WDR-Queen „not amused“

Ein Zeitungsartikel, der daraufhin demonstrativ wochenlang an zahlreichen Bürotüren des Senders klebte, brachte es eher zufällig ans Licht: Die Intendantin des für seinen tiefroten Gesinnungsjournalismus verrufenen Westdeutschen Rundfunks zahlt sich mit 308.000 Euro jährlich  deutlich mehr als der Bundespräsident erhält. Ganz so reich wie die englische Queen ist sie damit sicher noch nicht, aber schon ebenso leicht beleidigt, wenn vom Fußvolk Kritik geäußert wird.

Da kann das Zusammentreffen mit dem schlecht gebrieften Blogger Richard Gutjahr beim „Medienforum NRW“ kein guter Tag für Deutschlands bestbezahlte Meinungswächterin gewesen sein. Die stets gegängelten Menschen aber können sich eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen. Der Kölner Stadtanzeiger berichtet:

„Die Verantwortlichen in den großen Sendern kommen mir vor wie die Machthaber in den arabischen Ländern“, sagte der Blogger und Journalist Richard Gutjahr in der Podiumsdiskussion auf dem Kölner Medienforum. „Sie sitzen in ihren Palästen und nehmen nicht wahr, was um sie herum passiert.“
Ein Satz zum Luftschnappen. Und ein Satz, der endlich Bewegung in die ansonsten so gut vorbereitete Diskussionsrunde bringt. Gerade hatte man es sich in der „Dinosaurier-Runde“, wie sie in der Twitter-Gemeinde spöttisch genannt wird, gemütlich gemacht. Worte wie Qualitätsjournalismus waren gefallen und Warnungen wie „wir müssen Twitternachrichten filtern“ ausgesprochen worden.

WDR-Intendantin Monika Piel findet als erste ihre Sprache wieder. Sie bezeichnet Gutjahrs Äußerung als „dumme Anmaßung. Woher wollen Sie das wissen?“, faucht sie den Blogger an. Dessen Antwort: „Ich arbeite für Sie.“ Bereits der zweite Punkt für Gutjahr, der zugegebenermaßen den Provokationsbogen (vor allem im Hinblick auf die spätere Rednerin Esra’a Al Shafei, deren Webseiten im Mittleren Osten zensiert werden und von der aus Sicherheitsgründen keine Fotos gemacht werden durften) überspannt hat.

Dennoch hat der Münchner Journalist eine sensible Stelle getroffen. „Man kann sich nicht erst bei Ereignissen wie Fukushima bei Twitter anmelden, sondern sollte schon längst einen Account haben.“ – „Wir sind seit 28 Jahren im Netz. da wussten Sie noch nichtmal, was Internet ist!“ Eine sichtlich erzürnte wie unsouveräne Monika Piel bemüht sich, die öffentlich-rechtliche Fahne hochzuhalten. Ohne Erfolg, das twitternde Publikum verlangt nach Popcorn, rechnet vergnügt nach, dass der WDR also angeblich schon seit 1983 online ist und bedankt sich bei den Veranstaltern für die grandiose Gäste-Auswahl.

(Spürnase: Müller)