Radio Bremen: Carrell unter Verschluss

Ein Kurzfilm in Rudi Carrells Tagesshow sorgte 1987 für einen Skandal und für die Schließung des Goetheinstituts in Teheran. Carrell hatte Revolutionsführer Khomeini in einem harmlosen Sketch veralbert. Zuviel für die junge islamische Diktatur. Und offenbar inzwischen auch zuviel für Deutschland Ende 2010: Produzent Radio Bremen verweigert die Herausgabe des historischen Dokuments für eine Ausstellung im Haus der Geschichte in Bonn zum Theme „Was darf Satire?“

Der WESTEN berichtet:

Jubelnde Frauen bewerfen Ayatollah Khomeini mit Damenunterwäsche – diese Bildmontage zeigte Rudi Carrell in seiner Satire-Sendung „Rudis Tagesshow“, ausgestrahlt von Radio Bremen. Sie löste einen politischen Eklat aus: Teheran verwies zwei deutsche Diplomaten des Landes. Das war 1987, doch die Wut der islamischen Republik wirkt bis in die Gegenwart.

Die Ausstrahlung der Bilder habe damals zu Verletzungen geführt, das solle jetzt nicht wiederholt werden, teilte Ra­dio Bremen dem Bonner „Haus der Geschichte“ mit. Das Museum wollte den Sendemitschnitt für die Ausstellung „Spaß beiseite. Humor und Politik in Deutschland“ haben.

Dort steht die alte Frage „Was darf Satire?“ im Mittelpunkt. Kurt Tucholsky beantwortete sie bekanntlich mit dem Wörtchen „alles“. Er musste jedoch bald am eigenen Leib erfahren, dass das nicht jeder so sieht. Die Nationalsozialisten bürgerten ihn 1933 aus und verbrannten seine Bücher. In Diktaturen darf Satire längst nicht alles. In Demokratien anscheinend aber auch nicht, wie die Reaktion der Rundfunkanstalt Ra­dio Bremen zeigt.

„Jede Zeit hat ihren eigenen Humor. Und jeder Humor hat seine eigene Zeit“, sagt Hans Walter Hütter, Präsident im Haus der Geschichte. Im Fall des Fernsehmitschnitts von Radio Bremen haben die Bonner Historiker der Zensur allerdings ein Schnäppchen geschlagen. Statt des Originals präsentieren sie dem Besucher nun eine „Tagesschau“-Meldung zu den Folgen von Carrells umstrittener Iran-Satire. Den Brief des Senders haben sie ebenfalls ausgestellt.

Falls es in 20 Jahren noch solche Ausstellungen geben sollte, bleibt für die Nachwelt festzuhalten: Für das mit Zwangsgebühren finanzierte Fernsehen in Deutschland 2010 endet die Freiheit der Satire, wo der Islam anfängt.