Ein Mann aus Stahl

Ein Nachruf von Ehud Olmert zum Tod des ehemaligen Ministerpräsidenten und Mitgründer des Staates Israel Yitzhak Shamir, der im Alter von 96 Jahren verstorben ist

Das Telefon klingelte bei mir zuhause um ungefähr 1 Uhr am frühen Sonntagmorgen. Ministerpräsident Yitzhak Shamir war in der Leitung und er war aufgebracht. „Hast Du die Nachrichten gesehen?“, fragte er mich. Einige Minuten zuvor hatte ein Fernsehjournalist einen älteren jüdischen Mann in Istanbul interviewt – nur Stunden nachdem vier mit Bomben beladene Lastwagen in zwei Synagogen gerammt wurden, wodurch fast 30 Menschen starben. Die Bilder waren schockierend. Hinter dem jüdischen Mann, dessen Schultern bebten, konnte man Blutlachen sehen – das Blut von Juden, die kurz zuvor ermordet worden waren. Die Straße war noch nicht gereinigt. Der Reporter fragte den jüdischen Mann, der in einen Tallit (Gebetsschal) gehüllt war, ob er Angst habe. Der Mann antwortete: „Nein, ich habe keine Angst.“ Der Reporter fragte daraufhin: „Wie kommt es, dass sie keine Angst haben?“ Der jüdische Mann antwortete: „Weil es den Staat Israel gibt.“

Shamir, der deutlich aufgewühlt war, sagte mir, dass sein Vater, als ihm in Polen gesagt wurde, dass die Vernichtung aller Juden – ihn eingeschlossen – unmittelbar bevorstand, antwortete: „Ich habe einen Sohn im Land Israel und er wird für mich Rache an ihnen nehmen.“

Dieses kurze Gespräch brachte Shamirs Sicht auf sein Leben und seinem Auftrag, dem er sich auf allen Abschnitten seines turbulenten Lebens verpflichtet fühlte, auf den Punkt – von den Tagen bei „Lechi“ (Shamir war einer der militanten zionistischen Anführer der Gruppe), zum Gefangenenlager in Afrika, aus dem er kurz vor der Staatsgründung fliehen konnte, bis zu seinen Tagen als Kämpfer und Kommandeur des Mossad und später als Ministerpräsident Israels. (…)

Als Ministerpräsident war Shamir unnachgiebig. Er lehnte Roni Milos Vorschlag ab, sich aus dem Gazastreifen vor den Wahlen 1992 zurückzuziehen, obwohl das seiner Partei zu mehr Stimmen hätte verhelfen können. (…)

Shamir betrachtete die Einwanderung der Juden aus der ehemaligen Sowjetunion als Wendepunkt, der über die Zukunft des Staates Israel entscheiden würde und er war immer begeistert, die Gruppen von Neueinwanderern am Flughafen zu begrüßen. „Vergiss nicht, diese Aliyah (Einwanderungswelle) ist ein großes Wunder“, sagte er mir. (…)

In ihren Nachrufen werden die Menschen nicht sagen, dass Shamir ein charismatischer Anführer gewesen sei, der die Nation begeistern konnte, aber die Zähe und Selbstkontrolle, die er in Zeiten demonstrierte, in denen andere Ministerpräsidenten panisch wurden, hat mich immer begeistert.

Er war aus Stahl gemacht, entschlossen und entschieden, bescheiden aber stolz auf sein jüdisches Erbe und vor allem vollkommen seinem Auftrag verpflichtet, den er von seinem Vater erhalten hatte, der mit der Gewissheit starb, dass sein Sohn Yitzhak Shamir (Jeziernicky) das jüdische Volk niemals das gleiche Schicksal erleiden lassen würde wie seine Eltern und viele seiner Verwandten.

Der Autor ist ehemaliger Ministerpräsident des Staates Israel.

(Quelle: ynet, 01.07.2012)

  1. #1 von Ich am 02/07/2012 - 20:37

    Wo er Recht hat, da hat er Recht. Nichts hinzuzufügen.

  2. #2 von Heimchen am Herd am 02/07/2012 - 20:47

    “Er war aus Stahl gemacht, entschlossen und entschieden, bescheiden aber stolz auf sein jüdisches Erbe und vor allem vollkommen seinem Auftrag verpflichtet, den er von seinem Vater erhalten hatte, der mit der Gewissheit starb, dass sein Sohn Yitzhak Shamir (Jeziernicky) das jüdische Volk niemals das gleiche Schicksal erleiden lassen würde wie seine Eltern und viele seiner Verwandten.”

    Ein Mann aus Stahl…. mit einem sympatischen Lächeln im Gesicht…

    Möge er in Frieden ruhen….

    http://www.youtube.com/watch?v=xXGNhP9dISo&feature=plcp .

  3. #3 von mike hammer am 02/07/2012 - 22:15

    manchmal, wenn man sie genug quält und in die ecke drängt werden
    aus Lämmern Löwen.
    sichrono le wracha .
    (RIP)

  4. #4 von Nächstenliebe am 02/07/2012 - 22:26

    ….”Weil es den Staat Israel gibt”…

    Den Schamir und die Juden sich erkämpft haben. Während in Europa Juden in KZ´s gebracht wurden, haben die Engländer laut Wiki Schamir mehrfach in Internierungslager eingeknastet, wo er auch seine ebenfalls internierte Ehefrau kennenlernte, mit der er bis zu ihrem Tod 2011 verheiratet war.

    In der Zeit, als die Israelis Eichmann aus Argentinien holten, war er Offizier beim Mossad. Ganz so unnachgiebig war er nicht, weil er die gute von Begin fortgesetzte Aussöhnung mit Anwar Sadat einleitete.

  5. #5 von Gudrun Eussner am 03/07/2012 - 00:14

    Wie Yitzhak Shamir z”l in den deutschsprachigen Medien abgetan wird, das ist schon schäbig, es fängt damit an, daß jeder dessen Namen schreibt, wie er meint, in der WELT liest man in vier Meldungen vier verschiedene Schreibweisen, aber die Urteile über seine Politik, die sind dafür desto ätzender. Ein Michael Borgstede dichtet ihm eine “lange Liste von Fehlentscheidungen” an, überhaupt wissen deutsche Journalisten einmal mehr alles besser, sie werden nur noch von Adrien Jaulmes im Figaro übertroffen. Wen’s interessiert, auf meinem Blog gibt’s dazu eine Dokumentation. :mrgreen:

  6. #6 von Nächstenliebe am 03/07/2012 - 00:34

    Gudrun Eussner, danke für deine Mühe.
    Schamir war kein “Araberfresser”, sondern ein guter Selbstverteidiger.

  7. #7 von Jaette am 03/07/2012 - 20:05

    Sie gehen langsam… die, welche DAS Land wieder errichteten, DEN Staat gegründet und verteidigt haben. :sad:
    Ehren wir sie! Ehren wir Yitzhak Shamir, indem wir ihn und seine Taten NIE vergessen.

  8. #8 von mike hammer am 03/07/2012 - 22:45

    der eiserne JZIK.
    DER HAT SICH SEINE RUHE VERDIENT.

  9. #9 von kolat am 03/07/2012 - 23:34

    @#7 von Jaette am 03/07/2012 – 20:05

    “…seine Taten NIE vergessen.”

    Vorsicht! Das könnte mancher Israelhasser falsch verstehen. :mrgreen:

    Niemals vergessen? Wieso, was hat er denn ausgefressen?

  10. #10 von indianerjones am 04/07/2012 - 03:38

    #9 von kolat am 03/07/2012 – 23:34

    @ Talok …bei diesen Thema mischen wir uns lieber nicht ein. :-)

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