Der kopflose Ausstieg aus der Kerntechnik durch die Regierung Merkel war nicht die erste linkspopulistische Kurzschlusshandlung zu Ungunsten Deutschlands. Auch nach dem Unfall von Tschernobyl 1987 gab es einen “kleinen Ausstieg”. NRW gab unter Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) damals die Förderung einer im Kernforschungszentrum Jülich entwickelten revolutionären neuen Technik auf, die fast alle Nachteile und Risiken der konventionellen Kerntechnik ausschaltet. Ein erster Reaktor dieser Art ging 2008 ans Netz – in Peking. Damals berichtete die WELT, in der öffentlichen Diskussion angekommen ist das Thema allerdings auch vier Jahre später noch nicht.
Die WELT berichtet:
Das Kernkraftwerk von Hamm-Uentrop hätte der erste Kugelbett-Reaktor der Welt werden sollen. Doch es kam anders. Der erste Reaktor mit dieser ungewöhnlichen Technologie wurde schließlich in Peking in Betrieb genommen – mit Know-how aus Deutschland. Hermann Josef Werhahn hat die Reaktortechnologie mit den kugelförmigen Brennelementen von Anfang an als Berater begleitet. Über ihre Zukunft sprach mit ihm Norbert Lossau.
Die Welt:
Es gibt heftige Proteste gegen die Atommülltransporte nach Gorleben. Wie sicher ist die Endlagerung von strahlenden Abfällen im Salzstock?
Hermann Josef Werhahn:
Die richtige Auswahl geologischer Formationen kann hier gewiss für lange Zeiträume große Sicherheit gewährleisten. Man darf aber nicht vergessen, dass auch in einem Salzstock die Castor-Behälter nach einigen Tausend Jahren durchgerostet sein könnten. Und das wäre recht unangenehm.
Sie können demnach die Kritik der Gorleben-Gegner ein Stück weit verstehen?
Werhahn:
Die bisherigen Systeme der kerntechnischen Industrie sind nur Zwischenschritte und keinesfalls für die Ewigkeit gemacht. Hier müssen viel strengere Maßstäbe als bisher angelegt werden. In diesem Punkt stimme ich den Kritikern zu.
Doch Sie sind kein Atomkraftgegner. Sie haben sich seit Jahrzehnten für die Nutzung der Kernenergie stark gemacht?
Werhahn:
Das stimmt, aber für eine andere Technologie, als sie heute zum Einsatz kommt. Bei der von Professor Rudolf Schulten im Forschungszentrum Jülich entwickelten Kugelbett-Reaktortechnik gäbe es das heutige Endlagerungsproblem nicht.
Warum?
Werhahn:
Bei dieser Technik kommen keine Brennstäbe zum Einsatz, sondern sandkornkleine Panzerkörner. Das sind nadelkopfgroße Kernbrennstoffe, die von einer diamantharten Hülle aus Siliziumkarbit umgeben werden. Diese Körnchen kommen – ähnlich wie Rosinen ins Brötchen – in eine etwa handgroße Grafitkugel. Die Haltbarkeit dieser Keramikhülle um den Kernbrennstoff – und später den Atommüll – wird von den Experten mit mindestens eine Milliarde Jahre angegeben. Damit wäre das Endlagerungsproblem gelöst. Auch der Betrieb der Kernkraftwerke wäre von seinen heutigen Risiken befreit.
Doch die Entwicklung der Technologie, von der Sie jetzt sprechen, ist in Deutschland bereits vor Jahren eingestellt worden. Wie konnte dies geschehen, wenn sie der gewöhnlichen Reaktortechnik doch so überlegen sein soll?
Werhahn:
Das war eine dramatische Fehlentscheidung, die 1986 unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in Nordrhein-Westfalen getroffen wurde. Neun Wochen nach dem Unglück hatte sich der damalige Ministerpräsident Johannes Rau entschlossen, seine bis dahin sehr positive Beurteilung dieser Technologie aufzugeben und, dem Druck einer verunsicherten Bevölkerung folgend, die weitere Entwicklung der Kugelbett-Reaktortechnologie ganz und gar zu stoppen.
Aus heutiger Sicht erscheint das schwer nachvollziehbar. Die mit großen Restrisiken behafteten Reaktoren der zweiten Generation, wie sie hierzulande bis heute im Einsatz sind, durften weiter betrieben werden. Und eine neue, sicherere Technologie wurde gestoppt?
Werhahn:
Es war eben eine politisch motivierte Fehlentscheidung. Offenbar glaubte man, der Bevölkerung den Unterschied zwischen einer veralteten und einer innovativen Kerntechnik nicht klarmachen zu können. In jenen Tagen hatte Herr Rau vor, die in Nordrhein-Westfalen entwickelte Kugelbett-Technik dem russischen Generalsekretär Gorbatschow zu präsentieren. Doch wenige Tage danach wurde in Düsseldorf der Ausstieg gepredigt.
So ist das Know-how dieser Technologie nicht nach Russland, dafür aber später nach China und Südafrika gelangt?
Werhahn:
Das ist richtig. Das Forschungszentrum Jülich hat diesen beiden Ländern Know-how zur Verfügung gestellt. In Peking ging der Prototyp eines Kugelbett-Reaktors vor drei Jahren in Betrieb. Die entstehende Wärme nutzen die Chinesen unter anderem zur Veredelung von Kohle. Die Südafrikaner wollen mittelgroße Kernkraftwerke mit einer Leistung von 150 Megawatt bauen. Sie werden dabei von englischen, amerikanischen und von japanischen Firmen unterstützt.
In Frankreich werden Kernreaktoren der vierten Generation entwickelt, die sicherer sein sollen als die heute in Betrieb befindlichen. Ist das in puncto Sicherheit eine Alternative zur Kugelbett-Technologie?
Werhahn:
Die Kugelbett-Technologie ist von Hause aus vielfach sicherer als jede herkömmliche Reaktortechnik – auch wenn diese durch Nachrüstungen weiter verbessert wird. Die Kugelbett-Technologie ist von Anfang an für Standorte in Ballungsgebieten vorgesehen worden. Das war nur deshalb möglich, weil diese Technologie inhärent sicher ist. Ein Kugelbett-Reaktor kann aus natürlichen Gründen nicht durchbrennen.
Warum?
Werhahn:
Man hat sowohl in dem Forschungsreaktor in Jülich als auch in dem neuen Reaktor in Peking dramatische Experimente durchgeführt. In Gegenwart von wichtigen Zeugen hat man alle Sicherheitsvorkehrungen und Kühlungen des Reaktors ausgeschaltet. Jeder andere Reaktor auf der Welt hätte in einer solchen Situation ein schreckliches Debakel erlebt. Sowohl in Jülich als auch in Peking ist natürlich nichts passiert, weil diese Technik von sich aus vollkommen sicher ist. Je höher die Temperatur im Reaktor wird, umso schwächer ist die Reaktionsrate. Das bezeichnen Fachleute als negativen Temperaturkoeffizient. Laien sagen, hier gibt es naturgegebene Sicherungen, die keine apparativen Sicherungen benötigen.
Der Begriff des größten anzunehmenden Unfalls, der sogenannte GAU, hat also für einen Kugelbett-Reaktor keinen Sinn?
Werhahn:
Diese Frage überlässt man am besten den Experten der Industrieversicherungen, die den Einzelfall untersuchen und erbarmungslos alle Eventualitäten durchrechnen. Für die heutigen Reaktoren gewährt bekanntlich keine Versicherung der Welt einen ausreichenden Versicherungsschutz. Dafür ist das Restrisiko viel zu groß. Ein Kugelbett-Reaktor ließe sich indes problemlos wie jede andere Industrieanlage versichern. Wie wäre es also, wenn die Regierungen künftig nur noch solche Kernkraftwerke genehmigen, die sich privatwirtschaftlich versichern lassen. Das wäre der Durchbruch für die Kugelbett-Technologie und für alle Leute verständlich oder gar befreiend.
Kugelbett-Reaktoren könnten also auch innerhalb von Chemieanlagen betrieben werden?
Werhahn:
Genau. Das ist ja eben ein Clou dieser Technologie. Mithilfe der im Reaktor gewonnenen Wärme könnte man kostengünstig Wasserstoff oder Alkohol produzieren. Wenn man das in großem Umfang machen und eine Wasserstoffwirtschaft etablieren will, geht das nur mit Kugelbett-Reaktoren.
Und wie sieht es mit der Sicherheit von Kugelbett-Reaktoren bei Terroranschlägen aus?
Werhahn:
Der Kugelbett-Reaktor ist nicht nur idiotensicher, er ist auch schurkensicher und sogar raketenfest. Was würde passieren, wenn man eine Rakete in eine Anhäufung aus einer Milliarde Kügelchen schießt? Die Kugeln und die Panzerkörner würden auseinanderfliegen und den Drücken ausweichen, einige dabei sicher auch beschädigt. Doch die diamantharten Panzerkörner darin blieben unversehrt. Diese Sicherheit ist unübertrefflich.
Als nuklearer Brennstoff kommt im Kugelbett-Reaktor nicht Uran, sondern das Element Thorium zum Einsatz?
Werhahn:
Zum Start des Reaktors benötigt man angereichertes Uran. Doch dann wird er tatsächlich mit Thorium betrieben. Der große Vorteil eines Thorium-Reaktors ist, dass kein Plutonium entsteht. Dies ist eine Lösung zur Vermeidung der Proliferation von Kernbrennstoffen für Atomwaffen. Beim Betrieb von Kugelbett-Reaktoren können Schurkenstaaten kein spaltbares Material für Atombomben abzweigen. Auch dies ist ein ganz wichtiger Aspekt.
Wie lange reichen denn die Weltvorräte an Thorium im Vergleich zum Uran?
Werhahn:
Thorium findet sich in Monazit-Lagerstätten. Die Vorräte würden ausreichen, um alle Kernkraftwerke der Welt mehrere Hundert Jahre zu betreiben.
So lange dürften die Uranvorkommen nicht reichen.
Werhahn:
Das ist richtig. Mit Thorium kann man Kernkraftwerke mindestens zehn Mal so lang betreiben als mit Uran. Aber auch Uran ist überreichlich im Meerwasser nachgewiesen.
Die Kugelbett-Technologie scheint der herkömmlichen Reaktortechnologie also in vielen Punkten überlegen zu sein. Trotzdem hat sie wohl angesichts der politischen Lage in Deutschland keine Chance auf eine Anwendung, oder?
Werhahn:
Solange über die Qualitäten der Kugelbett-Reaktoren in der Öffentlichkeit nicht gesprochen wird, gibt es für diese Technologie in der Tat keine Chance. Erst wenn zwischen der herkömmlichen Technik und der Technik der Zukunft klar unterschieden wird, werden wir hier weiterkommen …
… und wenn außerdem die Vorräte an fossilen Energieträgern zur Neige gehen.
Werhahn:
Ja. Die Menschheit wird sich im Laufe der nächsten beiden Generationen weitgehend von fossilen Brennstoffen verabschieden müssen. Die Zukunft gehört dem Wasserstoff beziehungsweise den wasserstoffhaltigen Verbindungen wie etwa den Alkoholen. Diese Energieträger lassen sich mithilfe von Kugelbett-Reaktoren wirtschaftlich produzieren.
#1 von stm am 21/02/2012 - 18:39
Pssst… Psst.. Laßt das nur niemanden hören! Nur weg mit dem Teufelszeug, möglichst weit weg, China ist da genau richtig. Und daß das sicher sein soll, na ja, die Chinesen nehmen es ja mit der Umwelt nicht so genau, und es gibt ja auch genug Chinesen. Sollen sie ruhig mit den bösen Atomen billigen Strom produzieren, dann bleibt auch die Produktion in China weiter so schön billig. Wenn wir das hier hätten, müßte man den Leuten womöglich erklären, warum sie überteuerte Strompreise bezahlen müssen, mit denen nutzlose Windmühlen und Solardächer subventioniert werden. Was würde dann aus der ganzen Öko-Lobby-Industrie? Und wenn der ganze Unfug in zwanzig Jahren nichts mehr abwirft, weil die Förderung ausgelaufen ist, und dann auch jeder verstanden hat, daß das Ganze unsinnig war, wird diese Industrie dafür bezahlt, den Mist wieder abzubauen. Das schafft schließlich Arbeitsplätze. Kugelhaufenreaktor? Den brauchen wir in Deutschland nicht.
#2 von Jaette am 21/02/2012 - 20:46
Wow, da taucht sie wieder auf, die “Strom-aus-Atom-Lösung” für den eigenen Keller. Das Kleinstkraftwerk, was alles hätte ändern können… Hatte sie schon wieder vergessen, da wir in der BRD per Order nun nur noch von Wind und Sonne leben dürfen!
Bevor sich nun zu Unrecht Empörung breit macht: Ich favorisiere das Produkt von hyperionpowergeneration.com
#3 von Rainier am 21/02/2012 - 20:49
Wie es wirklich um Kugelhaufenreaktoren steht, kann man wikipedia nachlesen, es war wohl die grösste technische Stümperei im Nachkriegsdeutschland (s. THTR-300). Soeben haben auch die Amerikaner diese Kugelhaufentechnologie beerdigt, wie 2010 schon die Südafrikaner. Und China wäre zu wünschen, dass es sich damit keine Atomrruinen ins Land holt, die wie die beiden deutschen Kugelhaufenreaktoren über Jahrzehnte oder vielleicht Jahrhunderte nicht zurückgebaut werden können.
#4 von Jaette am 21/02/2012 - 21:05
#3 von Rainier
, kann man wikipedia nachlesen,
Hellau, weil der war richtig gut…
#5 von stm am 21/02/2012 - 21:28
#3 von Rainier am 21/02/2012 – 20:49
Daß der THTR300 als Prototyp seine Kinderkrankheiten hatte ist klar, man weiß leider nicht, was wäre, wenn man ihn 20 Jange lang konsequent weiterentwickelt hätte. Ob das Prinzip des Reaktors der Weisheit letzter Schluß ist, sei ebenfalls dahin gestellt. Die derzeit in Betrieb befindlichen Leichtwasserreaktoren wurden zu Zeiten des kalten Krieges entwickelt und gebaut, das erbrütete Plutonium war ein zum Bau “der Bombe” erforderliches, willkommenes Nebenprodukt. Unverständlich ist jedoch, daß aus politischen rot-grünen Gründen die gesamte Forschung und Entwicklung an neuen, von vielen Nachteilen freien Reaktoren, aufgegeben wurde. Wir kaufen jetzt schon Unmengen Strom aus dem Ausland, und das ist kein Öko-Strom. Wind und Sonne sind Unfug, die Verfügbarkeit ist einfach nicht gegeben, und der Wirkungsgrad reißt einen auch nicht vom Hocker. Dazu kommt, daß das Transportnetz jetzt schon am Ende ist, aber es werden weiter Windräder und Solardächer gefördert und gebaut. Ich bin kein Freund unsicherer Reaktortechnologie, aber wenn ich die wegwerfe (was ja auch Augenwischerei ist, denn die Dinger sind ja noch da, nur abgeschaltet kosten sie Geld, statt welches zu verdienen), brauche ich Alternativen, die funktionieren. Wind und Sonne sind das nun einmal nicht. Und einem in Deutschland betriebenen Kraftwerk, bei dem jeder Dübel geröntgt wird, traue ich eher als einem im Ausland.
#6 von kolat am 22/02/2012 - 00:23
@#5 von stm am 21/02/2012 – 21:28
“…bei dem jeder Dübel geröntgt wird…”
Die Dübel müssen auch geröntgt werden, damit wir nicht geröntgt (bzw. strahlenbelastet) werden.
#7 von karl am 22/02/2012 - 15:30
@3
Ja es war eine Stümperei weil er nicht so gebaut wurde wie es am Anfang gedacht war!
WÄre er richtig gebaut worden,wären wohl keine Kügelchen kaputt gegangen.Es ist auf jedenfall sicherer als die AKW die jetzt rumstehen.
Wir könnten natürlich auch noch alle in Autos ohne Sicherheitsglas rumfahren…Damals hatten vor allem Reiche Leute schöne Narben im Gesicht.