Freimaurerei und Islamophilie – Teil 1

Gastbeitrag von Klaus Lelek

Weihnachtszeit Verschwörungszeit. Regelmäßig versorgen uns die Medien in den sogenannten Rauhnächten mit apokalyptischen Szenarien und Geheimbundfantasien. Nicht selten spielen dabei auch Freimaurer und Illuminaten eine Rolle. Finstere Gestalten die in schwarzen Kapuzenmänteln sich in irgendwelchen Grüften oder in düsteren Klöstern treffen, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Was der arglose Zuschauer nicht weiß: Erfolgreiche Geheimbünde operieren selten im Geheimen, und eine perfekte Verschwörung funktioniert am besten, wenn alle daran beteiligt sind.

So haben es die Freimaurer im 18. Jahrhundert geschafft, in aller Öffentlichkeit und per Gesetz, nicht nur die Kirche schrittweise zu entmachten, sondern auch das moderne Europa zu schaffen. Dass die Kirche dabei zu ihren härtesten Gegnern gehörte, ist eine fromme Legende. Allein im Erzbistum Mainz bestand die Hälfte des Domkapitels nebst Erzbischof, aus Freimaurern. Fast alle weltlichen Fürsten in Deutschland, bis hinauf zum katholischen Kaiser Franz Josef und den protestantischen preußischen Königen gehörten einer Loge an, und natürlich fast die gesamte geistige Elite der Aufklärung, angeführt von Goethe, Lessing, Herder, Fichte, Mozart, … Das gleiche gilt erst recht für das benachbarte Ausland, allen voran England und Frankreich. In beiden Ländern, die in Sachen islamistischer Unterwanderung Spitzenplätze eingenommen haben, ist die Freimaurerei auch heute noch ein wenig beachteter Machtfaktor. Knapp ein Drittel aller sozialistischen Abgeordneten unter Mitterand, die Wegbereiter des Multi-Kulti-Frankreich, sind oder waren Mitglieder des „Grand Orient“.

Beruhigend, wenn diese „Verschwörung“ nur „Theorie“ wäre…
Was waren das für Leute, die einerseits, alles was nach Weihrauch und Rosenkranz roch aus ihrem Leben verbannten, anderseits in nach gebauten Ruinen und abgedunkelten Räumen bizarre Riten zelebrierten, mit verbundenen Augen durch weitläufige Parks irrten, um dann geblendet von einer Karbidlampe mit einer Degenspitze auf der Brust in den Weltbund einer neuen Elite aufgenommen zu werden? „Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit sind der Mörtel des Tempelbaus“ so lautet auch heute noch eines der Dogmen dieser merkwürdigen Ersatzreligion, jener Melange aus Mysterienbund, mittelalterlicher Bauhütte, Templerorden, alchemistischer Zirkel und nicht zuletzt jüdisch-protestantischer Sekte. Obwohl den Nachfahren von König Salomon paradoxer Weise lange Zeit der Eintritt in die Logen verwehrt wurde, bedienten sich die Freimaurer eifrig aus dem Fundus des Judentums. Hierzu zählen hebräische Passwörter ebenso, wie das Nachempfinden des Jerusalemer Tempels. „Die Hiramlegende“ sowie die drei inneren Säulen im Zentrum eines Freimaurertempels – der Prager Synagoge entlehnt – vervollkommnen den jüdisch-christlichen Synkretismus.

Aber es gibt noch andere Elemente in den Logen, die in eine ganz andere Richtung weisen und die eindeutig islamischer Herkunft sind. Dazu gehört beispielsweise der sogenannte „Arbeitsteppich“. Er wird bei jeder „Arbeit“ – so nennen die Freimaurer ihre Rituale – mit sehr viel Brimborium aufgerollt und innerhalb der Initationsrituale vom „Suchenden“ (Novizen) mit drei rechtwinkligen Schritten überquert. Was den Muslimen als „Gebetsunterlage“ dient, ist für den Freimaurer „Bauplan und Brücke“ zum „GROSSEN BAUMEISTER ALLER WELTEN“ einer Art Übergott, von dem es heißt, „dass alle Menschen mit ihm übereinstimmen“ (Alte Pflichten von 1723)
Neben dem Teppich ist der sogenannte „Kubische Stein“ das wichtigste Symbol der auf dem Boden ausgebreiteten Elemente. Es gibt ihn in drei Ausführungen: Als unbehauener „rauher Stein“ Symbol des Lehrlings, als „behauener Stein“ Sinnbild des Gesellen und last not least als glatten schwarzen „Kubischen Stein“ Symbol des Meistergrades. Jeder „Meister vom Stuhl“ wird bei der Frage nach seinem Ursprung auf die Bauhütten des Mittelalters verweisen oder sich gar der christlichen Metapher vom „Eckstein“ bedienen. Jeder Maurer wird bestätigen, dass ein solcher würfelförmiger Stein praktisch ohne Nutzen ist. Er findet nur im Straßenbau Verwendung. Keine Frage: Hier handelt es sich nicht um einen „christlichen Eckstein“ sondern um die Kaaba“ dem, wem auch immer geweihten Stein der Muselmanen.

So kommt es nicht von ungefähr, dass eine Loge sich zwar „Bauhütte“ nennt, aber stets in einem „Orient“ liegt. Selbst wenn er Bottrop, Bingen oder Buxtehude heißt. Der Orient, (in diesem Fall der echte) besonders Ägypten war neben Jerusalem der zweite wichtige Ort für die „Morgenlandfahrer“ der Aufklärung. Hinzu kam die sich hartnäckig haltende Legende, dass sich die letzten Kreuzfahrer, die „Templer“ mit den Muselmanen verbrüdert hätten, – wodurch sie zu legendärem Reichtum gelangten – bis sie, einschließlich ihres Großmeisters Jakob Molay, von König und Kirche enteignet und hingerichtet wurden. Daneben war es vor allem das Erbe der Antike, allen voran die Pyramiden, die unglaublichen Reiz auf die „höfische Religion“ des 18. Jahrhunderts ausübten. Darüber hinaus kursierten allerlei Gerüchte von geheimen, im Orient beheimateten Bruderschaften, die bereits zu Voltairs Zeiten eine regelrechte Welle von „Geheimbund Literatur“ auslösten. Ein Bestseller aus dieser Zeit „Sethos“ wurde zur Vorlage von Schikaneders und Mozarts „Zauberflöte“. Auch Poteckis Schachtelroman „Die Handschrift von Zaragoza“ läßt islamisches Erbe „aufleuchten“.

In der Gestalt eines Dreiecks oder Pyramide kommt der „Baumeister aller Welten“ dem Gottesbild der Muslime sehr nahe. Das Christentum dagegen, bzw. dessen zentraler Gedanke von Tod und Auferstehung wird in Form antiker Mysterienbünde und einen um den Baumeister Hiram herum gebauten Initationsritus als individuellen Erlösungsweg verstanden. Damit nimmt die Freimaurerei den Supermarkt moderner Esoterik vorweg. Das katholische und orthodoxe Pantheon der Heiligen, an ihrer Spitze Maria, ist vollkommen verschwunden.
Was vielleicht am deutlichsten den orientalischen Charakter der Bauhütten unterstreicht:
Frauen ist der Zutritt zur Loge verwehrt.

So hat eine gesellschaftliche Elite im 18. Jahrhundert eine Art patriarchalischen Welttempel geschaffen in dem – ganz im Sinne von Freimaurer Lessing – alle drei „monotheistischen Weltreligionen“ Platz gefunden haben.

Die liberalen Kurfürsten der Pfalz, die bereits im 17. Jahrhundert einem Rosenkreuzerischen Zirkel unterhielten, ließen als erste in ihrem Schloßpark Schwetzingen eine Moschee errichten. Sie wurde noch in den 70ziger Jahren von der dortigen islamischen Gemeinde der sogenannten „Gastarbeitergeneration“ genutzt. Mit großer Wahrscheinlichkeit haben hier im 18. Jahrundert freimaurerische Zusammenkünfte stattgefunden. In den Chefetagen der Macht, sprich den Fürstenhäusern und ihren Freizeiteinrichtungen, den Freimaurertempeln, war der Islam im wahrsten Sinne „salonfähig“ geworden. Voltaire erkannte, dass diese Religion, die ein vom Orient berauschter Adel, als Vorstufe zum Paradies feierte, keine Alternative zum bereits abbröckelnden Christentum sein konnte. Voltaire schuf daher mit seinem Theaterstück „Der Fanatismus oder Mahomet der Prophet“ keine exotische Sumpfblüte, sondern wirft die von der Freimaurerei bis heute vernachlässigte Frage auf: Kann Toleranz eine Tugend sein, wenn ihr die Menschenliebe fehlt? Darf Intoleranz toleriert werden? Unter diesem Aspekt ist der von Islamkritikern viel zitierte, aber nur halb verstandene Brief an Friedrich den Großen – er war zu diesem Zeitpunkt bereits Großmeister seiner Preußischen Landesloge – ein philosophischer Gedankenaustausch unter Freimaurerbrüdern. Was in den Brief drin steht und welche geheime Botschaft er beinhaltet erfahrt ihr in Teil II.

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