Kommt jetzt der Aufstand der Tüchtigen?

Wie so oft war die ursprüngliche Idee gut. Was daraus wurde, steht auf einem anderen Blatt. Durch den Länderfinanzausgleich sollten ungleiche Ausgangsbedingungen der Länder der Bundesrepublik gemildert werden, um bei gleicher Anstrengung auch vergleichbaren Wohlstand in allen Regionen Deutschlands zu erreichen. Heute allerdings zahlen nur noch vier Länder die Zeche für die restlichen zwölf. Die Empfänger bemühen sich keineswegs, den Makel durch größere Anstrengung zu beheben, sondern feiern Party wie Berlin oder planen Fahhradautobahnen wie NRW, um das grüne Klientel bei Laune zu halten. Bezahlen sollen die Anderen, die gar noch als spießige Hinterwäldler verspottet werden.

So ist der Finanzausgleich zu einer Generalversicherung windiger Politik geworden, die die Wähler der wichtigen Lernchance beraubt, die Konsequenzen der von ihnen gewählten linkspopulistischen Politik am eigenen Leib zu erfahren und damit das vielleicht wichtigste Korrektiv eines demokratischen Systems außer Kraft setzt. Bayern als eines jener Geberländer, die sich mit Fleiß und guter zukunftsorientierter Technologiefreundlichkeit vom Almosenempfänger zu den Besten empor gearbeitet hat und heute in einem Jahr zur Strafe mehr zahlen muss, als es früher in vielen Jahren erhielt, will jetzt gegen das Schmarotzersystem klagen.

ZDF berichtet:

Jetzt macht Bayern Ernst: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) begründete den Gang vor das Bundesverfassungsgericht mit einer “Schieflage im System” des Länderfinanzausgleichs. Nur vier Länder würden geben, die anderen zwölf unabhängig vom Ausmaß ihrer Anstrengungen kassieren. “Wir sind solidarisch, das Ausgleichssystem ist es nicht”, erklärte Seehofer. Der CSU-Chef verwies darauf, dass Bayern allein im vergangenen Jahr mehr in den Finanzausgleich einbezahlt habe, als es insgesamt selbst aus dem Topf kassiert habe. Der Länderfinanzausgleich sieht vor, dass die reichen Bundesländer den armen helfen, damit überall in Deutschland vergleichbare Lebensbedingungen herrschen können. Derzeit gibt es nur vier Geberländer: Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Hamburg.

Linke-Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn wertet die geplante Klage als “Bruch mit einem Grundgedanken unserer Verfassung”. Wer die Solidarität besonders mit den anderen Bundesländern aufkündige, fördere Konkurrenz und den Ausbau ungleicher Lebensverhältnisse in Deutschland, kritisierte Höhn. Vor allem die ostdeutschen Bundesländer seien noch immer auf die Unterstützung durch den Länderfinanzausgleich angewiesen, ansonsten drohe dort weiterer Sozialabbau.

Die drei großen Geberländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen hatten den Nehmerländern schon mehrmals mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gedroht, wenn diese nicht zu einer Neuregelung des Finanzausgleichs bereit seien. Hessen will den Klageweg allerdings erst gehen, wenn bis Ende des Jahres keine Verhandlungslösung mit den Nehmerländern erreicht worden ist. Auch Baden-Württemberg setzt auf eine einvernehmliche Lösung. Bayern war selbst lange Zeit ein Nehmerland, hat inzwischen aber mit Abstand die Hauptlast zu tragen. Größtes Nehmerland war zuletzt der Stadtstaat Berlin mit 3,043 Milliarden Euro. Bisher ausschließlich kassiert haben Niedersachsen, Rheinland-Pfalz sowie die fünf ostdeutschen Bundesländer. Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, das bisher ausschließlich zahlte.

  1. #1 von Martin Schrödl am 17/07/2012 - 18:08

    Hat ja lange genug gedauert. Mal sehen, was draus wird.

  2. #2 von simbo am 17/07/2012 - 18:31

    “Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht”

    Also ich verstehe die Bayern. Arbeitssam bis zum geht nicht mehr und in Berlin werden Partys gefeiert (auch bis zum geht nicht mehr). Der neue Flughafen ist ja ein gutes Beispiel… Pannen über Pannen. x-mal teurer als vorgesehen, noch nicht sicher, wann er betriebsbereit sein wird, usw.usf.

    Ehrlich gesagt, ich möchte auch nicht für meine Nachbarin arbeiten, die sich in der Sonne aalt, und 3-4 mal pro Jahr Ferien macht.

    Und dann verlangt sie, dass ich ihr das auch noch bezahle. :mrgreen:

    Und jetzt hoffe ich, dass sich Heimchen wieder mal meldet und ihre Schwester + Anhang wieder abgereist ist. :lol:

  3. #3 von Nächstenliebe am 17/07/2012 - 21:49

    Seehofer zieht nur eine Show ab. Baden-Württemberg und Hessen wissen, dass dies null Chancen hat und beteiligen sich nicht.
    Die Rahmenbedingungen sind in Artikel 107 Grundgesetz gesetzt. 2001 hat Bayern dann mit den 15 anderen Ländern den Länderfinanzausgleich genau so, wie er heute abläuft, gesetzlich bis 2019 vereinbart.
    Pech für Bayern, dass die anderen schmarotzen und sie jedes Jahr mehr zahlen müssen. Pacta sund servanda. Westberlin wurde bis 1989 noch weit mehr ausgehalten als heute. Arbeiten haben sie ganz verlernt.
    Der Betritt der fünf neuen Länder hatte sein Übriges getan, dass die Nehmer überwiegen.

    Immer eingezahlt und inflationsbereinigt insgesamt weit mehr geleistet als Bayern laut Wiki hat Baden-Württemberg. Bayern war sogar bis 1995 insgesamt großer Nehmer und NRW bis dahin großer Geber.
    Mit gesteigertem BSP geht es heute um ganz andere Zahlen. Aber bis 2019 muss Bayern sich noch ärgern.

  4. #4 von Chnaps am 17/07/2012 - 22:06

    @#3 von Nächstenliebe am 17/07/2012 – 21:49

    “Pacta sund servanda”

    http://de.wikipedia.org/wiki/Pacta_sunt_servanda

    Bitte, gern geschehen.

  5. #5 von Saejerlaenner am 17/07/2012 - 22:13

    NRW hats hinter sich. Das war aber schon vor 20 Jahren so. Eigentlich könnte man um den Ruhrpott und ums Rheinland einen Zaun ziehen, den Krempel den Besatzern übergeben, und sagen: abgehakt. Was da noch zappelt, hat sich in weniger als einer Generation spätestens eingekriegt.

  6. #6 von hakulius am 17/07/2012 - 22:24

    Die rot-grüne Parasitenbrut wird empört tuen –und nichts ändern.
    Es ist ja leicht soziale Wohltaten auf Kosten anderer Länder zu gewähren
    und die rotz-bunte Klientel wird das mit einer Wiederwahl belohnen.
    So ist doch allen aktuellen Nutznießern geholfen.

  7. #7 von Nächstenliebe am 17/07/2012 - 22:47

    Die beiden recht nahe beieinander liegenden Hansestädte Hamburg und Bremen zeigen schon, dass der ganze Finanzausgleich Murks ist.
    Wie kann es denn überhaupt zustande kommen, dass in diesen traditionell von der SPD regierten Städten pro Kopf ein Hamburger fast so viel zahlt wie ein Baden-Württemberger und der Bremer pro Kopf etwa so viel kassiert wie ein Berliner?
    Dermaßen unterschiedlich können die wirtschaftlichen und finanziellen Voraussetzungen bei den Fischköpfen beim besten Willen nicht sein.

  8. #8 von tyrannosaurus rex am 18/07/2012 - 02:38

    Das ist das Hartz 4 System in Reinkultur! Während Bayern sich schon längst vom Nehmerland zum ersten Land im Staate hochgearbeitet hat, haben die meisten BL ihre “Nehmerqualitäten” ausgebaut! Allerdings muß ich zugeben das BERLIN und NRW sich äußerste Mühe geben. So haben sie viele neue osteuropäische Unternehmensgründungen gefördert wie etwa im ABBRUCHBEREICH, SCHROTTHANDEL, GEBRAUCHTWAGENEXPORT, AGRESSIVBETTLEREI, sowie in Prostitution und Zuhälterei. Auch alte Berufe wie das der Näherin und Büglerin wurden wiederbelebt. So konnten die Grossfamilien durch Gewerbeanmeldung und 200 € Verdienst im Monat Niederlassungsfreiheit und vollen HARTZ 4 Satz für die ganze Familie erhalten. Ausserdem beherbergt Berlin die meisten Autonomen, Antifa und Autoabfackler und die meisten Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst und ist GRÜNPLAKETTENGEBIET. Solche Hobbies müssen nun mal finanziert werden. Gruss an Bayern und DANKE!

  9. #9 von Dr. T am 18/07/2012 - 09:08

    “Bis 2019 muss Bayern sich noch ärgern.” Das sind nur noch sieben Jahre. Weniger als zwei Legislaturperioden. In Berlin, dem größten Nehmerland, gibt es vorher nur noch eine einzige Wahl des Abgeordnetenhauses. Da ist es schon gut, daß Bayern die Instrumente jetzt schon vorzeigt. Ich würde ja gerne annehmen, daß hier Politiker endlich mal vorausschauend und langfristig denken. Aber es hat wohl ehr mit der Wahl 2013 in Bayern zu tun.

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