Wer die Industrialisierung in Deutschland umkehren will, kommt nicht darum herum, unsere weltweit fühende Autoindustrie zu zerstören. Das geht am Besten, indem man den Autofahrern das Leben so schwer wie möglich macht. Der grüne “Verkehrsexperte” Michael Cramer ist bekennender Volkserzieher mit Leib und Seele und weiß, dass man mit Geldstrafen am wirkungsvollsten erzieht, solange es noch keinen Gulag gibt. Der 63-jährige fordert jetzt, nach dem Autofahren auch das Autonichtfahren, also Abstellen, drastisch zu verteuern, so dass nur noch Reiche sich den Luxus Autobesitz leisten können.
Der Rest soll gefälligst den öffentlichen Nahverkehr benutzen. Das tut Cramer selber auch seit 1979, als er das eigene Auto abschaffte. Allerdings reist er seitdem nicht mit Ali und Mehmet in der Kreuzberger U-Bahn, sondern standesgemäß per Taxi. Da er eifrig die Rechnungen sammelt, darf man vermuten, dass er diese von uns, den Steuerzahlern und Autofahrern erstattet bekommt.
Die WELT berichtet:
Derzeit müssen die Autofahrer je nach Zone zwischen ein und drei Euro pro Stunde bezahlen. Die Preise für Fahrscheine im Nahverkehr hätten sich hingegen fast verdoppelt. Der Einzelfahrschein kostet derzeit 2,30 Euro und ist für zwei Stunden gültig. “Das begreife ich nicht”, sagte Cramer.
Wenn Parkgebühren ähnlich hoch wären wie die Gebühren für Bus-, U- und S-Bahnfahrten würden Autofahrer zögern, mit dem Auto in die Stadt zu fahren und häufiger den Öffentlichen Nahverkehr nutzen. “Mit Geld kann man am besten steuern”, sagte der 63-Jährige. 60 Prozent der Autofahrer wüssten nicht, wie viel eine Fahrt mit dem Öffentlichen Nahverkehr koste und wie lange sie dauert.
Auch der Umgang mit Schwarzfahrern und Schwarzparkern sei ungerecht. Beim Schwarzfahren müsse ein Bußgeld von 40 Euro gezahlt werden, sagte Cramer. Schwarzparken wiederum koste in den Parkraumbewirtschaftungszonen in Berlin, unabhängig von der Parkdauer, zunächst fünf Euro. Ein ganzer Tag ohne Parkticket koste höchstens 25 Euro. “Illegalität wird belohnt”, sagte Cramer.
Mit dem Umzug von Parlament und Regierung von Bonn nach Berlin habe sich der Fahrradanteil in der Hauptstadt verdoppelt. Bevor die Mitarbeiter und Angestellten merkten, dass Fahrradfahren in Berlin gefährlich sei, hätten sie ihre Gewohnheit aus Bonn in Berlin weitergeführt.
Car-Sharing, die organisierte gemeinschaftliche Nutzung von Autos, halte Cramer für eine gute Lösung. “Kein Kapitalist kauft sich eine Maschine, die nur eine Stunde am Tag läuft”, sagte Cramer. Er selbst habe 1979 sein eigenes Auto abgeschafft. “Als ich mein Auto verkauft habe, hatte ich so viele Taxiquittungen in einem Jahr, wie mein Auto in einem Monat gekostet hat”, sagte Cramer.
Die Umstellung auf das Taxifahren und die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs sei nicht nur finanziell ein Gewinn. Jetzt lasse er fahren und müsse nicht überlegen, ob er am Abend noch ein Bier trinken dürfe.
Jeden Abend ein Bier zuviel. Manchmal findet sich für die weltfremden Dreistigkeiten unserer Politiker eine ganz einfache Erklärung.

#1 von stm am 14/07/2012 - 15:42
Den Herrn sollte man umgehend mit 63 Jahren verrenten. Dann kann er abends soviel Bier trinken wie er möchte, ohne noch lange über etwas nachdenken zu müssen.
#2 von Jaette am 14/07/2012 - 16:29
“Kein Kapitalist kauft sich eine Maschine, die nur eine Stunde am Tag läuft”
Es sei denn, er ist Öko-Kapitalist und betreibt Stand-By-Kraftwerke, die stillstehen und nur zum
Einsatz kommen, wenn Vogelschreddern und Speigeldächern die “verteuerbare Energie” ausgeht?
Dumm, Dümmer, Grüne…
Freie Fahrt für freie Bürger! Nieder mit dem subventionierten ÖPNV!
#3 von stm am 14/07/2012 - 16:52
#2 von Jaette am 14/07/2012 – 16:29
Dumm, Dümmer, Grüne…
Na ja, es war doch keine so schlechte Idee, wo doch Speicher immer billiger wurde. Es war halt Pech, daß die blöden Giga Dinger zum Verwechseln ähnlich heißen…
Nun muß eben auch das Netz noch subventioniert werden, nachdem man es an Spekulanten verscherbelt hat, die jetzt auf Garantien für ihre Renditen bestehen. Und den Kohlepfennig hatten wir schließlich auch schon einmal. Die Kohle für die Ersatzkraftwerke bauen wir natürlich nicht mehr hier ab. Die kaufen wir aus einem armen Land, dessen Wirtschaft angekurbelt werden muß. Ich darf gar nicht darüber nachdenken, denn dann wünsche ich mir sofort einen Hochleistungs-Phaser und einen Haufen Ersatzakkus.
#4 von Jaette am 14/07/2012 - 17:21
#3 von stm
Die kaufen wir aus einem armen Land, [...]
Natürlich müssen wir Kolumbien helfen! Die Logik dahinter lautet sicher, dass Kohleabbau besser als “Koks”-Anbau ist. Und das bisschen Schweröl, was die hochmodernen (sic!) Transportrosteimer verbrennen, um das Zeug nach Hamburg zu bringen, fällt auch nicht ins Gewicht. Die entstehenden Mondlandschaften interessieren keinen – somit alles Öko – Hauptsache der Teufel Atomstrom wird vertrieben…
#5 von stm am 14/07/2012 - 17:46
#4 von Jaette am 14/07/2012 – 17:21
Das nenne ich Weitsicht. Welch wunderbarer Synergieeffekt, damit kann man zugleich den Drogenproduzenten auf dem gegenüberliegenden Kontinent etwas Konkurrenzdruck ersparen, so müssen sie beim “Aufbau” ihres Landes nicht ganz so aggressiv vorgehen. Die zur Verfügung gestellten Mittel können in die aufstrebende Wirtschaft investiert werden. Es kann sich niemand beschweren, daß nichts für ihn getan würde. Alle werden glücklich.
#6 von Jaette am 14/07/2012 - 20:01
#5 von stm
Ja, sozusagen die immer beschworenen Win/Win-Situation! Dumm nur, dass diese ein eher theoretisches Konstrukt darstellt, da manche, welche zum “Winner” erklärt werden, eigentlich gar keinen Anspruch angemeldet hatten, an der “Competition” überhaupt teilzunehmen. Ein weites Feld, das… Eine komische Schweden-Combo sang mal The winner takes it all… , was ich immer für eine ziemlich simple Aussage hielt. Aber die hatten recht: Einer räumt ab, der Andere bekommt nur eingeredet, er hätte es auch.
#7 von stm am 14/07/2012 - 21:04
#6 von Jaette am 14/07/2012 – 20:01
Die “komische Schweden-Combo” hat seinerzeit auch gut “abgeräumt”. Was sie fabriziert haben entspricht zwar nicht unbedingt meinem musikalischen Geschmack, aber es gibt ja weitaus Schlimmeres. Immerhin kaufen die Leute es freiwillig.
#8 von Quertreiber am 15/07/2012 - 10:11
Dass nur noch Reiche sich den Luxus Autobesitz leisten können ist ebenfalls Politik ALLER im BT vertretenen Parteien.
#9 von stm am 15/07/2012 - 10:19
Natürlich, der Schaffer hat gefäligst mit dem Fahrrad zu fahren, wie in China. Das ist genau das, wonach es aussieht, schmutzig und billig.