Das Böse gehört zum Menschen

Wer die Welt gesehen hat, wirklich gesehen hat, also nah am Geschehen und mit eigenen Augen, dort wo Menschen sich von ihrer grausamen Seite zeigen, kommt zuweilen zu anderen Schlüssen als die Wissenschaft. besonders wenn diese ihre Erkenntnisse von fiktionalen Spielfilmen ableitet. Ein vielgereister Reporter ist der Meinung, dass da Böse zum Menschen gehört. Wenn es besonders in Krisengebieten zu Tage tritt, bedeutet dies nicht, dass die sozialen Umstände Ursache der teilweise unvorstellbaren Grausamkeit sind, wie es Sozialwissenschaften und Teile der Psychiatrie nach wie vor annehmen. Die Umstände ermöglichen nur, dem Bösen freien lauf zu lassen.

Die WELT berichtet:

Für Eugen Sorg, den weitgereisten Reporter mit psychiatrisch belehrtem Blick, ist die Antwort klar. Das Böse ist eine Leidenschaft, die nur sich selbst kennt. Es ist keine Folge pathogener Zustände, keine Ausgeburt von Verzweiflung und keine Rache für erlittenes Unrecht. Das Böse ist auf der Welt, seit Menschen sich dazu entschließen, Böses zu tun.

Die Übeltäter wissen genau, dass ihre Untaten unrecht sind. Aber der Spaß an der Grausamkeit ist größer als alle Hemmnisse. Bosheit ist durch keine Zivilisation zu tilgen. Menschen sind gewalttätig, nicht weil sie müssen, sondern wenn sie dürfen. Nicht soziale, seelische, politische oder kulturelle Umstände produzieren Gewalt. Sie eröffnen nur Gelegenheiten, welche die Subjekte allzu gern nutzen.

Die Fratzen des Bösen sind vielfältig. Da ist der Krankenpfleger, der 24 Insassen mehrerer Seniorenheime ermordet, da sind fünf junge Berufsschüler, die zum Freitzeitvergnügen Passanten die Schädel einschlagen. Da sind die Vollstrecker, die Befehle ausführen, die gar nicht erteilt wurden, die eigenmächtigen Quälgeister, die Sorg einmal mehr in den serbischen Konzentrationslagern wiedergefunden hat.

Da sind die Marodeure in Somalia, im Südsudan, in Afghanistan, die Schlächter in Algerien, die islamistischen Selbstmordattentäter und ihre Auftraggeber. Und da ist der katholische Priester in Ruanda, der die betenden und weinenden Tutsi in seiner Kirche einschloss, einen Trupp Machetenträger zusammentrommelte und mit ihnen zum Gotteshaus zurückkehrte.

Sorgs Belege für die brutalen Potenzen des Gattungswesens sind erdrückend. Umso stärker ist sein Zorn auf die Verleugnung des Bösen, auf die Torheit falscher Hoffnung, die den medialen und akademischen Diskurs bestimmt. Sorgs Buch steht in der besten Tradition einer Kritik der Illusionen und Klischees. Der populäre Therapiekult glaubt beharrlich an die Heilbarkeit des Bösen.

Aber wer Gewalt auf die Autoritätsbindung williger Befehlsempfänger zurückführt, unterschlägt den Spaß an der Schikane und die Eigeninitiative der Mörder. Wer auf biografische Defizite oder soziale Umstände setzt, streicht die Verantwortung von Tätern, die sich ihre Gelegenheiten kaltblütig und planmäßig selber schaffen.

Und wer voller Empathie Terror und Attentate für die Sprache von Verzweifelten hält, der will nicht wahrhaben, dass die meisten Mörder weder arm, ausgegrenzt, ungebildet noch neurotisch sind. An religiösen Ideen berauscht sich kein Täter, aber fromme Ideen taugen zur Rechtfertigung des Gewaltrauschs.

So eröffnet der real existierende Islam der Gewalt ein weites Betätigungsfeld. Arglose Geister, die Politik als Gruppengespräch und Religionskritik als Sakrileg empfinden, werden Sorgs Befunde einmal mehr als „Panikmache“ diffamieren. Gewiss ist die Politik der Grausamkeit keine islamische Spezialität.

Aber die Freudendemonstrationen nach den Anschlägen des 11. September 2001 reichten von Nigeria über Gaza bis zu den Philippinen. Die offene oder klammheimliche Bewunderung für Gotteskrieger grassiert in vielen Gesellschaften. In Algerien kostete der Kleinkrieg zwischen Militär und selbsternannten Religionskriegern 200.000 Tote.

Fast alle muslimischen Staaten sind folternde Diktaturen. Und die oppositionellen Geheimgesellschaften verfolgen eine bewegliche Vierfachstrategie: Beschwichtigung der ungläubigen Umwelt; Unterwanderung der Eliten, Wohlfahrtspolitik für die verarmten Massen; Terroranschläge zur Verbreitung von Unsicherheit und zur Festigung des Glaubens. Das Massaker ist ein Bekenntnis, mit dem Tod beginnt für den Täter das gute Leben unter dem Segen des Allmächtigen.

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Spürnase: Wissen ist Macht

 

  1. #1 von Argutus rerum existimator am 31/03/2011 - 14:43

    … kommt zuweilen zu anderen Schlüssen als die Wissenschaft. besonders wenn diese ihre Erkenntnisse von fiktionalen Spielfilmen ableitet.

    Die Wissenschaft leitet Erkenntnisse von Spielfilmen ab? Wieso, ich dachte der 1. April ist erst morgen? 🙂

    QQ: » Den ganzen Artikel lesen. Da werden Sie geholfen.

  2. #2 von abusheitan am 31/03/2011 - 15:10

    Na ja, „Das Böse“ gibt es ebensowenig wie „Das Gute“.
    Nüchtern betrachtet gibt es bei Menschen außer sozial anerkannten Tugenden wie Hilfsbereitschaft und Mitgefühl eben auch die normalerweise geächteten Eigenschaften wie Machtgier und Zerstörungslust.
    In einer kriegerischen Gesellschaft werden andere Eigenschaften wertgeschätzt als in friedlichen Kulturen. Um die gewalttätigen Triebe ausleben zu können, wurden früher gerne Kriege inszeniert, wogegen die heutigen Sportereignisse nur ein dürftiger Ersatz sind.
    Fragte man heute Hitler und seine Schergen, ob sie böse gewesen seine, wiesen sie dies weit von sich. Sie würden voller überzeugung behaupten, sie hätten sich für das Wohl der Rasse und des Volkes geopfert und hätten das Notwendige getan.

  3. #3 von WissenistMacht am 31/03/2011 - 15:18

    #2 Abu Sheitan:

    Die Frage im Zusammenhang mit den Konzentrationslagern war ja immer, wieso aus „stinknormalen“ Zeitgenossen, Folterer und Mörder werden konnte.

    Ich habe leider die Quelle nicht parat, aber es sind Versuche mit älteren Jugendlichen gemacht worden, die so weit getrieben wurden, dass sie (fast) begonnen hätten, einen als „Opfer“ deklarierten Klassenkameraden tatsächlich zu misshandeln und zu foltern.

    Diese normalerweise tief vergrabenen Mechanismen kommen also offenbar in bestimmten (wenn auch nicht klar zu definierenden Situationen) hervor und können zu den schrecklichsten Ergebnissen führen.

    „Menschliche“ Natur? 😦

  4. #4 von Kruzifünferl am 31/03/2011 - 15:27

    #3 von WissenistMacht am 31/03/2011 – 15:18
    Ich habe leider die Quelle nicht parat, aber es sind Versuche mit älteren Jugendlichen gemacht worden, die so weit getrieben wurden, dass sie (fast) begonnen hätten, einen als „Opfer“ deklarierten Klassenkameraden tatsächlich zu misshandeln und zu foltern.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Stanford-Prison-Experiment

    „Das Stanford-Prison-Experiment war ein psychologisches Experiment und als solches ein Meilenstein der psychologischen Erforschung menschlichen Verhaltens unter den Bedingungen der Gefangenschaft, speziell unter den Feldbedingungen des echten Gefängnislebens. Der Versuch wurde 1971 vom amerikanischen Psychologen Philip Zimbardo an der Stanford University durchgeführt.“

    Erschreckend. Und entlastet Deutsche vor dem Vorwurf, dass so etwas nur in Deutschland (Stichwort „Tätervolk“, wie hier mal jemand geschrieben hat) möglich gewesen sei.
    Die Abgründe von Menschen allgemein sind erschreckend – unabhängig ethnischer Zugehörigkeit.

  5. #5 von WissenistMacht am 31/03/2011 - 15:32

    #4 Kruzifünferl:

    Danke für den Link. Also Gefängnis, nicht Schule. Also war mein Gedächtnis nicht so weit entfernt 🙂

  6. #6 von Zahal am 31/03/2011 - 15:44

    Zum Bösen:

    Was nach Gaddafi kommen soll, weiß er nicht genau. Nur soviel: „Demokratie, eine Verfassung und dass nicht eine einzige Familie die Macht über das Land hat.“ Sein Mitkämpfer Abdel Salam Rigaji hat dafür umso genauere Vorstellungen: „Wir wollen eine Gesellschaft auf Grundlage des Korans. Wir wollen keine Religionsfreiheit, aber die Freiheit unserer Religion. Wir wollen keine Freiheit für Juden und Christen, wir wollen keine nackten Frauen und Alkohol.“

    Zwischen diesen Polen bewegen sich die Motive der Anti-Gaddafi-Kämpfer.

    http://de.news.yahoo.com/17/20110331/tpl-rebellen-uneins-ueber-zukunft-libyen-4dcee4f.html

    Zum Experiment:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment

    Trotzdem entschuldigt das nichts……

  7. #7 von Zahal am 31/03/2011 - 15:46

    Zum Bösen an sich, es kommt ja immer darauf an, WELCHER Wolf in uns gefüttert wird.

  8. #8 von mike hammer am 31/03/2011 - 15:56

    # OT- 3 sprengstoffpakete am dortmunder stadion entdeckt 25 jahriger deutscher (!?!) festgenommen der „DEUTSCHE“ ist islamist und hat daheim mehr bomben gehabt!

  9. #9 von Kristof am 31/03/2011 - 16:18

    Das Buch von „Von Lust am Bösen“ von Eugen Sorg, auf das sich der Artikel bezieht, kann ich jedem empefehlen. Liest sich sehr kurzweilig. 150 Seite Lesegenuß.

  10. #10 von X-Wing am 31/03/2011 - 16:22

    Nur religiöse Heilslehren glauben daran das der Mensch prinzipiell gut sei. Auch der Marxismus ist eine Heilslehre, deshalb teilen auch viele Linke diesen Glauben. Während die religiösen die Gestalt des Teufels erfanden, um ihm die Schuld an „dem Bösen“ zu geben, ist für die Linken „das Geld“ der Teufel der an unseren „Sünden“ schuld ist. So wie der schlechte Handwerker der die Schuld an seiner Pfuscharbeit dem angeblich schlechten Werkzeug gibt, so klammern sich viele an die naive Vorstellung vom prinzipiell guten Menschen.

    Wie AbuSheitan anmerkt, existiert „das Böse“ als objektive Kategorie höchstwahrscheinlich nicht. Schon deshalb ist es aus evolutionsbiologischer Sicht extrem unwahrscheinlich von einem „prinzipiell guten“ Menschen auszugehen. Die Natur kann gar keine durchgehend „guten“ Menschen produzieren, da sie kein denkendes Wesen ist und mit den Kategorien „gut“ oder „böse“ nichts anzufangen weiss. „Gut“ ist, was erfolgreich ist und sich durchsetzt. Deshalb existieren Menschen mit sehr unterschiedlichen Charakteren. Warum existieren böse und aggressive Menschen? Weil diese Verhaltensweisen nicht immer zum Scheitern des Individuums führen, sondern ihm in einigen Fällen Vorteile verschaffen. Manchmal siegt aber doch das Gute und deshalb existieren auch gute Menschen. Würde es eine optimale Verhaltensweise geben, die dem Individuum ausschliesslich Vorteile verschafft, dann hätte diese Verhaltensweise alle anderen verdrängt und es würde fast ausschliesslich solche Menschen geben. Böse Menschen existieren deshalb, weil es leider manchmal Vorteile bringt, Böse zu sein.

    Nach meiner Beobachtung gibt es einige Menschen, die eine „fest verdrahtete“ innere Moralität zu besitzen scheinen. Diese Menschen handeln und denken sehr human, unabhängig davon ob ihnen dieses Verhalten Vor- oder Nachteile bringt. Leider ist diese Personengruppe nicht sehr groß. Daneben gibt es Menschen, die abartig bösartig sind, gewalttätig, mordlustig, hinterhältig, nicht resozialisierbar. Glückicherweise scheint diese Personengruppe zahlenmässig auch einigermassen begrenzt zu sein.

    Die grösste Menschengruppe besteht meiner Meinung nach aus Menschen, die keine eigenen „eingebauten“ Moralvorstellungen besitzen. Um festzustellen, was gut oder falsch ist, orientieren sie sich einfach an den Menschen in ihrer Umgebung. Da sie kein eigenes ausgeprägtes moralisches Empfinden haben, orientieren sie sich einfach an den Gesetzen des Staates in dem sie leben. Gut und richtig ist, was das Gesetz für gut und richtig erklärt. Solange diese Menschen in einem halbwegs demokratischen, den Menschenrechten verpflichtetem System leben, können sie sehr gute und nützliche Mitglieder der Gesellschaft sein. Wenn die Gesellschaft jedoch anfängt zu verrohen und sich in eine Diktatur zu verwandeln in der Menschenleben nichts zählen, dann sind diese Personen gefährdet, zu Helfershelfern der Dikatur zu werden, da sie kein eigenes Empfinden besitzen, das irgend etwas „aus dem Ruder“ läuft. Schliesslich handeln sie doch nach den Gesetzen und das kann ja wohl nicht falsch sein?!

  11. #11 von ilex am 31/03/2011 - 16:29

    # 10 – X-Wing

    zum letzten Absatz (will den nicht ganz zitieren)

    Hörst sich plausibel an. Und statt „Diktatur“ kann man gern auch „Religion“ setzen.

  12. #12 von abusheitan am 31/03/2011 - 17:31

    Ich lese gerade das sehr empfehlenswerte Buch einer Lehrerin, die unter Pseudonym „Chill‘ mal, Frau Freitag“ verfasst hat. Sie beschreibt darin sehr offen sowohl ihre Miganten-Schüler als auch ihre Kollegen und besonders wichtig ihr persönliches Erleben incl. ausführlicher Rachephantasien. Wer sich eingehend mit dem Hintergrund und der Prägung der jungen Menschen beschäftigt, wird zwangsläufig Mitgefühl mit ihnen haben müssen.
    Wer mohammedanisch indoktriniert aufwächst, an Dämonen, Engel, Propheten, himmlische Belohnung undhöllische Bestrafungen glauben muss, der zweifelt selbst als Zehntklässler nicht an, dass ein Mädchen, das einen Koran zerriß, unmittelbar darauf von Allah höchstpersönlich mit einem Rattengesicht gestraft wurde:

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,390750,00.html

    Gegen diesen Glauben ist selbst eine Lehrerin machtlos.
    Wenn dann das Familienoberhaupt dem Sohn befiehlt, seiner Schwester den Kopf abzuschneiden, weil durch deren unsittlichen Lebenswandel ihr Seelenheil in Gefahr sei, hat der Junge einfach keine Wahl, es sei denn, er hat die Kraft und den Mut, seine Familie, seine Religion und seine Kultur zu verlassen.

  13. #13 von heimchen am herd am 31/03/2011 - 18:42

    Natürlich gehört „das Böse“ zum Menschen, wie auch „das Gute“
    zum Menschen gehört!

    Wer war noch nie eifersüchtig, neidisch oder gegen jemandem feindlich gesinnt?
    Selbstverständlich bringen wir nicht gleich jeden um, den wir nicht ausstehen
    können!
    Ich könnte mir vorstellen, wenn ich bedroht würde und mein Leben in Gefahr wäre,
    dass ich mich vehement wehren würde!
    „Das Böse“ kommt in jeder Kultur vor, da braucht man gar nicht in die Ferne schauen.

  14. #14 von Argutus rerum existimator am 31/03/2011 - 18:45

    #13 von heimchen am herd am 31/03/2011 – 18:42

    Natürlich gehört „das Böse“ zum Menschen … Ich könnte mir vorstellen, wenn ich bedroht würde und mein Leben in Gefahr wäre, dass ich mich vehement wehren würde!

    Diese Reaktion wäre aber nicht „böse“ sondern selbstverständlich.

  15. #15 von heimchen am herd am 31/03/2011 - 18:51

    #14 von Argutus rerum existimator

    Es soll ja auch Menschen geben, die die linke und die rechte Wange hinhalten.
    😉

  16. #16 von WissenistMacht am 31/03/2011 - 18:55

    #15 Heimchen am Herd:

    Nicht jeder aber hält die Bergpredigt für das Nonplusultra als Anleitung für ein intelligent angelegtes Leben 😉

  17. #17 von Argutus rerum existimator am 31/03/2011 - 18:58

    #15 von heimchen am herd am 31/03/2011 – 18:51

    Es soll ja auch Menschen geben, die die linke und die rechte Wange hinhalten.

    Davon rate ich ab.

    Statt dessen nütze ich die Gelegenheit, wieder einmal meinen Lieblings-Spruch loszuwerden:

    Bonis nocet, qui malis parcit (Den Guten schadet, wer die Bösen schont).

  18. #18 von heimchen am herd am 31/03/2011 - 19:02

    #16 von WissenistMacht

    Ich halte überhaupt nichts von Predigten, egal ob Berg oder Tal. 😀

  19. #19 von heimchen am herd am 31/03/2011 - 19:04

    #17 von Argutus rerum existimator

    Das ist auch mein Lieblings-Spruch. 😀

  20. #20 von WissenistMacht am 31/03/2011 - 19:06

    #18 Heimchen am Herd:

    Nee, nee, „Berg“ musste schon sein wegen der 10 Gebote vom Berg Sinai. Alles Gute kommt von oben 🙂

  21. #21 von heimchen am herd am 31/03/2011 - 19:08

    #20 von WissenistMacht

    Du bist ein Schelm. ;lol:

  22. #22 von Postumus am 31/03/2011 - 19:14

    Immer wieder aufschlußreich zum Thema auch: „Das sogenannte Böse“ von Konrad Lorenz, 1963.

  23. #23 von heimchen am herd am 31/03/2011 - 19:27

    Interessant finde ich auch, dass gerade Frauen sehr gerne Krimis lesen

    und Kriminalfilme schauen, zu denen ich mich auch zähle. Je blutiger und

    schauriger um so besser!

    Dabei bin ich sonst ein sehr friedlicher Mensch. 😉

  24. #24 von WissenistMacht am 31/03/2011 - 19:32

    #23 Heimchen:

    Dabei bin ich sonst ein sehr friedlicher Mensch.

    Aber nur dann, wenn Du nicht nicht gerade mit der neuen Sturmfrisur vom Figaro kommst 🙂

  25. #25 von heimchen am herd am 31/03/2011 - 19:43

    #24 von WissenistMacht

    Meine Sturmfrisur hat es Dir wohl angetan! 😆

  26. #26 von Tolkewitzer am 31/03/2011 - 20:07

    #10 von X-Wing

    Ich gebe Dir recht.
    Die Natur kennt kein Gut und Böse und auch die Menschen beurteilen gut und böse meist subjektiv.
    Was für den einen böse ist, muss für den anderen nicht auch gleich böse sein. Ebenso verhält es sich mit gut. Cui bono?
    Extreme Bösartigkeit gibt es natürlich auch, dies sind allerdings pathologisch begründete Ausnahmen.
    In der Regel können meiner Meinung nach alle Eigenschaften mit Fortpflanzung, Erhaltungstrieb oder Nahrungssuche begründet werden. Also den Grundfunktionen des Lebens.

  27. #27 von Zahal am 31/03/2011 - 21:09

    #16 von WissenistMacht am 31/03/2011 – 18:55

    #15 Heimchen am Herd:

    Nicht jeder aber hält die Bergpredigt für das Nonplusultra als Anleitung für ein intelligent angelegtes Leben

    Und so war das auch gar nicht im Sinne des Verfassers gemeint, versuch mal als normaler Rechtshänder jemanden auf die rechte Wange zu schlagen, versuch es…… Erklärung dazu kommt im nächsten Beitrag, wahrscheinlich am Sonntag.

    Kurz nur „die Bergpredigt“ widerspricht vom Namen als auch vom Inhalt der erklärten Absicht Jesu, der hier das Herzstück seiner Lehre anbietet…..

    Ein besserer Ausdruck wäre Berglehre gewesen, denn hier geht es um viel mehr, um das Wesen seiner Ehtik, der Bauplan einer „neuen“ Gesellschaft, wie er sich die vorstellte, aber leider NIE geklappt hat……

  28. #28 von WissenistMacht am 31/03/2011 - 21:15

    #27 Zahal:

    Das liegt aber an den Widersprüchlichkeiten der Bergpredigt selbst, dass sie nicht das Gelbe vom Ei ist. Ich muss das jetzt einmal in sprichwörtlich Zahal’scher Länge machen:

    Die Bergpredigt gilt als moralisches Juwel der Christenheit und wird immer gern dann zitiert, wenn es darum geht, der Christenbibel ethische Kompetenz zuzusprechen.
    Aufgeschrieben hat sie nur Matthäus in seinem Evangelium (Mt 5,1). Es handelt sich um eine Auflistung von Versprechungen, Regeln und Geboten, die Jesus seinen Jüngern auf einem Berg offenbart haben soll. Die Predigt beginnt damit, dass Jesus vor allem den Armen und Hungernden, den Sanftmütigen und Friedfertigung das Glück im Jenseits verspricht.
    Er ermutigt nicht, sich zu wehren oder sein Dasein aktiv zu verbessern, sondern vertröstet auf die kommende Zeit im Himmelreich. (Das erinnert allzu sehr den Wünschen vieler Mächtiger dieser Welt, die ihre Schäfchen lieber in ihrem Elend ackern, als sich aufbegehren sehen.)
    (Mt. 5,12) „Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt.“
    Um ihr tägliches Leid zu lindern – und das Leben jener Zeit war wahrlich nicht leicht – empfahl Jesus, einfach nur an Gott zu glauben und ihn zu preisen (Mt. 5,13). Dann würde sich alles zum Guten wenden.
    Machte es sich Jesus da nicht zu einfach? Oder würden Sie Ihrem Sohn diesen Ratschlag geben, wenn er mit Sorgen und Problemen zu Ihnen käme?
    Die Kirche verschweigt auch gern Jesus deutliche Haltung zu den jüdischen Gesetzen jener Zeit (Mt.5,17): „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ Jesus wollte also die strengen Gesetze der Juden weiter angewendet sehen. Andere Bibelautoren – voran Apostel Paulus – waren da ganz anderer Meinung und haben unzählige Gebote (Beschneidung, Sabbat, Schweineverzehr, Mehrfachehe usw.) einfach verworfen. Trotz Jesus‘ Versprechen (Mt. 5,18): „Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht.“
    Jesus forderte in seiner Bergpredigt (Mt. 5,21): „Du sollst nicht töten.“ Eine Selbstverständlichkeit, die zu allen Zeiten immer wieder gefordert wurde. Leider aber ruft die Bibel an viel zu vielen Stellen zum Töten und Morden auf, ja befiehlt die Ausrottung ganzer Völker.
    Weiter forderte Jesus Opfergaben an die Priesterschaft ohne Heuchelei abzugeben. Eine schöne Regel. Aber warum soll einem Gott überhaupt ein Opfer gebracht werden? Warum soll zu seinen Ehren ein Tier verbrannt werden? Die Unsinnigkeit dieser lebensverachtenden Kulthandlung widerspricht der Ethik im ersten Teil der Predigt. (Und glauben Sie mir, das Alte Testament meinte kein symbolisches Opfer, kein symbolischer Akt der Demut, sondern das physische Verbrennen eines Lebewesens.)
    Jesus warnte vor Ehebruch und bescherte seinen Zuhörern gleich eine pauschale Schuld unerhöhrten Ausmasses: (Mt. 5,28): „Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“ Warum soll bereits der Gedanke an sich schlecht sein? Wie können wir elementare Wünsche und ganz natürlich auftauchende Begierden aus unserem Kopf fernhalten? Unmöglich! Besteht die lobenswerte Tat nicht gerade darin, seine biologischen Gelüste im Zaun zu halten?
    Mit Zitaten dieser Art hat die katho-
    lische Kirche den Gläubigen ihre Sündhaftigkeit während Jahrhunderten immer wieder vor Augen geführt und sie mit Gewissensnöten an sich gebunden.
    Jesus predigte weiter (Mt. 5,29): „Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Abfall verführt, so reiß es aus und wirf’s von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.“ Unzählige Interpretationen dieses dummen Spruches irren durch die theologischen Lehrbücher. Beson-
    dere Weisheit und Menschlichkeit erkenne ich nicht in diesem Bibelvers.
    Anders haben es zahllose Priester in der vergangenen Jahrhunderten verstanden: Da wurde schnell mal eine Hexe aus dem Volkskörper gerissen und verbrannt, damit dieser nicht ganz verderbe.
    (Mt. 5,32) „Wer sich von seiner Frau scheidet, … der macht, dass sie die Ehe bricht; und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe.“ Mit diesen Worten meinte Jesus – wie übrigens alle Prediger jener Zeit – ein Mann dürfe sich von seiner Frau trennen, aber eine Frau nicht von ihrem Mann.
    Frauen waren also nach wie vor der Willkür ihrer Männer hilflos ausge-
    liefert und waren sie einmal geschieden, hatten sie keine soziale Unterstützung zu erwarten. Für eine Frau jener Zeit das Urteil für ein Leben im Elend oder den Tod. Eine geschiedene Frau soll – Zitat Jesus – unverheiratet auf der Strasse stehen gelassen werden. Welches Elend verursachte diese Jesusregel zu einer Zeit, als eine Frau ohne Mann kaum überlebensfähig war!
    Warum keine Barmherzigkeit? Warum kein Aufforderung zum friedlichen Auseinandergehen, zum gegenseitig verantwortungsvollen Neuanfang?
    Hin und wieder finden wir in der Bergpredigt aber auch einen Anflug von Menschlichkeit und Vernunft, wenn wir lesen: (Mt. 5,42):“Gib dem, der dich bittet.“ Die Predigt gipfelt schließlich im Gebot der Feindesliebe (Mt 5,44): „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“ So romantisch Regeln dieser Art auch klingen, so sind sie keine brauchbare Grundordnung für das Zusammen-
    leben in einer Christengemeinde. Zu fern sind sie den Mühen des realen Lebens. (Mt 5,39) „Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.“ – Wehre dich also nicht gegen deine Unterdrücker!
    Ob die Nächsten- und Feindes-
    liebe bei Matthäus wirklich ernst gemeint war, darf guten Herzens bezweifelt werden. Denn nicht weit von der Bergpredigt entfernt lesen wir unter anderem auch Jesus‘ hasserfüllte Verfluchung dreier galiläischer Städte, die seiner Lehre nicht zujubeln wollten (Mt 11,23): „Und du … wirst … bis in die Hölle hinunter gestoßen werden.“ Ist die Feindesliebe also nur eine nette Floskel, um schwache und ängstliche Schäfchen zu gewinnen?
    Es ist leicht, Feindesliebe zu predigen, wenn man missionierend im „Feindesland“ umherzieht und auf das Wohlwollen der Regierenden angewiesen ist. (Kaum hatte die Christenheit die Mächtigen dieser Welt hinter sich gewusst, hat sie umgehend damit begonnen, Andersdenkende und Glaubensfeinde zu foltern und zu töten – millionenfach!)
    Wir müssten auch unsere Gerichte schliessen, denn Jesus predigte (Mt.7,1): „Richtet nicht!“ Sollen wir also Vergewaltiger und Drogen-
    händler nach Hause schicken? Schöne Worte – aber ebenfalls untauglich als Regel für menschliches Zusammenleben!
    (Mt 6,25) „Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.“ Gebote dieser Art klingen betörend, aber machen sie wirklich Sinn? Oder sollen wir morgen aufhören zur Arbeit zu gehen und Essen einzukaufen? Wird Gott uns dann ernähren wie die Vögel auf dem Feld?
    Auch über Jesus Spendenaufruf innerhalb der Bergpredigt hat sich die Kirche immer gefreut (Mt.6,1): „Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen.“ Natürlich freut sie jeder Priester, wenn Spenden diskret überreicht werden. So bleibt schön verborgen, wie viele Sesterzen und Taler in die Spendenbeutel fliessen. Jesus forderte übrigens nicht auf, Geld den Armen und Bedürftigen zu geben: Nein, man sollte es der Priesterschaft bringen. (Hatte er nicht an anderer Stelle über die eitlen Priester gelästert und geschimpft?)
    Schliesslich enthält die Bergpredigt das Vaterunser (Mt. 6,5), wie wir es alle kennen. Aber auch beim Lesen dieser Zeilen fragt sich der Zweifelnde, warum wir Gottes Namen immer wieder preisen müssen; warum diese endlose Unterwürfigkeit? Warum rufen wir weiter (Mt. 6,10): „Dein Reich komme“, obwohl es nach 2000 Jahren noch immer nicht errichtet worden ist?
    Das Vaterunser billigt ihm die ganze Macht über unser tägliches Brot, unsere Schulden und das Böse der Welt. Trotz dieser Machtfülle wendet er die Mühsal des Lebens nicht von seinen Menschen. Einem Gott im täglichen Gebet für sein Tun zu danken, scheint mir angesichts des Leides und Schmerzes dieser Welt ein Hohn sondergleichen.
    Die Bergpredigt forderte weiter zum Fasten auf (Mt. 6,16), was die meisten Menschen nicht tun. Jesus erklärte auch nirgendwo, wozu das gut sein soll.
    Dann warnte Jesus davor, sich dem schnöden Mammon hinzugeben. Eine sinnvolle Regel, an die sich die Kirche natürlich nie gehalten hat. Jesus geht in seiner Meinung zum Geldverdienen besonders weit (Mt. 6,34): „Darum sorgt nicht für morgen!“ Sollen wir also alle Banken schliessen und Sparen vergessen?
    Sollten wir morgen nichts zu essen haben oder krank werden, wird Jesus uns hier auf dieser Erde dann helfen? Wieder eine romantisch formulierte Christenregel – für das tägliche Leben aber barer Unsinn.
    Tröstlich, dass wir gelegentlich auch Sinnvolles in der Bergpredigt finden (Mt. 7,12): „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“ Schade, dass Weisheiten dieser Art so selten sind.
    Und warum zum Schluss plötzlich die Warnung vor anderen Berufskollegen? (Mt. 7,15): „Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“ Unverständlich immer diese pauschale Verurteilung Andersdenkender. Warum kann auch Jesus den Menschen nicht genug eigene Vernunft und geistige Reife zugestehen, selber zu urteilen?
    Und wie in so vielen Predigten, wird auch gleich den Ungehorsamen gedroht (Mt. 7,26/27): „Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel … da fiel es ein, und sein Fall war groß.“
    Urteilen Sie selber, ob die berühmte Bergpredigt wirklich ein Juwel ethischen Denkens ist …

    Ich denke mal, dass dies kein Juwel verantwortungsvoller Ethik ist. Humanistische Ethik sieht anders aus.

  29. #29 von X-Wing am 31/03/2011 - 21:20

    #27 von Zahal am 31/03/2011 – 21:09
    Und so war das auch gar nicht im Sinne des Verfassers gemeint, versuch mal als normaler Rechtshänder jemanden auf die rechte Wange zu schlagen, versuch es……

    Wenn ich mit dem Handrücken zuschlage – kein Problem. Man kann jemandem mit nur einer Hand auch links-rechts eine Schallern. Stark vereinfacht wird die Sache natürlich wenn man wirklich einen solchen Deppen vor sich hat der dabei stille hält.

    Wie etwas im Sinne des Verfassers gemeint war, kann wohl nur der Verfasser selber beurteilen und der lebt nicht mehr und hat auch keine eigenhändigen Schriftstücke hinterlassen. Wenn er es aber nicht so gemeint hat, wie es sich anhört, dann hätte er gut daran getan, wenn er es einfach so gesagt hätte wie er es gemeint hat anstatt sich in verschwurbelten Metaphern zu äussern die sich so anhören als hätte er das Gegenteil von dem gesagt was er angeblich sagen wollte.

  30. #30 von Markus13 am 31/03/2011 - 21:29

    #27 von Zahal

    versuch mal als normaler Rechtshänder jemanden auf die rechte Wange zu schlagen, versuch es……

    Entschuldigung, der Spaß muss sein: Im Tennis nennt man das Rückhand,
    funktioniert recht gut! :mrgreen:

  31. #31 von X-Wing am 31/03/2011 - 22:06

    #28 von WissenistMacht am 31/03/2011 – 21:15

    Fürwahr, die gesamte Bibel ist kein Juwel verantwortungsvoller Ethik. Sie enthält ein paar simple Regeln von denen etliche mehr als fragwürdig sind. Vor allem ignoriert sie die Komplexität des wirklichen Lebens denn auf die kniffligen Probleme der Ethik weiss sie auch keine gescheite Antwort.

    Nehmen wir nur mal dieses „du sollst nicht töten“. Schön, das leuchtet auch den meisten Menschen ein, dazu bedarf es keines „göttlichen“ Hinweises. Was ist aber mit komplizierten Fällen, wie z.b. der Tat des Grafen Stauffenberg? Wäre die Tötung Hitlers, Stalins oder Pol Pots ein Verbrechen? Wie verhält es sich mit der Lüge? Ist Lügen immer falsch? Angenommen wir hätten in der Nazizeit gelebt und wir hätten Kenntnis davon das unser Nachbar ein jüdisches Mädchen namens Anne Frank bei sich versteckt hat. Jetzt kommt ein SS-Mann und fragt uns ob wir was von versteckten Juden wissen. Ist es jetzt eine Sünde zu lügen oder wäre es eine Sünde nicht zu lügen? Auf all solche kniffligeren Fragen gibt uns auch die Bibel keine eindeutigen Antworten.

    Ausserdem sollte gerade Gott wissen, das es den Menschen noch niemals an moralischen Grundsätzen gemangelt hat. Das es schlecht ist, grundlos jemanden umzubringen, das ist den allermeisten Menschen auch klar wenn sie noch niemals etwas von der Bibel gehört haben. Mangel an moralischen Grundsätzen war noch nie das Problem, sondern die Tatsache, das sich niemand (oder zu wenige) an diese moralischen Grundsätze halten. Daran hat auch Gott nichts ändern können. Gesetze auf deren Übertretung keinerlei Strafe folgt, sind sinnlos. Was ist das aber für ein Gott der großkotzig das Töten verbietet, und wenn dann ein Typ namens Hitler oder Stalin diese Gebote ignoriert und fleissig Hekatomben von Menschen abschlachtet dann unternimmt dieser Gott…… exakt NICHTS. Die einzigen die sich an seine Gebote halten, sind die Gläubigen und die erleiden durch ihre Dämlichkeit dann nichts als Nachteile. Jemand der Gebote aufstellt, aber nichts bei deren Übertretung unternimmt, obwohl ihm unbegrenzte Möglichkeiten zur Verfügung stehen, der kann sich seine Gebote auch… sonstwohin stecken.

  32. #32 von WissenistMacht am 31/03/2011 - 22:40

    #31 X-Wing:

    Deswegen belege ich das ja ausgerechnet mit dem Teil des NT, das als Juwel christlicher Ethik, so zu sagen als das Kernstück der Aussage Jesu gilt. Und vieles ist leider nicht applikabel, oder sogar kontraproduktiv.

    Ich arbeite gerade daran, so etwas wie eine allgemeine humanistische Ethik zu formulieren (weil der plapperstorch mich dahin getrieben hat, grrr). Das ist eine Mammutaufgabe, die sich am besten kontrapunktisch zu den bekannten „Ethiken“ darstellen lässt. Daher dieser lange Erguss, für den ich mich entschuldige. 😦

  33. #33 von ilex am 31/03/2011 - 23:07

    # 31 – Wissen ist Macht
    Daher dieser lange Erguss, für den ich mich entschuldige. 😦

    Aufklärung erfolgt auch im Detail, nicht nur in allgemeinen Erwägungen. Daher ist hier keineswegs eine Entschuldigung nötig. Habe im Gegenteil die in Einzelheiten aufgedröselten Aussagen des NT und Ihre Folgerungen daraus mit Vergnügen gelesen. 🙂

  34. #34 von Zahal am 31/03/2011 - 23:49

    #28 von WissenistMacht am 31/03/2011 – 21:15

    Fehler Nr. 1 – Jesus forderte in seiner Bergpredigt (Mt. 5,21): „Du sollst nicht töten.“

    Es heisst im Urtext: du sollst nicht morden, erste und wieder eine fatale Fehlübersetzung, die Christen sehr gerne hernehmen, un sich vom AT zu distanzieren. Denn getötet wurde zu ALLEN Zeiten.

    Und nein, ich lese den Beitrag jetzt in Ruhe durch, auch lange Beiträge haben, gerade bei schwierigen Themen, durchaus den Vorteil der Erklärungen.

    Zu den anderen, rechte Hand, genau, man kann NUR mit dem Handrücken auf die rechte Wange schlagen, und genau das war zu der Zeit bei den Römern eine verächtliche Geste, die aber oft benutzt wurde.

  35. #35 von X-Wing am 31/03/2011 - 23:49

    Um noch mal zur Bergpredigt zu kommen. Jesus war sicherlich ein höchst empathischer Mensch dem all das Elend ankotzte das er um sich herum sah. Er litt mit all den Kranken und Elenden mit und das, verbunden mit der Tatsache das er an all dem Elend nichts wirkungsvoll ändern konnte, führte es dann zu seinen religiösen Wahn- und Heilsvorstellungen. Nüchtern betrachtet ist Jesu`Lehre eine ziemlich einfältige Hippie Philosophie. „Denkt an die Vögel auf dem Felde – sie säen nicht, sie ernten nicht und der Herr ernährt sie doch“. Das ist eine prähistorische Flower-Power Lehre. „Lebt einfach so in den Tag hinein, es wird schon irgendwie weitergehen“. Wer von uns hat in seiner Jugendzeit nicht auch mal so gedacht? Wenigstens für eine kurze Zeit? Irgendwann wird man aber älter und vernünftiger und man erkennt das die Ratschläge eines Jesus keine vernünftige Basis für ein erfülltes Leben darstellen. Jesus jedoch wurde nicht alt genug um seinen Lebensentwurf kritisch zu hinterfragen. Wie hätte er wohl als alter Mann über seine Ideen gedacht? Wie James Dean und Marilyn Monroe starb er jedoch relativ jung. So konnte er als Legende in die Geschichte eingehen.

    Wenn das vor einiger Zeit entschlüsselte Judas-Evangelium Recht hat, dann hat sich die Geschichte ohnehin etwas anders zugetragen. Nach dieser Version war Judas nicht der Verräter als der er seitdem dargestellt wird, sondern der beste Kumpel von Jesus. Jesus erkannte zu einem gewissen Zeitpunkt das er mit seiner Lehre in einer Sackgasse gelandet war und das es eines besonderen „Effektes“ bedurfte um in die Geschichte einzugehen. Wäre er irgendwann als Greis an Altersschwäche gestorben, dann würde sich heute wohl kaum jemand an seinen Namen erinnern und er wäre nur einer von vielen langhaarigen Steinzeithippies gewesen die seinerzeit durch den Nahen Osten zogen und den Leuten Märchengeschichten erzählten. So weihte er seinen Intimus Judas in seinen Plan ein, in dem dieser den „Verräter“ spielen solle während er dann als „Held“ den Opfertod sterben würde. Judas fand das zuerst überhaupt nicht toll, als ihm Jesus aber versprach er würde dafür im Paradies zu den heiligen gehören, willigte er ein. So konnte Jesus auch während des Abendmahls den „Propheten“ spielen und „vorhersagen“ das einer der anwesenden ihn verraten würde. Er plante sein melodramatisches Ende sehr genau weil er wusste das dies seine einzige Chance war, nicht in der Vergessenheit zu versinken.

  36. #36 von WissenistMacht am 31/03/2011 - 23:55

    #35 X-Wing:

    Bei Judas schreit die Christenheit: „apokryph, apokryph“. Die wissen schon warum 🙂

  37. #37 von Zahal am 01/04/2011 - 00:17

    #28 von WissenistMacht am 31/03/2011 – 21:15

    Die Predigt beginnt damit, dass Jesus vor allem den Armen und Hungernden, den Sanftmütigen und Friedfertigung das Glück im Jenseits verspricht.
    Er ermutigt nicht, sich zu wehren oder sein Dasein aktiv zu verbessern, sondern vertröstet auf die kommende Zeit im Himmelreich. (Das erinnert allzu sehr den Wünschen vieler Mächtiger dieser Welt, die ihre Schäfchen lieber in ihrem Elend ackern, als sich aufbegehren sehen.)

    Ich gehe das jetzt mal cronologisch durch ok?

    Ja so scheint die christliche Deutung, aber man sollte die Zeit bedenken, in dem er gelebt hat und wer diesen Mann zu einem weltfremden Moralprediger und Jenseits-Theologen umfunktionieren will, ein Mann der sich angeblich weigert, am verzweifelten Widerstand seiner Leute teilzunehmen, und das zu einer Zeit, wo die römische Habgier und Gewalt das gesamte Volk Israel zur Weißglut brachte, wo Tausende von Patrioten am Kreuz genagelt wurden die die „Götzenbilder“ des verruchten „Gott – Kaisers“ den Tempel schändeten, wer das im Namen der Theologie fertigbringt, der begeht einen Rufmord an Jesu selbst, eine Schmähung. die dieser Mann nicht verdient hat.

    Die Kirche verschweigt auch gern Jesus deutliche Haltung zu den jüdischen Gesetzen jener Zeit

    Ja, er war ein Volljude, mit allem, was dazu gehörte, er predigte in Ihren Synagogen, er wurde von den Jüngern Meister oder auch Rabbbi genannt. Nur wer als Jude in einem vom Feind besetzten Land lebt oder gelebt hat, kann sich in die Denkweise dieses Mannes hineinversetzen, ganz Israel verfiel damals in drei Gruppen, die Masse der Mutlosen, für die das nackte Überleben wichtig war, die Überläufer, die sich für ein „Linsengericht“ dem Römern verkauften, und die Starken, für die ein Leben ohne Recht und Freiheit sinnlos war.

    Jesus war GEGEN die nackte Waffen – Gewalt, aber weder aus „Weltflucht“ noch aus Feigheit, sondern aus kühler Berechnung.

    So, den Rest morgen…..

  38. #38 von WissenistMacht am 01/04/2011 - 00:23

    #37 Zahal:

    Ja, Mitternacht rückt näher schon…

    Wir hängen ja eine Stunde nach. Morgen ist auch wieder ein Tag. Gute N8, Zahal 😉

  39. #39 von Zahal am 01/04/2011 - 00:27

    Gute Nacht allen 🙂

  40. #40 von ilex am 01/04/2011 - 01:59

    Am wahrscheinlichsten ist für mich die Theorie, dass Jesus ein Aufständischer war, der natürlich erst im Untergrund wirken mußte und seine wahren Absichten in dunklen Gleichnissen verkündete, quasi Chiffren für Eingeweihte. Bis er dann am Pessahfest so um 32 zuschlug und immerhin den Tempel besetzte, was nur gewaltsam möglich war. Eine namhafte Streitmacht (1 Kohorte – von 90, die es gab) überwältigte ihn. Vor Pilatus bekannte er stolz seine Absichten und so ist die überlieferte Kreuzesinschrift ja auch deutlich (INRI).

    Mit seiner Bergpredigt wollte er natürlich Anhänger rekrutieren und ob das immer so wortgetreu später aufgezeichnet wurde? Der eigentliche Schöpfer des Christentums ist ja bekanntlich nicht er, sondern Paulus.

  41. #41 von indianerjones am 01/04/2011 - 03:51

    #37 von Zahal am 01/04/2011 – 00:17

    @
    Gute Darstellung von Jesus, gefällt mir, wobei ich damit sicherlich nicht alleine dastehe. 🙂

  42. #42 von indianerjones am 01/04/2011 - 03:57

    #40 von ilex am 01/04/2011 – 01:59

    @

    Darf ich da soweit vordringen, das die unkulturellen Moslems es den kulturellen Römern nachwollen machen.?

    Natürlich nur versuchen, denn diese schäbigen, unheilvollen Seelen sind nie und nimmer in der Lage dazu. 😈

    Gruß

  43. #43 von X-Wing am 01/04/2011 - 10:38

    #37 von Zahal am 01/04/2011 – 00:17
    ….und das zu einer Zeit, wo die römische Habgier und Gewalt das gesamte Volk Israel zur Weißglut brachte,

    Ja ja, die bösen Römer. Das erinnert mich doch stark an die berühmte Szene aus „Das Leben des Brian“ wo die „Palästinensische Befreiungsfront“ tagt und der Vorsitzende fragt: „Was haben die Römer je für uns getan?!“


  44. #44 von Zahal am 01/04/2011 - 12:22

    Hier kann ich erst heute Abend ausfürlhich antworten.

    #43 von X-Wing am 01/04/2011 – 10:38

    Ja ja, die bösen Römer.

    Die Viadukte und die Strassen haben die Römer sicherlich nicht aus Freundschaft mit Israel gebaut, es ist erwiesen, daß sie, gerade weil damals der Kaiser zugleich auch Gott war, den Juden aber „nicht heilig“ war, ein furchtbares Unterdrückungssystem beherrschten. Es gibt zu Pontius Pilatus gute Charakterbeschreibungen, na ja, und unter Hitler war ja auch nicht allles schlecht, hat der nicht die Autobahnen und so?

    Die medizinischen Erkenntnisse stammen auch sicherlich nicht von dem Römern, sondern sind den Griechen und den Persern geschuldet

    Das soll jetzt kein persönlicher Angriff sein, wir sollten das Thema nicht ZU bierernst nehmen, aber ich versuche hier, das vorzutragen, was ich an jahrelanger Literatur gelesen und verstanden habe.

  45. #45 von Postumus am 01/04/2011 - 14:57

    #28 von WissenistMacht am 31/03/2011 – 21:15

    Perfekt gemacht! 🙂

  46. #46 von plapperstorch am 01/04/2011 - 15:05

    #45 von Postumus

    Is aber ein echter Gutti, denn es stammt von Johannes Maria Lehner

    http://www.atheisten-info.at/downloads/Bergpredigt.pdf

    Da hat WiM nur die Quelle vergessen 😆

  47. #47 von WissenistMacht am 01/04/2011 - 15:44

    #46 plapperstorch:

    Richtig, das stammt aus meiner Materialsammlung zum geplanten Artikel. So entstehen schlimme Verdächte! Bei Publikation kommen die Quellen schon hinzu. 😦

  48. #48 von plapperstorch am 01/04/2011 - 15:45

    @ WiM

    Ich hab doch gesagt … nur vergessen.

  49. #49 von plapperstorch am 01/04/2011 - 15:46

    PS das kursiv hat es doch schon angezeigt, für mich zumal.

  50. #50 von Zahal am 02/04/2011 - 00:05

    Nun habe ich eigentlich allen antworten wollen, bin aber durch einen anderen Beitrag abgelenkt worden, versprochen morgen gibt es meine Antworten.

    #45 von Postumus am 01/04/2011 – 14:57

    #28 von WissenistMacht am 31/03/2011 – 21:15

    Perfekt gemacht!

    Warum? Wegen der zahalschen Länge oder einfach, weil die Aussagen richtig sind?

  51. #51 von WissenistMacht am 02/04/2011 - 00:10

    #50 Zahal:

    Auf die warte ich schon mit Spannung. Aber Du kannst Dir auch bis Sonntag Abend Zeit lassen, da ich morgen mit Weibi ausfluge, oder so! 🙂

  52. #52 von Zahal am 02/04/2011 - 17:28

    WiM,

    jetzt versuche ich es einfach einmal.

    Weiter forderte Jesus Opfergaben an die Priesterschaft ohne Heuchelei abzugeben. Eine schöne Regel. Aber warum soll einem Gott überhaupt ein Opfer gebracht werden? Warum soll zu seinen Ehren ein Tier verbrannt werden? Die Unsinnigkeit dieser lebensverachtenden Kulthandlung widerspricht der Ethik im ersten Teil der Predigt. (Und glauben Sie mir, das Alte Testament meinte kein symbolisches Opfer, kein symbolischer Akt der Demut, sondern das physische Verbrennen eines Lebewesens.)

    An welcher Stelle geschah dies? War es nicht Jesus, der im Tempel die Tische der Geldwechsler und Taubenverkäufer umgeworfen haben soll ? Ausserdem wurden die Tiere vorher geschlachtet. Zu der Zeit wurden in anderen „Kulturkreisen“ noch Menschenopfer dargebracht, siehe Moloch, man verdammt diese Dinge heute als menschenunwürdig, vergisst aber die Zeiten, in denen dies geschah, mit der Zerstörung des Tempels gab es dann keine Opfer mehr, weder Tier noch andere.

    Diese „Kulthandlungen“ wurden zudem übernommen und sind nicht urjüdisch. mehrere jüdische Feste sind kanaanäischen Ursprungs. Ähnlich haben die israelitischen Stämme aus der Wüste keinen Opferkult mitgebracht. Sie haben von den Kanaanäern gelernt. Der Prophet Amos fragt sein Volk herausfordernd:

    „Habt ihr mir Schlacht- und Speiseopfer dargebracht in der Wüste vierzig Jahre lang?“ (5,25).

    Der Protest gegen die Opfer hat sich wiederum auch in den Psalmen niedergeschlagen, etwa in Psalm 40 (V.7-9):

    „Schlachtopfer und Speiseopfer gefallen dir nicht,
    Brandopfer und Sündopfer forderst du nicht.
    Deinen Willen zu tun, mein Gott, begehre ich,
    und dein Gesetz trage ich in meinem Herzen.“

    Oder hier: Liebe will ich, nicht Opfer, Erkenntnis, nicht Brandopfer (Hosea 6,6)

    Und in Psalm 51, :

    „Schlachtopfer begehrst du nicht,
    und gäbe ich Brandopfer, sie gefielen dir nicht.
    Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerbrochener Geist,
    ein zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten.“

    Doch trotz all dieser Erwähnungen gewann der Opferkult im Tempel in der Zeit nach dem babylonischen Exil, also seit ungefähr 500 v.Chr. noch mehr an Gewicht in der älteren Epoche, und entsprechend wuchs auch die Macht der Priester. Das hing auch damit zusammen, daß das jüdäische Gebiet sehr klein geworden war und nur noch die Landgemeinden rund um die Stadt Jerusalem umfaßte. Der Tempel und der Kult waren das Einzige, was die Nation noch zusammenhielt.

    Jesus warnte vor Ehebruch und bescherte seinen Zuhörern gleich eine pauschale Schuld unerhöhrten Ausmasses: (Mt. 5,28): „Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“ Warum soll bereits der Gedanke an sich schlecht sein? Wie können wir elementare Wünsche und ganz natürlich auftauchende Begierden aus unserem Kopf fernhalten? Unmöglich! Besteht die lobenswerte Tat nicht gerade darin, seine biologischen Gelüste im Zaun zu halten?

    Auch hier scheint etwas nicht zu stimmen. „Frau“ heisst auf griechisch als Sammelname aller weiblichen Wesen, auf hebräisch heisst jedoch „Ischah“ im allgmeinen nur eine verheiratete Frau, die zur Jesu Zeiten schon von Weitem durch ihre Haube oder Schleier erkennbar war, was damals die Regel war, so wusste also jeder Mann auf Anhiieb, wer noch „zu haben“ war und wer nicht. Und da man bekanntlich mit keiner Ledigen die Ehe „brechen“, muss Jesus mit „Ischah“ eine Ehefrau gemeint haben, denn ein Junggeselle, der eine junge Frau nicht begehrenswert findet, sollte eigentlich zum Psychiater gehen. 😉 🙂

    Der Rest gleich……

  53. #53 von plapperstorch am 02/04/2011 - 17:47

    Ich befürchte es :mrgreen:

  54. #54 von Zahal am 02/04/2011 - 18:28

    Mit Zitaten dieser Art hat die katho-
    lische Kirche den Gläubigen ihre Sündhaftigkeit während Jahrhunderten immer wieder vor Augen geführt und sie mit Gewissensnöten an sich gebunden.

    Stimmt, aber es beruht tatsächlich auf ein Missverständnis aus der Septuaginta, allerding konnte die Kirche somit ihre Schäfchen schuldbewusst und sündenvoll manipulieren.

    Jesus predigte weiter (Mt. 5,29): „Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Abfall verführt, so reiß es aus und wirf’s von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.“ Unzählige Interpretationen dieses dummen Spruches irren durch die theologischen Lehrbücher. Beson-
    dere Weisheit und Menschlichkeit erkenne ich nicht in diesem Bibelvers.

    Auf Anhieb klingt das erst einmal wie ein Fall für einen Augenarzt, der mehr mit Medizin als mit Moral zu tun hat. Was hier nur allzu wörtlich übersetzt wurde, sind zwei Hebräismen: Gutes Auge bedeutet sinngemäss, wohlwollend, freigebig, schlechtes Auge, also der Abfall: steht für Neid, Missgunst und Geiz, und ausreissen sollte nur symbolisch dargestellt werden. Mit anderen Worten, wenn dich Geiz, Mussgunst und Neid auffressen, so lass ab und wirf diese Dinge von dir….. Jesus hat fast immer in Gleichnissen gesprochen, die erst klarer werden, wenn man sie in das Sprachverständnis der Hebräismen zurückversetzt. Ja, viel Unheil wurde angerichtet, viel menschen moralisch und seelisch ruiniert…..

    Anders haben es zahllose Priester in der vergangenen Jahrhunderten verstanden: Da wurde schnell mal eine Hexe aus dem Volkskörper gerissen und verbrannt, damit dieser nicht ganz verderbe.
    (Mt. 5,32) „Wer sich von seiner Frau scheidet, … der macht, dass sie die Ehe bricht; und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe.“ Mit diesen Worten meinte Jesus – wie übrigens alle Prediger jener Zeit – ein Mann dürfe sich von seiner Frau trennen, aber eine Frau nicht von ihrem Mann. Frauen waren also nach wie vor der Willkür ihrer Männer hilflos ausgeliefert und waren sie einmal geschieden, hatten sie keine soziale Unterstützung zu erwarten. Für eine Frau jener Zeit das Urteil für ein Leben im Elend oder den Tod. Eine geschiedene Frau soll – Zitat Jesus – unverheiratet auf der Strasse stehen gelassen werden. Welches Elend verursachte diese Jesusregel zu einer Zeit, als eine Frau ohne Mann kaum überlebensfähig war!

    Auch das kann ich mir nicht vorstellen, aber was er damit wirklich gemeint hat, müsste ich mich noch erkundigen, was aber so manche Fehlübersetzung dem Frauenbild in der hebräischen Bibel angetan hat, kann man vielleicht aus dem 31. Kapitel der „Sprüche Salomo“ erkennen:

    Wem eine tüchtige Frau beschert ist, die ist edler als kostbare Perlen (31,10)

    Und schon haben wir sie, die tumbe, passive, objektartige jüdische Frau, welch eine patriarchalische, barbarische Gesellschaft.

    Im hebräischen Original heisst es dagegen klipp und klar: „Eschet chail mi jimza“ und das heisst, eine tapfere Frau – wer findet sie? Die Botschaft sollte klar sein, schon in dieser Zeit gab es (wie Maria Magdalena übrigens) erfolgreiche, unabhängige Frauen, und jede Ehe wurde und wird noch heute mit einem Heiratsvertrag abgeschlossen, die der Braut auch bei Scheidung ein weiteres einigermassen gesichertes Leben gewährleistet.

    Wie sehr die Frauen im Judentum geachtet werden, kann man auch aus der allwöchentlichen Sabbatliturgie erkennen: Eine immergrüne Liebeserklärung des Familienvaters vor dem gesamten Haushalt.

    Bei solchen Korrekturen handelt es sich also nicht nur um Wortklauberei, sondern um eine essenzeille Richtigstellung im Sinne der originalen Absicht – schliesslich geht es um das Selbstwertgefühl der Frau, um ihren Stellenwert in Gesellschaft und Familie, ihren Mann zu stehen, wussten die biblischen Frauen allemal, ganz ohne Absicherung der heutige Wohlstandsgesellschaft, siehe Esther, Deborah und einige andere berühmte Frauenfiguren im Judentum.

  55. #55 von ilex am 02/04/2011 - 19:27

    # 52 und # 54 – Zahal

    Interessant zu lesen.

    Bin immer verwundert, ob hier oder in anderen Foren, wie Menschen einfach gezwungen sind, ihr Desinteresse zu verkünden wie # 53 hier. Muss etwas tief im Unbewußten sein. :mrgreen:

  56. #56 von Zahal am 02/04/2011 - 19:47

    (Mt 5,39) „Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.“ – Wehre dich also nicht gegen deine Unterdrücker!

    Das wird morgen im Beitrag erklärt…..

    Zum Rest:

    Es sind wohl die „Bedenken“ und „Schlussfolgerungen“ von jemanden, der die ganze Sache wörtlich nimmt und zu Recht fragt, was das alles mit heute zu tun hat, wie gesagt, ich bin kein Neutestamentarler und ich denke, es gab viel zu viele „Korrekturen“ der Überlieferungen, so daß der eigentliche Jesus und seine Worte heute gar nicht mehr richtig erkennbar sind. Aber das, was aus verschiedenen Quellen überliefert wurde und sich deckt, sollte man schon als Lehre (im Sinne von, es ist wahr, diese Worte gab es) in Betracht ziehen.

    Wenn man dann auch noch das Thomasevangelium zur Hand nimmt, wird es noch konfuser, dieses ist ja bei Nag Hammadi gefunden worden und zeigt eher ein gnossische Ausrichtung.

    Auch zum Judasproblem gäbe es einiges zu schreiben. 18 Jahrhunderte lang galten die Juden (bei einigen heute noch) als „ungläubig'“ und „geldgierig“ (vor kurzem erst noch HIER gelesen) , weil ein gewisser Judas angeblich „30 Silberlinge“ für die Auslieferung Jesus erhielt.

    Als „Entlastungszeuge“ möge der sogenannte „Lohn“ zur Wahrheit verhelfen.

    Zu Jesus Lebzeiten gab es wohl Denare, Minen, Schekel und Drachmen, aber keine Münze oder Währung, die als „Silberlinge“ bekannt waren, denn diese kamen schon dreihundert Jahre vor diesen Geschehen aus dem Umlauf. Interessant ist auch, daß das Schlüsselwort „Verrat“ im ganzen Evangelium nicht vorkommt, es geht vielmehr im griechischen Urtext um „paradidonai“, was wörtlich „dahingehen“ oder „überliefern“, eben diese Vokabel, derer sich Paulus bedient hat, um den Opfertod als „Selbstauslieferung“ zu beschreiben.

    Es gab ja auch nichts zu „verraten“, denn angeblich war Jesus doch täglich im Tempel um zu lehren, man bedurfte also kaum einen „Mossadagenten“ um ihn zu identifizieren, was das Wort „Verrat“ gerechtfertigt hätte.

    Zudem stellt sich die schreckliche Frage, ist das christliche Heil vom angeblichen Verrat eines Judas abhängi?

  57. #57 von plapperstorch am 02/04/2011 - 19:54

    Um Mossad geht es grad im Knut-Fred. War Judas auch vom Mossad?

  58. #58 von Zahal am 02/04/2011 - 20:19

    #40 von ilex am 01/04/2011 – 01:59

    Am wahrscheinlichsten ist für mich die Theorie, dass Jesus ein Aufständischer war, der natürlich erst im Untergrund wirken mußte und seine wahren Absichten in dunklen Gleichnissen verkündete, quasi Chiffren für Eingeweihte. Bis er dann am Pessahfest so um 32 zuschlug und immerhin den Tempel besetzte, was nur gewaltsam möglich war. Eine namhafte Streitmacht (1 Kohorte – von 90, die es gab) überwältigte ihn. Vor Pilatus bekannte er stolz seine Absichten und so ist die überlieferte Kreuzesinschrift ja auch deutlich (INRI).

    Jesus wurde in der Tat als „König der Juden“ nach römischem Gesetz hingerichtet, er war wohl eine Gefahr, sei es für die Römer, aber auch ein Feind der Priesterkaste, den Sadduzäern, nach seiner Lehre zu urteilen aber gehörte er wohl zumindest in Teilen dem Zweig der Pharisäer an, seine Aussprüche erinnern sehr gut an den berühmten Rabbi Hillel.

    Die Art der Hinrichtung war nach der Lex Julia Majestatis für zwei Arten von Schwerverbrechen vorgesehen; entlaufene Sklaven und Rebellen gegen das Kaiserreich in den Provinzen, Rebellenkreuzigungen waren nicht selten zu dieser Zeit. Josephus berichtet, daß in den Bergen zweitausend Rebellen gekreuzigt wurden, und unter Kaiser Augustus im Jahre 6 ein Volksaufstand ausbrach, der in einem Blutbad und weiteren Massenkreuzigungen erstickt wurde. Pontuis Pilatus werden nach Schätzungen ca. 6000 Juden angelastet, die meist nach einem kurzen Prozess oder sogar ohne hingerichtet wurden.

    So zentral war auch der Rebellentod im Denken Jesus, daß er es fünfmal wiederholte: Wer sein Kreuz nicht auf sich zu nehmen bereit ist, der kann mir nicht nachfolgen, das sagt doch schon sehr viel oder?

    Diese Aussagen wurden dann auch später von den Kirchenvätern, wie so vieles andere, der Realität entrückt und in das Reich der Allegorien eingeordnet. Was es zu Jesu Zeiten bedeutete, war aber viel einfacher und bluternst.

    Mit seiner Bergpredigt wollte er natürlich Anhänger rekrutieren und ob das immer so wortgetreu später aufgezeichnet wurde? Der eigentliche Schöpfer des Christentums ist ja bekanntlich nicht er, sondern Paulus.

    Paulus hat sich mehr mit dem „nachösterlichen“ Jesus beschäftigt, übrigens waren es meist jüdische Gemeinden, in denen er Erfolg hatte, bei der „Heidenmission“ war er gar nicht so erfolgreich, Paulus war wohl der Träger, aber man muss auch bedenken, daß die ersten „Judenchristen“ selbst vom Römischen Reich verfolgt und getötet wurden, das eigentliche Christentum ist wohl dann erst noch viel später entstanden und die Evangelien wohl auch judenfeindlich umgeschrieben.

    Man kann es ja nicht rückgängig machen, es war so – danke auch für dein Interesse, ich schreibe diese Dinge zum ersten Mal selbstständig auf.

    Was wir machen können, aus diesen Fehlern lernen.