Ein türkisches Militärflugzeug dringt in den syrischen Luftraum ein. Die Syrer, denen gerade ein eigenes Flugzeug nebst Pilot durch die Flucht eines Luftwaffenfliegers verloren gegangen ist, schießen den Eindringling ab – was ihr Recht ist.Dennoch klingt es in der deutschen Presse so, als müsse jetzt Syrien sich erklären. Erdogan wird gelobt, weil er sich noch zurückhält. Geht uns der Streit zwischen den verkrachten Ex-Freunden etwas an? Oh ja – wenn Erdogan es schafft, die Sache zum Nato-Verteidigungsfall umzudeuten, ist auch Deutschland in der Pflicht, dem Unruhestifter zu Hilfe zu kommen. Mit Russland und China auf der Seite Syriens könnte daraus schnell ein ernsthafter Konflikt entstehen.
Die WELT berichtet:
Im Nahen Osten droht nach dem Abschuss eines türkischen Kampfflugzeugs durch syrische Truppen ein internationaler Konflikt. Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül kündigte am Samstag an, “notwendige” Schritte gegen Syrien einzuleiten. “Eine Vertuschung ist nicht möglich”, sagte Gül weiter. “Es gibt keine Zweifel daran, dass die notwendigen Schritte unternommen werden.” Worum es sich dabei handeln könnte, sagte Gül allerdings nicht.
“Unsere Ermittlungen werden sich darauf konzentrieren, ob das Flugzeug innerhalb unserer Grenzen abgeschossen wurde oder nicht”, sagte der türkische Staatschef. “Weil das ernste Konsequenzen haben könnte, wird es von uns keine Stellungnahme geben, bevor die Details untersucht worden sind.”
Die syrischen Streitkräfte hatten den türkischen Kampfjet am Freitag abgeschossen. Nach syrischen Armeeangaben war ein “nicht identifiziertes Ziel” ausgemacht worden, das mit schneller Geschwindigkeit und in geringer Höhe in den syrischen Luftraum über dem Mittelmeer eingedrungen war.
Die Suche nach den vermissten türkischen Piloten dauerte am Samstag an. An der Suche beteiligte sich auch die syrische Seite.
Der Abschuss des Kampfjets droht den Syrien-Konflikt auszuweiten und die Beziehungen zwischen Syrien und der Türkei weiter zu belasten. Nach Beginn der brutalen Niederschlagung der Proteste in Syrien vor mehr als einem Jahr hatte sich die Türkei von ihrem früheren politischen und wirtschaftlichen Verbündeten losgesagt. Die Türkei prüfte am Samstag weiter ihre Reaktion auf den Abschuss des Jets.
Auf die Gefahr, die daraus entsteht, in einem militärischen Bündnis mit einem Staat wie der Türkei zu stecken, hatte der FOCUS bereits im April hingewiesen, als Syrien Flüchtlinge – vielleicht auch angebliche Flüchtlinge – jenseits der türkischen Grenze beschossen hatte. Damals hatte Erdogan schon ganz unverhohlen gedroht, seine großen Brüder zu holen:
Die syrische Armee hat das Staatsgebiet der Türkei beschossen. Der türkische Premier Erdogan droht nun mit dem Nato-Bündnisfall. Tritt der ein, hat das auch Folgen für die Bundeswehr.
Es könnte unangenehm werden für die deutsche Bundeswehr und für die Bundesregierung. Sollte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nach Angriffen von syrischen Truppen auf türkisches Staatsgebiet tatsächlich den Nato-Bündnisfall ausrufen, dann müsste Deutschland Farbe bekennen: Steht es zur Nato und den daraus resultierenden Verpflichtungen – oder hält es sich aus internationalen Konflikten lieber heraus?
Der Bündnisfall tritt nach Artikel 5 des Nato-Vertrages im Falle eines bewaffneten Angriffes auf ein Mitgliedsland ein. Für diesen Fall haben sich die Staaten – ursprünglich mit Blick auf die Bedrohung durch die Sowjetunion – zu gegenseitigem Beistand verpflichtet. „Das ist eigentlich die klassische Situation eines Bündnisfalls“, sagt der Nato-Experte Johannes Varwick zu den Schüssen der syrischen Armee auf ein Flüchtlingslager, das auf türkischem Staatsgebiet liegt. Bei diesen Schüssen waren am Montag auch ein türkischer Polizist und ein türkischer Dolmetscher getroffen worden. (…)
Aber selbst wenn der Konflikt in Syrien friedlich gelöst werden kann: Die Situation an der syrisch-türkischen Grenze gibt wohl einen Ausblick auf eine Zukunft, in der die Aufgaben der Bundeswehr in genau diesen Krisenregionen liegen. „Die Nato hat sich radikal gewandelt“, meint Varwick. „Die Bedrohungen liegen nicht mehr an der ostdeutschen Grenze, sondern im Nahen Osten oder dem asiatischen Raum. Das ist in Deutschland in keiner Weise angekommen.“ Greife die Nato bei Grenzverletzungen aber nicht ein, dann sei sie im Grunde irrelevant geworden.
#1 von ComebAck am 24/06/2012 - 12:43
Klar sucht Erdolf Krieg, keine Frage der traümt doch davon das Osmanische Grossreich auferstehen zu lassen.
Allerdings sehe ich die F4 Angelegenheit eher als einen schlechten Sender GleiWITZ Versuch
von Ihm an.
Immerhin war die Phantom ja wohl (nach den aktuellen Informationen) im Tiefflug in syrisches Hoheitsgebiet eingedrungen, was eindeutig eine Verletzung der Souveränität Syriens (egal was man von Assad hält).darstellt.
Wer im Tieflug in ein anderes Land fliegt macht sicherlich keine Sightseeing Tour.
Was Erdolf angeht (und so gut sah der bei der Erklärung vorgestern wirklich nicht so gut aus) darf ich mal an das hier: http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkischer-premier-erdogan-krankheit-mit-politischen-komplikationen-a-802801.html
erinnen…..
Vielleicht (und da bin ich mir fast sicher) waren es nicht nur ein paar Polypen sondern schon einige Darmkarzinome… macht euch doch einfach mal die “Mühe” Erdogan Fotos der letzten 2 Jahre bis heute zu vergleichen……
Erdolf wird sich wohl auf natürlich biologische Weise als Problem lösen…..(lassen)
Das D-Land wieder einmal auf der falschen Seite stehen würde in Sachen Türkei, ist nun wirklich keine neue Erkenntnis und das es knallen wird wohl auch nicht.
ComebAck
PS: deustche Presse türkische Presse gibt es da abgesehen von den “ü”´s noch Unterschiede ?
#2 von Jaette am 24/06/2012 - 12:50
Es war zu vermuten, jetzt ist es amtlich:
NATO envoys to meet over downed Turkish jet
By REUTERS
LAST UPDATED: 06/24/2012 13:02
BRUSSELS – Envoys from NATO member states will meet on Tuesday after Turkey requested consultations over the downing of its military jet by Syria, a NATO spokeswoman said on Sunday.
“Turkey has requested consultations under article 4 of NATO’s founding Washington Treaty. Under article 4, any ally can request consultations whenever, in the opinion of any of them, their territorial integrity, political independence or security is threatened,” Oana Lungescu said.
“The NAC (North Atlantic Council) will meet on Tuesday at Turkey’s request. We expect Turkey to make a presentation on the recent incident.”
#3 von Olaf am 24/06/2012 - 16:44
Wenn die NATO eine Wertegemeinschaft sein sollte, dann muß die barbarische Türkei raus aus dem Bündnis.
#4 von widergenger am 24/06/2012 - 18:43
Wer provoziert da wen?
#5 von Jaette am 24/06/2012 - 19:26
Blöde Frage, “widergenger”, meinen Sie nicht? Ach ja hatte vergessen, dass die gefühlten Osmanen IMMER die “Guten” sind.
#6 von karl am 24/06/2012 - 19:29
zu Focus:Ich bezweifel das Syrien so dumm wäre Flüchtlöinge auf Türkischem Gebiet zu beschiessen-was ein Grund für die NAto wäre einzugreifen.Das dürften die”Rebellen”gewesen sein-denen ist doch alles Recht und da das Leben auf Erden für einen Moslem eh nicht wichtig ist haben sie auch kein Skrupel Moslems umzubringen für”die gute Sache”.
#7 von Gudrun Eussner am 25/06/2012 - 02:42
Die ganze sunnitische Radikalisierung in der Region ist ein Kalter Krieg des Westens gegen Rußland und China. Vielleicht kann Israel eines Tages noch froh sein, daß der Iran die Atombombe hat.