Der späte Sieg der Witwe Douglas

Immer wieder, mal mit guten Worten, mal mit Strafen versuchte die gute Witwe Douglas aus dem jungen Landstreicher Huckleberry Finn einen anständigen Menschen zu machen und ihm insbesondere das Fluchen auszutreiben. Millionen Leser verschlangen mit Vergnügen Mark Twains humorvolle Berichte über das stete Scheitern all dieser Bemühungen. Was weder Witwe Douglas noch die alte Tante Polly mit Rohrstock und Gebet schafften, vollbringt 100 Jahre nach Twains Tod die politische Korrektheit. Huckleberry Finn wird domestiziert.

Die WELT berichtet:

Gut 100 Jahre nach dem Tode Mark Twains erscheinen seine beiden bekanntesten Bücher in den USA jetzt in einer „politisch korrekten“ Version. Die neue Auflage der Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn werde um zwei „schädliche Beiworte“ bereinigt sein, teilte der Verlag NewSouth mit. Welche Worte das seien, ging aus der Erklärung allerdings nicht hervor. Es ist aber bekannt, dass die Worte „Nigger“ und „Injun“, die als Schimpfwörter für Schwarze und für Indianer gelten, nicht mehr in den Büchern vorkommen. Statt der 219 „N-Wörter“ soll jetzt einfach das Wort „Sklave“ im Text stehen, statt der „Injun“, das man vielleicht mit „Rothaut“ übersetzen könnte, „indian“. Scharfe Kritik kam von dem schwarzen Schriftsteller und Bürgerrechtler Ishmael Reed. Statt auf Wörterjagd zu gehen, sollten die Zensoren die 130 Jahre alten Bücher lieber mal lesen.

Lieber nicht! Wenn die Zensoren die Bücher lesen, verbieten sie Huck auch noch das Pfeiferauchen. Und Tante Polly muss zum Islam konvertieren.

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