Wendehälse

Wenn der Stuhl des Despoten wackelt, schlägt die Stunde der Wendehälse. Wir kennen das noch vom Untergang der Ostzone und können ähn liches jetzt in Libyen beobachten. Mancher Nutznießer der Diktatur entdeckt plötzlich die Moral, fällt seinem früheren Gönner in den Rücken und empfiehlt sich damit gleichzeitig als Günstling des nächsten Diktators, wer immer das sein mag. Zahlreiche Botschafter Libyens wählen zur Zeit diesen Weg, und auch Gaddafis Protokollchef (Foto) bezichtigt seinen ehemaligen Führer jetzt des Völkermordes. Angesichts des Bildes fragt man sich, ob der ganze Gaddafistamm so eine Freakshow ist?

Auch hohe Militärs entdecken bei veränderlichen Kräfteverhältnissen ihre Liebe zum unterdrückten Volk. Besonders interessant ist dabei der übergelaufene Generalmajor  Suleiman Mahmoud, zu dem unser Leser Plapperstorch einige hochinteressante Informationen beizusteuern hat. Mahmoud ist bei den Aufständischen in Tobruk, und das scheint nicht zufällig zu sein. Hier hatte einst Hitlers General Rommel seine Basis für den später gescheiterten Afrikafeldzug. Und tatsächlich ist der Generalmajor ein glühender Verehrer des Generals und betreibt zu dessen Ehren sogar eine eigene Webseite.

Das sind schöne Aussichten für die neue „Demokratie“ in Libyen. Unsere Prognose: Das Land, das nicht einmal eine Verfassung hat und nur durch die Gaddafidiktatur zusammen gehalten wurde, wird in einzelne Stammesgebiete zerfallen, die sich einen erbitterten Krieg um die Ölvorkommen in der Wüste liefern werden. Hier entsteht ein zweites Somalia – allerdings eines mit lebenswichtiger Bedeutung für Europa.

  1. #1 von Arik1957 am 25/02/2011 - 19:43

    Das sind schöne Aussichten für die neue „Demokratie“ in Libyen.

    Ich bezweifle, dass die überhaupt wissen, was Demokratie ist, wenn schon die arabische Sprache keine Übersetzung für dieses Wort hat

  2. #2 von Abu Sheitan am 25/02/2011 - 19:53

    Ist das nicht der Guttenberg auf dem Foto, als sich gerade sein Ghostwriter geoutet hatte?

  3. #3 von ilex am 25/02/2011 - 20:03

    Erinnert mich etwas an den 20. Juli 1944, wo hohe Militärs sinngemäß sagten: „Mitmachen ist nicht. Aber wenn ihr Erfolg habt, wechseln wir auf eure Seite.“ So wechseln jetzt mehr und mehr alte Qadhafi-Leute die Seite, je mehr der Erfolg der Revolte sich abzeichnet. Kann eben darauf hinaus laufen, dass die alten Strukturen unter neuen Namen und etwas moderaterer Geschäftsführung die Sache weiter machen.

  4. #4 von WissenistMacht am 25/02/2011 - 20:11

    #1 Arik:

    hat denn die Deutsche Sprache ein Wort für Demokratie?

    Arab. dimokratiyya ist genau so ein Lehnwort aus dem Griechischen wie bei uns 🙂

    Lies meinen Artikel auf QQ dazu.

  5. #5 von Zahal am 25/02/2011 - 20:16

    Nicht nur die libyschen Militärs und Politiker, auch unsere Journalisten gehören zu den Wendehälsen

    HERRN HIPPLER FÄLLT ETWAS AUF !

    Nah-Ost Experte Jochen Hippler, ZDF Tagesthemen, 24.2.2011:

    „Man kann heute wohl sagen, daß es sich hier (im Nahen Osten; Red.) nahezu sämtlich um repressive Diktaturen handelt … und seid heute nachmittag weiß man auch, daß Gaddafi tatsächlich ein Psychopath ist“.

    Das nenne ich ERKENNTNIS ! – Diese Dummschwätzer haben ganze Karrieren darauf aufgebaut, immer nur einen Satz in allen möglichen Variationen auszuposaunen: Daß der einzige und zentrale Konflikt in den Nah-Ost Ländern derjenige a) zwischen Arabern und Israelis ist und b) daß Israel an allem Schuld sei.

    Im übrigen hatten sie über die Jahre gutmütige Geduld mit diesen Diktaturen, besonders dann, wenn sie antiamerikanisch waren. Auf diese Weise konnten sie sogar Saddams Abu Ghureib jahrzehntelang übersehen, obwohl dort von früh bis spät gefoltert wurde.

    Und cross over waren sie alle in Bagdad beim großen Führer und ließen sich den Tigris Fisch schmecken: Der Neo-Nazi Kühnen und die RAF, Professor Gottstein + Norman Paech wie auch Horst Mahler: die Peinsackparade eines Querfront-Projekts. 🙂 Norman Peach, nicht Freund von Gaddafi……

    Nun aber haben, was sie verhindert wissen wollten, ihre vielzitierten arabischen Massen klar erkennbar beschlossen, zunächst und vor allem sich ihrer eigenen unmittelbaren Peiniger zu entledigen; von Israel war dabei bis heute kaum die Rede, von den USA noch viel weniger.

    Dafür kommt drohend aber die Rede immer mehr auf Europa: auf das Mittelmeerunion-Projekt, auf die Ölgeschäfte, die Waffenlieferungen in Höhe von 345 Mio. Euro an Gaddafi – und bezogen auch auf die Flüchtlingsfrage. Schlimm auch und demnächst noch schlimmer: Der Benzinpreis wird erheblich steigen und jede Rechnung der Kommunen und der Finanzminister Europas durcheinander bringen. Der Export wird also leiden – und das mit Vorverträgen von langfristig über 120 Milliarden allein in Libyen engagierte Italien, wird wohl bald ganz kolossal unter den EURO-Rettungsschirm kriechen müssen.

    Wie gern hätten sie nur, diese feige und verlogene Bagage, den Judenstaat dafür geopfert, um nur eine Runde weiterzukommen wie bisher!

    Tripolis vor der Türe, sind aber nur selber jetzt dran !

  6. #6 von Markus13 am 25/02/2011 - 20:19

    Ein Wort nicht, aber einen Satz : Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.

    (GG, Art. 20 Abs.3) Kann man in der Realität werten, wie man will, aber
    Gesetz ist Gesetz. 😉
    In Libyen sind die momentan näher dran, auch wenn die Begleiterscheinungen
    nicht positiv stimmen. 😦

  7. #7 von aishe am 25/02/2011 - 20:19

    So wichtig ist Lybiens Öl nun auch wieder nicht.Macht nur einen kleinen Teil aus,Russland reibt sich schon die Hände.

  8. #8 von Arik1957 am 25/02/2011 - 21:17

    Russland reibt sich schon die Hände.

    So ein Quatsch !!!
    Russland kann zwar seine Förderquoten erhöhen, aber nicht mehr Öl nach EU exportieren. Sie sind auf Pipelines angewiesen.
    Die Saudis werden mehr fördern, schon damit der Ölpreis nicht zu hoch wird. Dies schdet nämlich China

  9. #9 von Jeremias am 25/02/2011 - 21:19

    GFM Rommel wurde geselbstmordet. Nach dem 20. Juli 1944. Also auch einer jener Offiziere, der nur wusste, daß etwas im Gange ist. Aber nicht genau was.

    Und bei den Engländern wird er heute noch als faierer Gegner auf dem Schlachtfeld geehrt.

    Er wollte seine Familie aus dem Schußfeld halten. Ist das nicht ehrenwert?!

  10. #10 von Jeremias am 25/02/2011 - 21:21

    Was kann Rommel dafür, daß er einen solchen Verehrer hat?!

  11. #11 von plapperstorch am 25/02/2011 - 21:36

    Ich habe gestern ein Interview mit Suleiman dem Rommel-Fan gesehen. Der Mann machte auf mich einen guten Eindruck. Jetzt baute er eine neue Armee auf. Das kann natürlich dauern.

    Noch was zu Nouri al Masmari (der Protokollchef Ex): Der Typ ist noch durchgeknallter als Gaddafi, aber er tut mir leid. Während er in Paris in Sicherheit sitzt, hat man seine beiden Töchterlein entführt und er soll erpresst werden seine Aussagen zu widerrufen.

  12. #12 von johannwi am 25/02/2011 - 22:54

    Unglaublich: Alke Wirth verdreht in der taz völlig die Fakten und konstatiert: Es gibt kein Multikulti-Problem mehr mit türkisch-arabischen Migranten, weil die “Revolutionen” in der arabischen Welt plötzlich unsere böse “rassistisch-islamophobe” Sicht verändert haben….
    Kommentieren?

    http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/von-intensivtaetern-zu-symphatietraegern/

  13. #13 von Rechtspopulist am 25/02/2011 - 22:59

    Man ist 2 Wochen krank, schaltet die Mühle wieder ein – und was entdeckt man?

    „Die Welt als Wille und Irrenhaus“ 🙂

  14. #14 von Antifo am 25/02/2011 - 23:00

    Zum Thema Wendehälse kann dieses Video empfohlen werden:

    Es zeigt die heftigen Widerstände gegen den Vortrag einer NGO-Sprecherin vor dem UN Menschenrechtsrat am 16. September 2010, die über ihre Folterung in libyscher Gefangenschaft berichten wollte. Konkret ging es um die Nachverhandlung des Falles der bulgarischen Krankenschwestern, denen vorgeworfen worden war, daß sie Patienten absichtlich mit HIV angesteckt hätten.

  15. #15 von WissenistMacht am 25/02/2011 - 23:21

    #13 Rechtspopulist:

    Herzlich willkommen zurück. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, weil ich auch auf dem Schwarzen Kanal nichts mehr von Dir gelesen hatte.

    Ich hoffe, dass alle Gebrechen beseitigt sind 🙂

  16. #16 von antifo am 25/02/2011 - 23:34

    UN Menschenrechtsrat empfiehlt Suspendierung Libyens
    http://wp.me/pt2oW-vc

    Weshalb hatte Libyen überhaupt einen Sitz im UN Menschenrechtsrat?

  17. #17 von gw am 26/02/2011 - 01:02

    #16 von antifo am 25/02/2011 – 23:34
    UN Menschenrechtsrat empfiehlt Suspendierung Libyens
    http://wp.me/pt2oW-vc

    Weshalb hatte Libyen überhaupt einen Sitz im UN Menschenrechtsrat?

    Weil es gut zu den anderen Mitgliedern dieses Gremiums passte. Soweit ich weiß Saudi Arabien, Kuba und ähnliche Verbrecher. Jedenfalls diese Preisklasse.

  18. #18 von einteilvonjenerkraft am 26/02/2011 - 01:08

    Das Land, das nicht einmal eine Verfassung hat
    Großbritannien und Israel haben übrigens auch keine.
    Und tatsächlich ist der Generalmajor ein glühender Verehrer [Rommels] … Das sind schöne Aussichten für die neue „Demokratie“ in Libyen. Unsere Prognose: Das Land …wird in einzelne Stammesgebiete zerfallen,
    Ich denke mir dass ein glühender Rommel-Verehrer alles daran setzen wird dass diese Prognose nicht eintritt. Revolutionen (zumal im arabischen Raum) sind kein Wünsch-Dir-Was, und es gibt Schlimmeres was der Mann verehren könnte.

  19. #19 von plapperstorch am 26/02/2011 - 10:19

    Moin! Kurzer Stand der Dinge:

    Az-Zawiyah, 50 km westlich von Tripolis, scheinz nun auch fest in der Hand der Gaddafi-Gegner zu sein. Dort sind Teile des Militärs übergelaufen. Eine Vororte von Tripolis sind bereits von Demonstranten vereinnahmt worden. Die sollen bereits bis in den Stadtteil Bab al-Azizia vorgedrungen sein. Dort liegt die Kaserne, in der sich Gaddafi mit Clan anufhält. Dessen Sohn Saif al-Islam hat gestern eine Pressekonferenz angehalten. Tenor: alles halb so wild, im westen gäbe es nur 2 bis 3 Probleme. Auch die UN geht mittlerweile von weit über 1000 Toten aus. Inoffizielle Schätzungen liegen bereits bei über 2000. Ich vermute, heute werden es in Tripolis noch sehr viel mehr werden.

  20. #20 von Postumus am 26/02/2011 - 12:21

    #13 von Rechtspopulist am 25/02/2011 – 22:59

    Herzlich willkommen zurück: Sie wurden schon vermißt.