutschen Linkspartei. Aussichtsreichster Kandidat als Flucht- und Bewährungshelfer für Gaddafi ist zur Zeit Diktatorenkollege Robert Mugabe aus Simbabwe. Aber auch Hugo Chavez bietet dem Freund Hilfe und Unterkunft in Venezuela an, ebenso wie die Brüder Castro in Kuba. Da will auch Ortega aus Nicaragua nicht abseits stehen, dem Gaddafi einst den Wahlkampf zahlte und dessen faire Kaffeebohnen auf keinem Dritte-Welt-Basar einer deutschen Kirchengemeinde fehlen dürfen. Freundschaft!