Tiefpunkt des deutschen Journalismus


Im Angesicht des schrecklichen Verbrechens von Norwegen erlebt der deutsche Qualitätsjournalismus einen neuen Tiefpunkt. Zurecht fragt Dr. Gudrun Eussner, ob man noch tiefer sinken kann. Die Logik: Ist man gegen jede Form von Gewalt, auch gegen islamische, ist man ein Ausländerhasser. Ist man gegen jede Gewalt, auch gegen linke, ist man ein Rechtsextremist. Und zitiert man Suren aus dem Koran, ist man ein Islamhasser.

Anders gesagt: Hat man die falsche Meinung, hat man sie nicht zu äußern. Vielleicht will man dem seit Monaten schwächelnden Blog „PI-News“ durch Negativberichterstattung auch neue Leser zuschanzen. Jedenfalls hat man angesichts dieser wichtigen Aufgabe die vornehmste Aufgabe des Journalismus vergessen: Nämlich zu berichten und vor dem Kommentieren zu recherchieren. Kein Blatt ist sich zu blöde. Da wird gelogen und konstruiert, dass es eine Freude ist. Wer bietet mehr? Vom „Handelsblatt“ bis zu den „Deutsch-türkischen Nachrichten“, jeder will dabeigewesen sein. Wer bietet mehr? Den vorläufigen Tiefunkt liefert uns heute die „Berliner Zeitung“:

PI und andere Blogs wie Tundra Tabloids, The International Civil Liberties Alliance, Vladtepes oder Gates of Vienna führen seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 einen selbst erklärten „Counter-Dschihad“ gegen die muslimische Welt. Nur mit Worten, versteht sich, Aufrufe zur Gewalt wird man auf diesen Seiten kaum finden.

Wirft man PI jetzt vor, leider keine Aufrufe zu Gewalt zu veröffentlichen? So ein Mist aber auch. Taqiyya, alles klar.

Denn Verleger und Autoren dieser Blogs vertreten eine neue Art des Rechtspopulismus, die im Kern rassistisch ist, aber oberflächlich ein wissenschaftlich geprägtes Weltbild zu vermitteln scheint und somit für große Teilen der Gesellschaft akzeptabel ist; zumal diese Ideologie von den demokratischen Regierungen und Volksparteien kaum ernsthaft bekämpft wird.

Dieser Populismus ersetzt die alte Unterscheidung von Rechts und Links durch die Vorstellung von Systemverteidigern und Systemgegnern. Das „System“, also die politischen, finanziellen und gewerkschaftlichen Eliten, die den Multikulturalismus verteidigen, in dem auch der Islam seinen Platz hat, wird als eine korrupte, profitgeile Einheit verteufelt. Die populistische Rechte stellt sich als Alternative dar, die einen dringend notwendigen Systemwechsel zu einer reinen, christlichen Gesellschaft schaffen kann.

Also zum Mitschreiben: Jeder Gegner des Systems ist automatisch ein Rechtspopulist, jeder Befürworter ein Richtiger, ein Guter, ein Linker.

(Spürnasen: Dr. Gudrun Eussner, joo und John A.)

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