Das ist das Ende der Südstadt!

Skandal im Sperrbezirk! Im gelobten Land des linksgrünen Spießertums, da wo im Kölner Süden ehemalige Hausbesetzer heute in renoviertem Altbaueigentum in Rollatornähe ihrer früheren studentischen Stammkneipen residieren, ist kapitalistisches Unmenschentum eingebrochen. Auf dem Portal „Meinesüdstadt“ entsetzen sich die in die Jahre gekommenen ehemaligen Revolutionäre und Che-Verehrer:“Das ist das Ende der Südstadt, so wie sie einmal war. Jetzt gibt es keinen Unterschied mehr zu den anderen Stadtteilen. Wozu noch hier leben?“ „Die Illusion, dass die Südstadt ein verwunschenes Viertel mit Dorf ähnlichem Charakter ist, habe ich leider verloren.“ Was ist geschehen?

Ein Outdoorladen mit Spielzeugwaffen empört Anwohner der Kölner Südstadt

Mitten im Reservat der trinkfestesten Überlebenden der 68er Revolution in Köln hat ein Outdoor- und Zeitungsladen aufgemacht, der außerdem noch Selbstverteidigungsartikel und Softairwaffen, frei verkäuflich ab 14 Jahren, im Sortiment hat. Die Empörung der Linken kennt keine Grenzen:

„Als Bewohnerin der Elsaßstraße war ich die letzten Monate über ein echter Vorwitz, was sich wohl als Nachfolger in den ehemaligen Räumen des Schnelldreherladens einfinden würde. Als die gift-grüne Beleuchtung dann eines Abends die halbe Straße beleuchtete, machte sich ein ungutes Gefühl in meinem Bauch breit. Irgendwie hatte auch ich noch gehofft, ein Outdoorladen würde hier einziehen. Ich fand mich dann am Erföffnungstag abends mit dem Mund offen vor dem Laden wieder und konnte es einfach nicht fassen, was sich hier angesiedelt hat. Egal ob in unserer Südstadt oder anderswo: es ist mir ein Dorn im Auge.“

„Als ich gestern morgen am Schaufenster des Ladens vorbeifuhr, bin ich fast vom Rad gefallen… denn mir wurde schnell bewußt was denn konkret mit „Defense“ gemeint ist.“

„Das Geschäft ist eine Katastrophe und alle gemeinsam müssen etwas dagegen unternehmen! Die Politik und alle Anwohner der Südstadt sind aufgefordert, gegen die Etablierung eines derartigen Ladens vorzugehen und diesen nicht zu akzeptieren! Das Ziel: weg damit! Das so etwas möglich ist, ist ohne Worte!“

Manch einem scheint dabei nicht ganz klar zu sein, welche Gefahr von Softairwaffen tatsächlich ausgeht. Nur wenige Bürger versuchen, die Diskussion zu versachlichen:

„Ist das hier Satire oder echt ernst gemeint?
Der Laden hat jedes Recht dort zu sein und auch jedes Recht sein Angebot zu bewerben. Wo sind wir denn mittlerweile?“

„Softairwaffen die frei ab 14 sind, haben eine maximale Geschossenergie von 0,5 Joule. Wenn sie nun einen Stein nehmen, der 50 Gramm wiegt und diesen dann mit 10m/s (36km/h) werfen, haben sie die fünffache Energie einer Softairkugel. Ich persönlich hätte also eher Angst vor einem geworfenem Stein, als vor einer Softairkugel.“

Das kann die Gegner des absolut legalen Geschäftes nicht überzeugen. Es geht schließlich darum, zu verhindern, dass es überhaupt Menschen gibt (!), die mit „sowas“ ihr Geld verdienen. Kein Blabla von wegen Demokratie mehr. Die Affen aus der Südstadt jagen.

„SO EIN GESCHÄFT MÖCHTEN WIR NICHT!!!!!!
WEDER HIER IN DER SÜDSTADT NOCH SONST IRGENDWO!!!!!!!!!!
Wir sollten alle gemeinsam verhindern, dass es Menschen gibt, die mit solchen Produkten ihr Geld verdienen!!!!!
Alexandra Putlitz“

„dieses ganze bla bla bla von wegen demokratie, legalität, toleranz, spielzeug, erziehung und und und.
es ist und bleibt ein waffenladen und der sollte unter allen umständen unerwünscht und in keinster form toleriert werden.
Egal ob in der südstadt oder sonstwo.“

„Als wir Sonntag abend an dem Schaufenster vobeigingen wollten unsere Köpfe mit dem Schütteln nicht mehr aufhöhren.
Sofort rein in die Epicerie Boucherie wo Davide, empört über die neue Nachbarschft, dementsprechend reagierte und uns verschiedene Ideen unterbreitete, den Laden der Überflüssigkeiten wieder loszuwerden
So habe ich ihn noch nicht erlebt! : Wir müssen was gegen diese
Leute machen. Nicht nur reden, sondern wirklich gemeinsam diese Affen aus der Südstadt jagen!!“

Gänzlich aus dem Blickfeld gerät dabei die Tatsache, dass es sich in der Tat nur um gesetzlich erlaubte Spielzeugpistolen handelt:

„Und selbst, wenn die Nachfrage gering wäre, sind wenige verkaufte Waffen immer noch schlechter als gar keine verkauften Waffen.
Das darf auch nicht Diskussionsgrundlage sein.
Ein verkauftes Schnellfeuergewehr reicht einem Jugendlichen bei einem Amoklauf auch schon.“

„Wir waren geschockt, als wir am Samstag das Schaufenster voller Maschinenpistolen sahen. „

Eine besondere Gefahr wittern solche Experten dadurch, dass eben nicht jeder über genug Bildung verfügt, um den Unterschied zwischen einer Erbsenpistole und einer Kriegswaffe nicht zu kennen:

„“Vielen Dank für Ihre klaren Worte zur Eröffnung des Waffengeschäftes, die ich nur unterstreichen kann. Auch ich finde, dass hier die Toleranzgrenze überschritten wird. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass wir alle gebildet und aufgeklärt genug sind, um den Einsatz dieses Spielzeuges und dessen Wirkung auf andere Menschen immer richtig einschätzen können.“

Gewissermaßen „Gewehr bei Fuß“ stehen selbstverständlich die üblichen Verdächtigen, wenn es darum geht, irrationale Ängste zu schüren und politisch zu instrumentalisieren. Südstadtpfarrer Hans Mörtter – vermutlich von der Kirche der letzten Marxisten der besseren Tage – weiß sehr wohl, dass die Gegner des Geschäftes im Unrecht sind, und empfiehlt daher kreative und freche Maßnahmen zur Rettung des roten Abendlandes:

Verfasst von Pfarrer Hans Mörtter (nicht überprüft) am Mi, 2010-11-24 02:52.
Herzliche Einladung an alle, die nicht nur reden wollen.
Samstag, 27. Nov. um 16.00 Uhr im Gemeindesaal der Lutherkirche,
Martin-Luther-Platz.
Juristisch haben wir keine Chance. Aber kreativ und selbstbewusst frech
haben wir ein großes Potential, das wirkräftig sein kann.
Sagt es weiter und kommt.
Hans Mörtter

Und diesmal sind die Jusos sogar schneller zur Stelle als GRÜNE und SED:

Jusos aus der Südstadt fordern sofortige Schließung des neuen Waffengeschäfts!
Die Jusos in der Südstadt zeigen sich entsetzt über die Eröffnung eines Waffengeschäfts auf der Bonner Straße, der neuen Flaniermeile der Kölner Südstadt“

Lediglich ein Bürger erinnert daran, dass die Illusion der Südstadtidylle auch vor der Eröffnung eines Outdoorladens nicht ganz so ungetrübt war, wie es der Linksspießerkitsch darzustellen versucht:

„interessante Kommentare soweit, auch die Polarität.. leider recht kopflastig..
hier mal der Blick in den praktischen Alltag.. unseres Veedels, ja, Ecke Severinswall, Stollwerck, Bottmühle sieht so aus:
hier wird dein Autoreifen aufgeschlitzt, wenn du dich getraut hast nachts oder tags mit den dortigen Jugendlichen auf der Straße Angesicht zu Angesicht zu klären, dass besoffener Krawall und sichtbare Dealerei und mutwillige Randale an Spielplätzen bitte aufhören oder die nächtlichen „Parties“ verlegt werden sollten, auch unseren Kindern zuliebe..
nein, auch der Fahrradkindersitz wird noch demoliert, dein Postkasten für Wochen zur Müllhalde und wenn sie noch mehr „Spaß“ brauchen, lauern sie dir auf und vermöbeln dich
seither haben die dort wohnenden Menschen ängstlich aufgehört, etwas zu sagen und die „Kleinen“ lernen von den „Großen“ Jugendlichen fleißig, wie man Motorroller klaut, Pflastersteine aus einem Versteck auf spielende Kinder wirft und wie man blitzgeschwind verschwunden ist, bevor man sie festhalten kann .. und wenn sie dann von einem Erwachsenen doch dabei gehindert oder vielleicht mit Androhung der Polizei beschimpft werden, dann wird dieser Erwachsene wenige Abende darauf von den „großen Brüdern“ vermöbelt, krankenhausreif natürlich..schließlich war das eine Beleidigung.“

Das klingt für Kenner der Kölner Verhältnisse doch schon etwas realistischer. Nur darüber gibt es keine Großdiskussion unter den Bewohnern der Südstadt und keine Aufrufe von Pfarrer Mörtter. Und Vorschläge, „Affen aus der Südstadt zu jagen“ auch nicht.

  1. #1 von Gast am 01/12/2010 - 15:44

    Eieieiei.. Allein schon Ihre Einleitung zu dem Artikel ist mit mehr Vorurteilen bestückt als alle achso unglaublichen User Kommentare in Bezug auf die veröffentlichten seriösen Presseartikel. Und dann auch noch alles wirr aus diversen Quellen zusammengestellt ohne die Bezugspunkte der einzelnen Gespräche zu berücksichtigen. ^^ Ob das unabhängiger, überparteilicher Journalismus ist soll mal jedem Leser dessen Augen das erdulden müssen für sich selber beurteilen… definitiv eine Glanzleistung an Subjektivität..