Bundesaußenminister Westerwelle ist begeistert: 50% der Ägypter haben sich an der Wahl eines neuen Präsidenten beteiligt und “ein klares Ausrufezeichen für eine demokratische Entwicklung des Landes gesetzt”. Was der Trottel nicht erwähnt: In der Stichwahl steht jetzt der Kandidat der Muslimbrüder gegen den ehemaligen Regierungschef von Mubarak. Hauptsache ein neuer Diktator. Was für ein Ausrufezeichen!
Der SPIEGEL berichtet:
Der Kandidat der Muslimbrüder, Mohammed Mursi, lag demnach klar in Führung, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Er wird deshalb bei einer Stichwahl am 16. und 17. Juni gegen den letzten Ministerpräsidenten Mubaraks, Ahmed Schafik, antreten. Schon am Freitagvormittag, lange bevor die Wahlkommission ein Ergebnis bekanntgab, hatten die Muslimbrüder die Führung für sich beansprucht.
Dem gelernten Ingenieur Mursi waren zu Beginn kaum Chancen eingeräumt worden – der 60-Jährige gilt als wenig charismatisch. Er saß von 2000 bis 2005 für die Muslimbrüder im Parlament. 2011 wurde er Vorsitzender der neuen Partei der Bruderschaft (Partei für Freiheit und Gerechtigkeit). Mursi gehört dem konservativen Flügel der Bewegung an und wirbt für eine “islamische Renaissance”.Gegenkandidat Schafik wurde nach einer Karriere in der Luftwaffe 2002 von Mubarak zum Minister für Zivilluftfahrt ernannt. Am 29. Januar 2011, vier Tage nach Beginn der Massenproteste, machte Mubarak den 70-Jährigen zum neuen Regierungschef. Doch die Rechnung ging nicht auf: Mubarak trat schließlich zurück und der Oberste Militärrat, der im Februar die Macht übernahm, setzte Schafik am 3. März wieder ab. Aus Sicht der Revolutionsjugend ist Schafik ein “Überbleibsel des alten Regimes”.
#1 von Nächstenliebe am 25/05/2012 - 18:46
Es erscheint mir unzutreffend, Shafik hier in ein Boot mit dem Muslimbruder als “Diktator” zu werfen.
Wenn Shafik die pro-westliche Politik vom alten Kampfpiloten Mubarak so fortsetzen könnte, wie es Mubarak nach dem ebenfalls sehr guten Sadat geschafft hat, ist “Diktator” verunglimpfend.
Sie wussten mit den Muslimbrüdern umzugehen, welche aber den nächsten Präsidenten stellen dürften.
Shafik sollte sich also einen Hubschrauber bereitstellen.
#2 von Hans am 25/05/2012 - 21:20
Warten wir doch erst einmal das Ergebnis ab. Viel Hoffnung kann man aber wohl nicht haben