Ralph Giordano: „Das empört mich“

Ralph Giordano und Mina Ahadi

Giordano mit der iranischen Menschenrechtlerin Mina Ahadi

87 Jahre und immer noch mit voller Kraft engagiert für unsere Freiheit und Demokratie. Anlässlich der Veröffentlichung seines autobiographischen Buches „Mein Leben ist so sündhaft lang“ gab Ralph Giordano der Nordwestzeitung aus Osnabrück ein Interview. Wir zitieren einige Passagen.

Triumph über den Terror:

FRAGE: Sie mischen gern und entschieden in vielen Debatten mit. Woher rührt dieses ungeheure Selbstbewusstsein?
GIORDANO: Ich habe als Jude die Nazizeit überlebt! Wenn ich bedenke, wie oft und wie lange ich auch später in meinem Leben bedroht wurde! Seit meinem publizistischen Beginn in den 50er Jahren wurde ich bedroht – immer von rechts! Aber: Ich lebe noch. Das ist mein Triumph über die Rechtsradikalen. Aber es ist für mich, den terrorgewöhnten Mann, neuer Terror hinzugekommen.

FRAGE: Sie meinen, dass Sie sich bei Ihrem Kampf gegen militante Muslime keine Freunde gemacht haben?

GIORDANO: Das Neue an der Bedrohung – und anders als bei den Rechtsradikalen – ist die religiös-fanatische Note. Ich verurteile bestimmt nicht die Muslime schlechthin. Ich will kein Türkenschreck sein, kein Anti-Muslim-Guru! Ich bin kein Angsthase, aber die schrecklichen Anrufe von laut „Allah!“ rufenden Leuten mit Schaum vor dem Mund schrecken mich schon.

FRAGE: Was motiviert Sie, weiterzumachen?

GIORDANO: Wenn ich spüre, dass da was die demokratische Verfassung gefährdet – dann stehe ich auf! Egal, ob es von deutscher oder muslimischer Seite kommt. Die Demokratie ist die einzige Gesellschaftsform, in der ich mich sicher fühle.

FRAGE: Sagen Ihnen politische Bezeichnungen wie links oder rechts noch etwas?

GIORDANO: Damit kann ich nichts mehr anfangen. Wer ist schon links? Sind das die Leute der politischen Korrektheit? Die haben z. B. das niederträchtige Argument, wer es wagt, islamische Auswüchse zu kritisieren, der mache die Sache der Nazis von heute.

FRAGE: Sie argumentieren nach wie vor vehement gegen Großmoscheen . . .

GIORDANO: . . . und bekomme Hunderte positiver, zustimmender Zuschriften! Alle von Leuten, die sich öffentlich nicht trauen, ihre Meinung kundzutun, weil man sie in die rechte Ecke gestellt hätte. Der Schulddruck lastet offenbar bis heute aus der Nazizeit auf den Deutschen. Und das wird schamlos instrumentalisiert, um Deutsche einzuschüchtern. Das empört mich.

Warum um Alles in der Welt hat ein Land, das über solche Persönlichkeiten verfügt, einen Christian Wulff zum Bundespräsidenten?