Unsere Freunde richten ihren Anführer hin

Die Sitten und Gebräuche unserer neuen Freunde, der einzig legitimen Vertreter des libyschen Volkes, sind noch etwas gewöhnungsbedürftig. Aber wer hätte dafür mehr Verständnis als deutsche Demokratielehrlinge. Schließlich versuchen wir auch erst seit 100 Jahren Demokratie und trauen der Sache immer noch nicht so recht. Jetzt bestätigen sich Gerüchte, denen zufolge unsere neuen Freunde ihren Anführer, den ehemaligen Innenminister, der als General zu den Kämpfern für Freiheit und Demokratie übergelaufen war, selber hingerichtet haben.

Der ORF berichtet:

Der Anführer des Kommandos sei festgenommen worden und geständig, nach den Todesschützen werde gefahndet, so die Führung der Rebellen. Als Tatmotiv wird Rache von islamistisch gesinnten Rebellengruppen am ehemaligen Innenminister des Gaddafi-Regimes vermutet, der im Februar zu den Aufständischen übergelaufen war. Die Hintergründe und Umstände der Ermordung sind jedoch weiter unklar.

Ein Kommandeur der Rebellen sagte, als Innenminister Gaddafis habe Junis Islamisten verfolgt, die dafür nun Vergeltung geübt hätten. „Einige dieser Islamisten kämpfen nun mit den Rebellen, aber sie haben sich immer geweigert, unter Junis’ Kommando zu kämpfen, weil sie ihm misstraut haben“, sagte der Kommandeur, der namentlich nicht genannt werden wollte. Rebellenführer Mustafa Abdel Dschalil könne die Extremisten nicht direkt beschuldigen, weil er sie fürchte. Die Ermittlungen der Todesumstände würden zu nichts führen.

Anfängliche Gerüchte, dass Junis als Verräter enttarnt worden sei, der sich nur zum Schein den Rebellen angeschlossen und für Gaddafi spioniert habe, ließen sich jedenfalls nicht bestätigen. Unklar ist jedoch, warum Junis überhaupt von Rebellenmilizen nach Bengasi gebracht worden war. Der Befehl, ihn von der Front zu holen und dort befragen zu lassen, kam angeblich von Rebellenführer Mustafa Abdel Dschalil persönlich. (…)

Junis war an dem Putsch beteiligt, der Gaddafi 1969 an die Macht brachte. Er diente dem Revolutionsführer mehr als 40 Jahre. Junis trat im Februar als Innenminister zurück und lief zu den Rebellen über. Wegen seiner langjährigen Bindungen zu Gaddafi misstrauten ihm Teile der Opposition. Der Tod des Generals bedeutet für Gaddafis Gegner jedenfalls einen schweren Rückschlag.

Außerdem dürfte Junis’ gewaltsames Ende auch die Vorbehalte bei ihren westlichen Verbündeten nähren, die Libyen seit Monaten bombardieren und Zweifel an der Geschlossenheit der von ihnen anerkannten Rebellenbewegung haben. Nicht umsonst gab es nach Junis’ Tod einen Aufruf der USA an die Rebellen, „schnell und transparent“ die Einheit der Opposition gegen Gaddafi sicherzustellen und „das Ziel des demokratischen Übergangs nicht aus den Augen zu verlieren“.

Vorerst sieht es jedoch danach aus, als hätten die Rebellen genug damit zu tun, einen blutigen internen Konflikt zu verhindern. Schon beim Bekanntwerden von Junis’ Ermordung kam es zu Unruhen in Bengasi. Inzwischen sollen sich laut dem „Independent“ auch Junis-treue Einheiten von der Front auf Bengasi zubewegen, um den Tod ihres Anführers zu rächen. Es heißt, die Sympathisanten von Mustafa Abdel Dschalil würden in Bengasi bereits Straßensperren errichten, um sich für den Kampf gegen die Gesinnungsgenossen zu rüsten.

Blogger hatten bereits vor einiger Zeit die menschenverachtende Lüge verbreitet, unsere neuen Freunde wollten gar nicht wirklich westliche Demokratie für Libyen, sondern der alte Diktator sei Ihnen lediglich nicht islamisch und antiwestlich genug. Das ist aber islamophober Blödsinn und geistige Brandstiftung, haben alle Qualitätsjournalisten gesagt. Und darauf kann man sich verlassen.

Anders die libyschen Journalisten. Vermutlich haben die auch geistige Brandstiftung betrieben, weswegen die Nato, in großzügiger Auslegung der notwendigen Maßnahmen zur Durchsetzung der Flugverbotszone jetzt den Fernsehsender bombardiert hat. Vielleicht wurden in den zerstörten Büros (Foto) aber auch Papierflieger gestartet.