Warum ist König Balthasar schwarz? – Teil 2

Gastbeitrag von Klaus Lelek
Wie das steinerne Dokument einer königlichen Blutschande als Heiligenporträt an einen Reliquienschrein kommt. Wie man mit abstrusen Theorien alles erklären kann. Warum sich die 5. Kolonnen Rotgrüner Intellektueller kaum von mittelalterlichen Scholastikern unterscheiden. Die Irrfahrt des Edelsteines weitererzählt und mit ein wenig Ironie gewürzt:

Dann eines Tages – wir schreiben das Jahr 1204 – wurde der wunderschöne Kameo auf unsanfte Weise aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Ein schlauer venezianischer Admiral war auf die glorreiche Idee gekommen statt gegen die Muselmanen zu kämpfen, den eigenen Bündnispartner Byzanz kaputt zu hauen, sowie die USA die Serben im Kosovo, und setzte daher ein komplettes Kreuzfahrerheer vor den Mauern von Konstantinopel ab. Den Rittern und ihrem Tross war es eigentlich schnurz egal, welche Stadt sie ausplündern sollten. Hauptsache man hatte anschließend was im Sack.

Die Untat wurde noch dadurch erleichtert, dass ein Großteil der Verteidiger Normannische Söldner waren. Diese hatten nach einer geschickten „Transaktion“ plötzlich alle Bauchweh, Kopfschmerzen oder Durchfall, so dass die Kreuzritter die Stadt schnell in ihre Gewalt brachten. Bald ergoss sich der Abschaum abendländischer Städte, Diebe, Zuhälter, freigelassene Mörder, Abenteurer, durch die Straßen der größten Stadt des „Christlichen Abendlandes“ und raffte zusammen, bis ihre Säcke platzten.

Ein Kriegsknecht aus dem flämischen Kreuzfahrerheer, landläufig „Brabantzonen“ genannt, zu dem auch eine Menge Kölner gehörten, riss eine Kaiserliche Schatztruhe auf und rief voller Freude aus: „Wat is dat dann! Dat is aba e schön Bildschen!“

Er packte „dat schön Bildschen“ in seinen prallvollen Sack, legte es zu den anderen Beutestücken, darunter auch griechische Bibeln, byzantinische Kreuze und Messkelche, und ab gings nach Kölle, das man damals noch mit C schrieb. Da der Kriegsknecht – ich stelle ihn mir wie Tom Gerhard vor – weder lesen und schreiben konnte, geschweige denn griechisch, verkaufte er seine Beute schon bald an den Welfenkaiser Otto. Dieser wiederum stiftete das Schmuckstück 1209 dem Dreikönigssschrein.

Das Kölner Domkapitel bestand aus gelehrten Leuten, die meist in Paris studiert hatten, sich also auf der Höhe der Wissenschaft befanden. Diese nahmen das Geschenk nur allzu gerne an.
Ein Gespräch unter mineralogischen Fachleuten des Hochmittelalters könnte sich damals etwa so angehört haben:

„Das ist kein gewöhnlicher Stein“ sagte ein Magister zu den Umstehenden. „Eine solche Arbeit stammt aus einer Himmlischen Werkstatt. Ihr müsst wissen, dass solche Achate und Sardonyxe keinesfalls Launen der Natur sind, sondern von Engeln angefertigt werden, die sie dann als Sternschnuppen auf die Erde werfen. Ich selbst habe schon Dutzende von diesen Regenbogensteinen ausgegraben. Manche von ihnen zeigen Abbildungen von Bäumen, Landschaften und Schlössern. In diesem Fall handelt es sich um das Porträt der heiligen Drei Könige. Bereits Plinius und der Philologus haben auf den göttlichen Ursprung einiger Edelsteine hingewiesen “ (frei zitiert nach Albertus Magnus)

„Wo bitte schön ist denn der dritte König?“ haben bestimmt einige Zweifler gefragt. Darunter vielleicht sogar ein Goldschmied. Handwerker sind immer etwas praktischer veranlagt als Theologen. „Der dritte König ist der bärtige schwarze Mann, am rechten Rand des Steines!“

Nach dieser fachmännischen Expertise eines gelehrten Scholastikers, der sich bei seiner Beweisführung nicht nur auf die Bibel sondern auch auf heidnische Autoren stützen konnte, war allen sonnenklar, dass es sich bei dem Kameo nur um das Himmlische Porträt der Heiligen Drei Könige handeln konnte. Zugleich war endlich der Beweis erbracht, dass einer der Heiligen drei Könige nämlich „Balthasar“ schwarz sein musste. Dies wiederum wurde halbwegs von der Heiligen Schrift gedeckt, denn „Balthasar“ heißt übersetzt der „Schwarzbärtige“. Hätten die Kölner geahnt, dass eigentlich das in Stein geschnittene Dokument einer Blutschande an ihrem Reliquienschrein prangt, hätten sie den Kameo wahrscheinlich im hohen Bogen in den Rhein geworfen und sich Stunden lang danach die Hände gewaschen. So mehrte es ihren Glauben.

Die Argumente der Scholastiker erinnern fast an die verquasten Kolumnen der heutigen linken Eliten, die mit haarsträubenden Theorien die Friedfertigkeit des Islams begründen wollen. Wer einen Beweis sucht, der findet ihn. Selbst wenn man mit zwei Flaschen Rotwein nachhelfen muss und anschließend noch über Rote Ampeln rast. Was als Ergebnis bereits fest steht, kann niemals mit gesundem Menschenverstand widerlegt werden. Nach dem gleichen Strickmuster gelangte der hochgelobte Philosoph Bloch zu dem Ergebnis das die Stalinistischen Säuberungen unbedingt notwendig waren und die Grünen gelangen zu der Erkenntnis, dass man sich auf keinen Fall für verfolgte Christen einsetzen darf, weil man dadurch andere Minderheiten benachteiligt… Das ist Scholastik anno 2010!

Dass dieser Stein jetzt ausgerechnet in Köln auftauchte, wurde von den Einwohnern der damals größten mittelalterlichen Stadt nördlich der Alpen als weiterer Beweis für seine wunderbare Herstellung gewertet. Wenige Jahrzehnte zuvor 1164 war ja gleichfalls wertvolle Kriegsbeute nach Köln gelangt. Nämlich die Gebeine der Heiligen drei Könige. Rainald von Dassel hatte sie von seinem Feldzug aus Mailand mitgebracht. Er war kein Brauereibesitzer, sondern der damalige Erzbischof von Köln, Erzkanzler des hochberühmten Kaiser Barbarossa. So fügte sich auf wunderbare Weise zusammen was zusammen gehört. Gebeine und der dazugehörige Edelstein. Fast so schön wie 1989 bei der Deutschen Wiedervereinigung.

Damit ist die Irrfahrt der Heiligen Hehlerware aber noch längst nicht zu Ende.
Wie sie weitergeht und wo sie endet erfahrt ihr in Teil 3.

Gastbeiträge geben die Meinung des Autors wieder, die nicht der der Redaktion entsprechen muss

Warum ist König Balthasar schwarz?  – Teil 1

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