Schwere Schäden an Irans Atomprogramm

Glaubwürdigen Medienberichten zufolge soll der geheimnisvolle Computerwurm Stuxnet erhebliche Schäden an den unterirdischen Zentrifugen des iranischen Regimes zur Urananreicherung verursacht und die Anlagen weitgehend außer Betrieb gesetzt haben. Auch die Verzögerung der lange angekündigten Inbetriebnahme des iranischen Kernreaktors Busheer wird dem vermutlich von israelischen Wissenschaftlern entwickelten Virus zugeschrieben.

Nahost Korrespondent Ullrich J. Becker schreibt bei Haolam:

Zuerst sei einmal gesagt, dass die Rede von ‘dem einen Stuxnet’ verwirrend sein kann, denn es handelt sich offenbar um ein Virus, das zwar eine bestimmte Basis hat, mit dem es sich z.B. Zugang zu Computer- und Industriesteuerungssystemen verschafft, aber aus der Ferne fortlaufend sehr flexibel programmierbar ist, was zu sehr unterschiedlichen Auswirkungen fuehren kann.

Zumindest aber die Variante von Stuxnet, die anscheinend fuer die Motoren der iranischen Zentrifugen zur Urananreicherung ausgerichtet ist, wurde jetzt von Symantec in einem kleinen, niedlichen Luftballon-Labortest-Video demonstriert. Demnach programmierte man eine Luftpumpe einen Luftballon 3 Sekunden aufzublasen und dann aufzuhoeren und infizierte dann den Computer mit einer vorbereiteten Variante von Stuxnet. Stuxnet ueberbrueckte den Befehl zum Anhalten der Luftpumpe und brachte den Ballon zum Platzen. Das Besondere daran ist vor allem, dass man auf dem Bildschirm mit dem Steuerungsprogramm keinerlei Aenderungen wahrnehmen konnte. Symantec erlaeutert, wie das ganze in Realtiaet aussehen koennte.

Zentrifugen laufen mit einer sehr hohen Motorfrequenz bzw. Motorumdrehungzahl um das Uran so langsam immer hoeher anzureichern. Die normale Umdrehungszahl von solchen Zentrifugen liegt zwischen 807 und 1210 Hz. Die Umdrehungszahl wird von den Frequenzkonvertern bestimmt und genau diesen laesst Stuxnet andere, unsichtbare Befehle zukommen.

Stuxnet erhoeht dann naemlich kurzzeitig die Umdrehungszahl ueber das Limit auf 1410 Hz und laesst sie dann abrupt auf 2 Hz abstuerzen, bevor sie dann wieder auf 1064 Hz weiterlaeuft. Sollte die Zentrifuge noch arbeiten, kehrt sie also sofort wieder zur normalen Umdrehungszahl zurueck. Das ganze passiert dann immer wieder, bis die Zentrifuge den Geist aufgibt, denn so ein abruptes Ueberlasten und Runterfahren ist nicht gerade gesund fuer Zentrifugen.

Das wirklich Raffinierte daran ist natuerlich, dass aeusserlich alles vollkommen normal zu sein scheint (auch an den Kontrollbildschirmen) und die Zentrifuge immer nur fuer kurze Zeitspannen etwas Innormales tut (was niemanden auffallen sollte), waehrend faktisch im Hardwarebereich eine Zentrifuge nach der naechsten unwiderbringlich zerstoert wird und zwar ohne bumm und krach.

Und genau dies scheint im Iran geschehen zu sein – trotz wiederholter Leugnungen und Behauptungen man habe alles unter Kontrolle – und zwar im grossen Stil.

Demnach sollen nach einer Quelle zumindest ueber Tausend Zentrifugen von den urspruenglich ca. 5000 ausgefallen bzw. zerstoert worden sein.

Mitarbeiter der IAEA berichteten zum anderen von einem kompletten Ausfall der Tausenden Zentifugen in Natanz und ob dies nur voruebergehend war, ist nicht klar. Viele vermuten, dass tausende Zentrifugen von Stuxnet zerstoert wurden, und weitere beschaedigt, was im Enddeffekt anscheinend dazu fuehrte, dass die Iraner ihr wichtigstes Urananreicherungsprogramm in Natanz vollkommen runterfahren mussten. Aber selbst wenn sie nur beschaedigt waeren, wuerde ein komplettes Runterfahren des staendigen Anreicherungsprozess fuer das Atomprogramm sehr problematisch sein.

Und wenn die Zentrifugen wirklich unwiederbringlich zerstoert wurden – was sehr wahrscheinlich ist – sollte man darauf hinweisen, dass die Iraner diese nicht wie Gluehbirnen auswechseln koennen und – trotz einer gewissen Eigenproduktion von bestimmten Zentrifugen – man allgemein davon ausgeht, dass der Grossteil der iranischen Zentrifugen aus dem Ausland stammt. Das wuerde heissen: ‘Fuer den Atomwaffenbau kehren sie bitte auf Start zurueck und beginnen sie ihre Runde von neuem. (Und Rechnungszahlen nicht vergessen.)’

Man sollte ueber Iran keine Entwarnung geben, aber das hoert sich endlich mal nach einer richtig guten Nachricht fuer Israel und die Welt an und die iranische Atombombe koennte mit Stuxnet anstatt mit einem Krieg fuer Jahre herausgezoegert sein – was den Iran nicht unbedingt friedlicher oder berechenbarer macht.

Sollten die Nachrichten stimmen, wäre den Israelis in der Tat ein großer Sieg der menschlichen Intelligenz über die rohe Kriegsgewalt gelungen. Ein vernichtender Schlag mit kaum feststellbaren Kollateralschäden, der in der Wirkung einem Luftangriff weit überlegen wäre. Betroffen sind bestenfalls noch einige Industriekunden des deutschen Siemenskonzerns, der auch angesichts seiner Beteiligung am Massenmord von Auschwitz immer noch nicht begriffen zu haben scheint, dass Geschäfte mit Judenmördern langfristig keinen Segen bringen.

(Foto: Luftabwehrstellung an der Atomanlage Natanz, Iran)